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151. Birdy - Ewa Wisnierska

// Ewa Wisnierska, Lucian Haas · 2025-01-03 · 01:23:27 · original episode · pdf

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[show notes]
Ewa Wisnierska wurde 2007 von einem Gewitter bis in 10.000 Meter Höhe gerissen. Wie hat das ihr Leben verändert? +++ Ewa Wiśnierska-Lubawska ist eine der erfolgreichsten Gleitschirmpilotinnen. Vier Jahre lang flog die Deutsch-Polin von Podium zu Podium und errang 2008 schließlich den Europameistertitel. In die Geschichtsbücher des Paraglidens ist sie aber mit einem unglaublichen, wenn auch unfreiwilligen Rekord eingegangen. 2007 geriet sie bei einem Trainingsflug im Vorfeld der Gleitschirm-Weltmeisterschaft in Australien in ein Gewitter. Mit Aufwinden von mehr als 40 Meter pro Sekunde wurde sie nach oben gerissen – bis in rund 10.000 Meter Höhe. Eigentlich gilt das als Todeszone, in der ein Mensch wegen der Kälte und ohne Zusatz-Sauerstoff keine 30 Sekunden überlebt. Ewa hat aber überlebt – wohl auch weil sie im Flug ohnmächtig geworden war und ihr unterkühlter Körper längere Zeit auf absoluter Sparflamme lief. Die unglaubliche Geschichte dieses Gewitterfluges wurde schon häufiger erzählt und wird bis heute in Medien immer wieder aufgegriffen. Mich hat für diese Podcast-Folge eine andere Frage interessiert: Was hat dieses zwangsläufig erschütternde Erlebnis mit Ewa gemacht? Und so erzählt die heute 54-jährige in dieser Episode 151 von Podz-Glidz von den Jahren vor dieser Zäsur – und von dem, was danach folgte. Es geht um Träume, Freiheit, Ehrgeiz, Erfolg und schließlich Ewas größte Lektion: zu sich zu stehen, auch mal Nein zu sagen und gerade damit für andere ein Vorbild zu sein. +++ Wenn Du Podz-Glidz und den Blog Lu-Glidz fördern möchtest, so findest Du alle zugehörigen Infos unter: https://lu-glidz.blogspot.com/p/fordern.html +++ Musik dieser Folge: Track: Frolic | Künstler: E’s Jammy Jams Youtube Audio Library https://www.youtube.com/watch?v=xasb1I0Mxss +++ Lu-Glidz Links: + Blog: https://lu-glidz.blogspot.com + Facebook: https://www.facebook.com/luglidz + Instagram: https://www.instagram.com/luglidz/ + Whatsapp-Kanal: https://whatsapp.com/channel/0029VaBVs05CHDynzdlJlU34 + Youtube: https://youtube.com/@Lu-Glidz + Soundcloud: https://soundcloud.com/lu-glidz + Spotify: https://open.spotify.com/show/6ZNvk83xxGHHtfgFjiAHyJ + Apple-Podcast: https://itunes.apple.com/de/podcast/podz-glidz-der-lu-glidz-podcast/id1447518310?mt=2 + Linktree: https://linktr.ee/luglidz +++ LINKS zu Ewa Wisnierska: + Ewas Homepage: http://www.ewawisnierska.com/ + Ewa auf Facebook: https://www.facebook.com/ewa.wisnierska + Wikipedia-Eintrag zu Ewa: https://de.wikipedia.org/wiki/Ewa_Wi%C5%9Bnierska + Galileo-Filmbeitrag: Gefangen in einer Gewitterwolke: https://www.youtube.com/watch?v=MIZ5e1G_vBw + Spiegel-TV Reportage: Flug in die Todeszone: https://www.spiegel.de/video/wendepunkte-todeszone-video-99012447.html + Wondery-Podcast: Gefangen über den Wolken | Nomadin der Lüfte: https://open.spotify.com/episode/3Dc6IuSzw06rW9sHuzTWHz

[transcript]

0:06Ewa Wisnierska

Und ich wusste, das wird die schwierigste Lektion sein, meine Eigenverantwortung zu lernen und aufzuhören, landen zu gehen oder erst gar nicht zu starten, obwohl andere es tun, weil ich das damals eben bis dahin noch nie geschafft hatte. Und dann erst, als ich mir bei der Europameisterschaft 2008 das letztendlich bewiesen habe und meinen Titel dann gewinnen konnte, ohne die Risiken einzugehen, da habe ich es entschieden, gut, jetzt hast du die Lektion gelernt, jetzt kannst du aufhören.

1:03Lucian Haas

Podz-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast.

1:07Ewa Wisnierska

Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens.

1:11Lucian Haas

Heute mit…

1:12Ewa Wisnierska

Eva Wischnierska -Lobawska.

1:16Lucian Haas

Und ich bin Lucian Haas.

1:21Lucian Haas

Eva Wischnierska ist eine der erfolgreichsten Gleitschirmpilotinnen. Vier Jahre lang flog die Deutsch -Polin von Podium zu Podium und errang 2008 schließlich den Europameistertitel. In die Geschichtsbücher des Paraglidens ist sie aber mit einem unglaublichen, wenn auch unfreiwilligen Rekord eingegangen. 2007 geriet sie bei einem Trainingsflug im Vorfeld der Gleitschirmfliege. Sie führte die Gleitschirm -Weltmeisterschaft in Australien in ein urplötzlich entstehendes Gewitter. Mit Aufwinden von bis zu 50 Meter pro Sekunde wurde sie nach oben gerissen, bis in rund 10.000 Meter Höhe. Eigentlich gilt das als Todeszone, in der ein Mensch wegen der Kälte und ohne Zusatz -Sauerstoff keine 30 Sekunden überlebt.

2:08Lucian Haas

Eva hat aber überlebt, wohl auch, weil sie im Flug ohnmächtig geworden war und ihr unterkühlter Körper längere Zeit auf absoluter Sparflamme war. Die unglaubliche Geschichte dieses Gewitterfluges wurde schon häufig erzählt und wird bis heute in Medien immer wieder aufgegriffen. Mich hat für diese Podcast -Folge eine andere Frage interessiert. Was macht ein solches, zwangsläufig erschütterndes Erlebnis mit einem? Und so erzählt die heute 54 -Jährige in dieser Episode 151 von Podz-Glidz von den Jahren vor dieser Zäsur und von dem, was danach folgte. Es geht um Träume, Freiheit, Ehrgeiz, Erfolg und schließlich den Wechsel zu Evas größter Lektion, zu sich zu stehen, auch mal Nein zu sagen und gerade damit für andere ein Vorbild zu sein.

3:06Lucian Haas

Eva, wer hat dir eigentlich den Spitznamen Birdie gegeben?

3:11Ewa Wisnierska

Das ist ein lustiger Anfang. Das haben mir meine mexikanischen Freunde gegeben. Ich war nämlich, noch bevor ich meine Wettkampfkarriere angefangen habe, war ich in Mexiko und bin da mit den Locals rumgeflogen und da war einer, genauer gesagt Mandrill, der so begeistert war mit mir da rumzufliegen, dass er dann eben gesagt hat, ich fliege wie ein Pajarito, also auf Spanisch Vogel, Vögelchen und dann haben alle gesagt, ja, das ist ein schöner Name. Und dann haben die das natürlich auf Englisch dann, ja, internationalisiert und seitdem bin ich Birdie und in Mexiko nach wie vor Pajarito.

3:57Lucian Haas

Ist der denn heute noch in Gebrauch? Also nennen dich Leute heute noch Birdie?

4:02Ewa Wisnierska

Je nachdem wer. Die, die mich aus der alten Zeit kennen, ja. Und die Mexikaner nach wie vor Pajarito, ja.

4:10Lucian Haas

Was bedeutet dir dieser Name?

4:15Ewa Wisnierska

Ja, ich fand, der war ziemlich zutreffend.

4:21Ewa Wisnierska

Ich habe nämlich noch, bevor ich angefangen habe zu fliegen, schon davon geträumt, mich wie ein Vogel frei zu bewegen und hatte mal auch eine, ich sage jetzt mal Vision, wo ich, ja, wie in einem Traum, mich selbst auf eine Baumspitze gesehen habe in einem Vogelnest und ich bin gerade mal aus dem Ei geschlüpft.

4:51Ewa Wisnierska

Und hatte in mir so ein ganz starkes Gefühl, ja, du kannst jetzt fliegen, du bist ein Vogel. Aber gleichzeitig dachte ich, ich bin aber so klein, ich bin gerade doch erst ein Vogel geworden und ich hatte Angst, aus dem Nest zu springen. Aber die Kraft in mir irgendwie, diese Intuition sagte mir, du kannst es aber, mach es. Und ja, das, ich habe das nie so in dem Zusammenhang gesehen, aber das war jetzt eine gute Frage, ja. Das war so meine innere Geburt als Vogel.

5:31Lucian Haas

Wie alt warst du, als du diesen Traum hattest, weißt du das noch?

5:34Ewa Wisnierska

Ah, da war ich so um die 20, 19, 20, so 20, ja.

5:43Lucian Haas

War das die Zeit, als du schon, als du auch mit dem Gleitschirmfliegen angefangen hast oder kam das erst später? Nein,

5:49Ewa Wisnierska

das kam erst später. Ich habe aber ungefähr um die Zeit auch Gleitschirmflieger zum ersten Mal in meinem Leben gesehen. Damals habe ich in Aalen gewohnt und es gab so ein Flugfest und Gleitschirmpiloten haben sich auf einem Seil geschleppt. Und danach hat sich einer eben gelöst und ich dachte, der fliegt einfach runter und der ist aber vor eine Baumreihe gesort und dann hat er Thermik gekriegt und ist weggeflogen. Und das war mein erstes, wow, wie geht das? Und dann habe ich die Leute natürlich gefragt und dann sagten sie, ja, das ist möglich mit der Thermik. Und dann wollte ich unbedingt auch lernen und habe gefragt, wo kann man das machen? Und dann aber, als ich den Preis erfahren habe, was so eine Schulung kostet, was ein Gleitschirm kostet, da musste ich leider passen für einige Jahre.

6:43Lucian Haas

Aber die Idee war im Kopf. Ja. Dann hattest du Geld und hast du dann gesagt, jetzt muss ich diesen Traum mal in Erfüllung gehen lassen oder wie ist das gelaufen? Ja, also die

6:53Ewa Wisnierska

Faszination war geboren und dann Jahre später, ich war dann selbstständig, habe mein eigenes Café in Hamburg gehabt und nach zwei Jahren Selbstständigkeit habe ich genug von selbstunständig gehabt, habe das verkauft und habe überlegt, was machst du jetzt? Dann wollte ich studieren, dafür musste ich aber eine Aufnahmeprüfung in Polen machen, weil ich da mein Abi gemacht habe. Und als ich in Polen war, erzählte mir mein Bruder, dass er am Wochenende zum Gleitschirmkurs fährt. Und dann war natürlich wieder, was? Und dann habe ich gesagt, dann fahre ich mit dir. Dann habe ich an dem Wochenende eben so einen Grundkurs gemacht und als ich das allererste Mal vom Gleitschirm vielleicht einen Meter vom Boden abgehoben wurde,

7:40Ewa Wisnierska

war dann natürlich das Gefühl, wow. Das spüre ich bis heute noch, das war einfach unglaublich, unbeschreiblich. Und dann wollte ich natürlich so schnell wie möglich, so viel wie möglich lernen und mich eben wie ein Vogel frei bewegen können.

7:59Lucian Haas

Das heißt, dieses erste Abheben war wie dieser Sprung aus dem Nest vom Baccarito dann so?

8:03Ewa Wisnierska

Ganz genau, also kann man gut damit vergleichen, ja.

8:07Lucian Haas

Hast du dein Studium dann sein lassen?

8:10Ewa Wisnierska

Ja, ich habe dann praktisch, also das war im Sommer dann. Dann, als ich zurück nach Hamburg kam, dachte ich, gut, dann mache ich schnell einen Aschein, bevor ich das Studium anfange. Und als ich dann aber in Greifenburg meinen allerersten Höhenflug gemacht habe von der MBG Ahlen und plötzlich 1000 Meter unter mir hatte, saß ich dann nach der Landung unten und dachte, oh mein Gott, was soll ich in Hamburg? Da gibt es doch keine Berge und wo soll ich denn hinziehen? Und dann, drei Monate später, war ich auf meine Lieblingsstadt, weil Hamburg war tatsächlich vier Jahre lang meine Lieblingsstadt. Aber dann dachte ich, nee, ich brauche die Berge. Und dann hat sich schnell herausgestellt, dass mir das Fliegen dann doch viel mehr bedeutet hat.

9:01Ewa Wisnierska

Und ich habe das Studium sein lassen und habe dann 2021 mich komplett der Fliegerei verschrieben, habe die ganze Saison… 2021?

9:11Lucian Haas

Nee, 2001 war das wahrscheinlich, ne?

9:14Ewa Wisnierska

Entschuldigung, 2001, ja genau, 2000 habe ich angefangen. 2001 habe ich die ganze Saison rumgereist, habe damals 36 Fluggebiete in einer Saison kennengelernt, habe so viele Flüge gemacht wie nur möglich, auch Sicherheitstrainings. Also ich habe dann so Jobs angenommen, wo ich filmen konnte oder die Leute hochfahren konnte. Dadurch konnte ich dann eben selber sehr viel lernen, weil ich bei den Analysen dabei war immer und dann eben am Nachmittag selber alles ausprobieren konnte. Also das war ein sehr, sehr intensives Flugjahr, in dem ich ja sehr viel gelernt habe.

9:52Lucian Haas

Hattest du damals schon deinen berühmten roten Bus?

9:57Ewa Wisnierska

Nein, damals noch nicht. Das war ja mein Anfang. Den roten Bus hatte ich erst, als ich mit dem Wettkampffliegen angefangen habe. Weil da habe ich festgestellt, dass ich mehr unterwegs bin als zu Hause und habe überlegt, ja, so eine Wohnung kostet Geld und da bin ich eigentlich nur immer zum Umpacken, Wäsche waschen. Und da habe ich gedacht, nö, das Geld kann ich mir sparen und dafür habe ich dann eben einen Bus gekauft und habe dann darin gewohnt und konnte mich so viel freier bewegen, da wo man fliegen konnte.

10:34Lucian Haas

Wie bist du denn dann da zum Wettkampffliegen gekommen? War das ein Ziel von dir, dass du gesagt hast, okay, ich will mich messen mit anderen?

10:42Ewa Wisnierska

Nein, auf keinen Fall. Ich bin einfach immer für mich herum geflogen und habe aber von einem Freund mal ein GPS geschenkt bekommen und habe mit dem die Flüge aufgezeichnet, aber ohne Ziel. Dann habe ich einmal einen untypischen Flug in Greifung gemacht. Ich habe einfach die Talseite nach Süden gewechselt und bin da die unübliche Route geflogen und ein Flieger hat damals gesagt, das war 2003, da begann es erst mit dem Online XContest und dann sagte er, den Flug musst du reinstellen. Und ich sagte, nein, ich kenne mich da überhaupt nicht aus und überhaupt, das ist nicht mein Ding.

11:28Ewa Wisnierska

Und dann sagte er, doch, doch, komm, ich mache dir ein Konto. Dann hat er mir das dann erstellt und hat mir gezeigt, wie man die Flüge da eben hochlädt. Ja, und dann war der Flug da. Nur mit einem Flug, was will man da? Dann habe ich natürlich angefangen, die anderen Flüge auch reinzustellen und dann Ende der ersten Saison hat jemand gesagt, naja, dann musst du nach Deutschland fahren, weil wenn du da die Ergebnisse gewertet haben möchtest, dann musst du einen Flug in Deutschland starten. Und in Deutschland bin ich fast nie geflogen, kannte die Fluggebiete da nicht so gut aus. Und dann hat jemand gesagt, ja, da ist der letzte World, nicht World Cup, sondern German Cup diese Saison, dann fahr doch hin und fliegst dann einfach hinterher und dann hast du deinen Deutschlandflug.

12:19Ewa Wisnierska

Ja, gute Idee, bin dahin und ja, die Flieger haben gefragt, ob ich an dem Wettkampf teilnehme und gesagt, nein, nein, ich fliege euch einfach nur so hinterher. Und dann sagten die, komm, schreib dich ein, du wirst sehen, du wirst ganz anders fliegen. Und ich habe gesagt, aber ich kenne mich da überhaupt nicht aus, irgendwelche Routen und was weiß ich. Und dann sagten die, wir erklären dir das. Und dann habe ich mich überreden lassen, habe dann vom Organisator die Waypoints draufgespielt bekommen, dann haben sie mir dann am Startplatz gezeigt, wie man die Route eingibt. Ja, und dann bin ich meinen ersten Wettkampf geflogen und zu meinem Erstaunen war ich damals zweite Frau.

13:04Ewa Wisnierska

Und dann dachte ich, wow. Und dann habe ich tatsächlich festgestellt, das ist ja gigantisch, weil ich bin bis dato immer alleine geflogen. Und plötzlich habe ich gesehen, durch die vielen Piloten war die Luft so toll markiert, man konnte sehen, wo die hinfliegen, wo ich alleine mich niemals getraut hätte hinzufliegen. Und so sah ich, aha, da ist auch Thermik. Dann bin ich dann eben tatsächlich hinterher geflogen. Und dann habe ich festgestellt, in der Tat, man kann dann echt viel schneller lernen. Und habe mir dann gedacht, okay, dann nehme ich mir vor, 2004 eine Saison einfach zu probieren. Was kann ich? Bei welchen Wettkämpfen kann ich überhaupt teilnehmen?

13:50Ewa Wisnierska

Natürlich die, wo man sich nicht qualifizieren muss. Und dann habe ich an allen Opens, sprich sowas wie German Open, Swiss Open, Nordic Open und so weiter. Teilgenommen, habe mir dann ein Ziel gesetzt, dass ich mich für die deutsche Liga qualifizieren möchte. Ja, und dann, nach glaube ich zwei Wettbewerben, zwei oder drei, war ich schon qualifiziert. Und dann hat mich Stefan Mast damals angesprochen, ja, dass er mich auch gerne in die Nationalmannschaft bringen würde. Und dann habe ich schon 2004 auch meine erste Teilnahme an der Europameisterschaft. Hinter mir gehabt. Also da war ich total überrascht, wie schnell das alles ging.

14:36Ewa Wisnierska

Und ich hätte nie träumen können, dass ich so schnell irgendwie solche Erfolge feiern kann. Weil ich habe dann bei diesen Opens alle gewonnen. Und ja, das war so ein kometenhafter Aufstieg, von dem ich nie geträumt hätte.

14:54Lucian Haas

Wenn schon 2001 die Mexikaner gesagt haben, du bist ein Pajarito, ein Birdie, ein Vögelchen. Weil du so toll fliegen kannst. Woher kommt das? Hat man sowas auch irgendwo in den Genen?

15:10Ewa Wisnierska

Keine Ahnung. Du hast ja

15:11Lucian Haas

keine Familientradition der Fliegerei.

15:14Ewa Wisnierska

Ich sage mal so, mein Vater war Modellflugzeugbauer. Und er selbst hatte auch den Traum damals, er wollte gerne Segelflieger werden. Aber man musste ja diese ärztliche Untersuchung machen und irgendwas. Und ich weiß nicht aus welchem Grund, ich glaube wegen den Augen oder irgendwas, hatte das nicht bestanden. Und das tat ihm immer so leid. Und dann als ich anfing zu fliegen, habe ich irgendwie bei ihm auch so gesehen, so auf der einen Seite wow toll, auf der anderen Seite auch so seine Angst. Aber meine Eltern waren ganz toll und haben mich da immer unterstützt, also standen zu mir, selbst nach diesen schrecklichen Erlebnissen.

16:00Ewa Wisnierska

Haben die mir eben irgendwann gesagt, wo ich überlegt hatte, ob ich dann nochmal zu der WM fliege, haben die natürlich auch schon Sorgen sich gemacht, aber haben gesagt, sie sind überzeugt, ich treffe die richtige Entscheidung und ja, sind immer bei mir.

16:20Lucian Haas

Wodurch würdest du sagen, bist du so schnell dann so gut geworden? Einfach weil du viel geflogen bist oder weil du ein besonderes Gefühl für die Luft hast? Oder kannst du dir Luft besonders gut vorstellen? Was ist das?

16:34Ewa Wisnierska

Ich glaube, das sind mehrere Faktoren, aber ich glaube, das Wichtigste ist die mentale Einstellung. Und ich denke, das war einfach diese Passion, dieser Flugvirus, Thermik befallen hat. Er hat so eine große Faszination und Passion bei mir ausgelöst, dass ich eben so schnell wie möglich, so viel wie möglich lernen wollte. Und wenn man etwas so leidenschaftlich gerne tut, dann ist einem keine Mühe irgendwie zu viel. Und ich habe dann eben, ich war wie ein Schwamm, der alles aufsaugen wollte.

17:20Ewa Wisnierska

Ich habe alle Bücher gelesen, habe mir wirklich alles gekauft und gelesen. Was nur ging, um eben, ja, schnell gut zu werden.

17:33Ewa Wisnierska

Also das war einfach diese Faszination, die mich angetrieben hat. Und die, gut, bisschen körperliche Fähigkeiten vielleicht auch. Also ich habe, als Kind war ich in eine Sportschule gegangen. Allerdings war das einfach Geräteturnen und dann andere Sportarten. Also ich glaube, das hat mir auch irgendwo so ein körperliches Gefühl gegeben. Aber dann auch so dieses Gespür für die Luft. Und ja, keine Ahnung, die Vorstellung, wie das alles so in der Luft funktioniert, das habe ich mir wahrscheinlich eher so aus den Büchern angelesen. Und so, ich habe immer wieder meine Flüge analysiert.

18:21Ewa Wisnierska

Also so eine Selbstanalyse, das betreibe ich immer. Egal in welcher Sache. Also ich habe versucht, immer meine Fehler zu analysieren. Was habe ich falsch gemacht? Warum ist jemand weiter geflogen als ich? Was hat er besser gemacht? Und auch dann später mein Wettkampf. Man redet sich das immer gerne auch so. Ah, der hat mich aus der Thermik rausgeschmissen. Oder irgendwie, die sind da gestiegen, ich kam an und dann war die Thermik vorbei. Und immer so, man sucht im Äußeren irgendwelche Ausreden. Und ich habe dann immer versucht, natürlich zu schauen, ja okay, du hast aber die Entscheidung getroffen, da oder dahin zu fliegen. Oder eben aus dem Bad früher auszusteigen, als vielleicht es besser gewesen wäre.

19:07Ewa Wisnierska

Oder umgekehrt, zu lange gekurbelt, andere sind weiter und haben noch was erwischt und du nicht mehr. Oder, oder, oder. Also ich habe dann eben versucht, wirklich selbstkritisch zu sein und zu schauen, was habe ich

19:19Lucian Haas

verbockt. Sportlich kam dann ja auch sehr schnell, einige Erfolge. 2004 hast du direkt den German Cup gewonnen. 2005 PWC -Gesamtsieg geholt bei den Frauen. 2005 warst du, glaube ich, auch Zweiter schon bei der WM und so weiter. Ging immer so, du warst dann ja auch relativ bald so ein Aushängeschild. Auch für, weil so eine erfolgreiche Frau, deutsche Nationalmannschaft, ein Vogel und sonst was. Und warst ja auf gewisser Weise auch, kann man fast sagen, ein Liebling der Medien. Damals dann auch schon. Ja,

19:52Ewa Wisnierska

stimmt. Hat

19:53Lucian Haas

dich das irgendwie gebauchpinselt? Hat dir das dein Ego gestreichelt?

20:01Ewa Wisnierska

Natürlich. Auf alle Fälle. Ich meine, es ist ja toll, wenn man immer so gefeiert wird. Und ich meine, die Erfolge waren auch da. Das hat mich auch irgendwo stolz gemacht. Auf der anderen Seite hat es aber auch die Erwartungshaltung erhöht. Ja. Sowohl von den Medien und von der ganzen Flugszene als auch von mir selbst. Weil natürlich, wenn man immer gewonnen, gewonnen, gewonnen hat, dann will man das auch aufrechterhalten. Und ich kam damals sehr schlecht mit Niederlagen zurecht. Also wenn ich irgendwie vielleicht nicht mal einen ganzen Wettbewerb, aber einen Tag schlecht geflogen bin oder einen Fehler gemacht habe.

20:48Ewa Wisnierska

Und eine andere Frau oder halt andere waren besser als ich, dann habe ich mich schon geärgert. Und ja, ich wollte natürlich diesen Erwartungen auch irgendwo gerecht werden.

21:03Lucian Haas

Wann hat dieser Ehrgeiz, den du da entwickelt hast, wann hat der so seinen ersten großen Dämpfer bekommen?

21:12Ewa Wisnierska

Der erste war eigentlich schon meine, meine erste EM. Gleich im ersten Jahr. Wobei, ja doch. Weil ich wollte natürlich, damals war ich noch nicht so berühmt. Da kam das erst. Aber ich habe bei der EM geführt. Und beim letzten Task ist mir ein Fehler passiert, aus dem ich mich wirklich dann zu nagen hatte. Ich habe nämlich ein altes GPS gehabt mit ganz wenig, mit 10.000 Speicherpunkten. Und von daher war das Intervall alle 20 Sekunden.

21:57Ewa Wisnierska

Damit das für den ganzen Task reicht. Und wir sind im... War das noch dieser blaue

22:02Lucian Haas

Knochen, so ein MLR24 oder so wie die hießen?

22:05Ewa Wisnierska

Wobei, nein, die hatten schon mehr. Ich hatte den Garmin 12. Ah, okay. Genau, der hatte noch weniger Punkte. Und dann habe ich praktisch, haben wir gewartet auf den Startzeitpunkt. Und dann musste man noch in den Zylinder gehen. Kurz reinfliegen und dann zu der nächsten Wende fliegen. Und ich war zu kurz in dem Zylinder, sodass mein GPS keinen Waypoint reingesetzt hat. Und ich bin dann weiter... Dann habe ich praktisch die ganze Strecke dann geflogen. Und das war ein sehr schwieriger Tag. Also an dem Tag kamen ganz wenige Piloten ins Ziel. Und meine größte Rivalin damals, Petra Krawitz, die hatte ziemlich großen Rückstand im Vergleich zu mir.

22:57Ewa Wisnierska

Von daher war das schon für mich wichtig, einfach so weit wie möglich zu fliegen an dem Tag. Bin auch gelandet und sie ist unterwegs abgesoffen. Und ja, von daher waren wir im Prinzip überzeugt, ich habe gewonnen. Und dann auch beim Auslesen vom GPS passte alles. Und dann hat Petra mir auch schon gratuliert. Ja, und sagt, wow, super, erste EM schon, Europameisterin und herzlichen Glückwunsch. Und am nächsten Morgen kam Stefan Mast und sagt, Eva, du musst dein GPS nochmal abgeben. Also wieso? Ja, die haben da irgendwie gestern was falsch bei den Einstellungen gehabt.

23:44Ewa Wisnierska

Und der Zylinder war zu groß gesetzt. Und dann haben die das aber korrigiert. Und jetzt stellt sich heraus, dass du keinen Waypoint drin hattest. Und jetzt müssen die das nochmal kontrollieren. Und dann haben die das kontrolliert. Und tatsächlich, der Waypoint war dann draußen. Und somit zählte mein kompletter Flug nicht mehr. Und das war für mich so Wahnsinn. Das kann nicht sein. Man hat schon irgendwo innerlich den ersten Europameistertitel gefeiert. Andere haben schon gratuliert und so. Und plötzlich wird das sozusagen aberkannt. Und dann, bei der Siegerehrung, musste ich dann der Petra gratulieren. Und sie sagte, ihr war das irgendwo auch so peinlich.

24:33Ewa Wisnierska

Weil fliegerisch bin ich weitergekommen, aber technisch halt großen Fehler gemacht.

24:38Lucian Haas

Also es war im Grunde klar, du bist die eigentlich bessere Fliegerin gewesen und hast nur einen blöden technischen Fehler gemacht.

24:44Ewa Wisnierska

Ja, ganz genau. Und dann habe ich mir eben das erste Compeo gekauft, wo ich dann jede Sekunde gespeichert habe. Vom Flug oder alle zwei Sekunden. Damit mir dieser Fehler nie wieder passiert. Und ja, das hat weh getan.

25:03Lucian Haas

Würdest du sagen, dass du in dieser Wettkampfkarriere im Grunde dann auch immer aus Fehlern gelernt hast und letzten Endes immer weniger Fehler auch gemacht hast?

25:12Ewa Wisnierska

Ja, auf alle Fälle. Ich sage mal so, die anderen Fehler waren vielleicht nicht so schwerwiegend, dass mich das einen Titel gekostet hätte. Aber natürlich, jeder Mensch macht Fehler. Und ich habe dann auch weitere gemacht. Zum Glück konnte ich dann trotzdem so die meisten Wettkämpfe gewinnen. Aber ich habe daraus gelernt. Wobei ich sage mal, diese technischen Sachen. Ja, da war nur einmal habe ich noch einen richtig heftigen Fehler gemacht. Bei einem PWC. Aber das war eigentlich nicht technisch, sondern ich fotografiere liebend gern. Und habe bei einem... World Cup Task sehr gerne meine Kollegen fotografiert.

25:58Ewa Wisnierska

Und in Brasilien eben sind wir alle so schön nebeneinander geflogen. Und ich habe alle fotografiert und fotografiert. Und das sah so toll aus. Die Landschaft und die bunten Schirme. Und dann irgendwann war ich fertig. Dann verstecke ich meine Kamera und schaue auf mein GPS. Und es zeigt zwei Kilometer zurück. 180 Grad zurück. Und ich so... Wie jetzt? Und dann stellte sich heraus, dass wir praktisch geflogen sind. Und alle sind durch einen Zylinder vom Waypoint geflogen. Und ich war eben auch knapp draußen beim Fotografieren. Und zwei Kilometer später habe ich das erst gemerkt. Und dann sind alle weiter geflogen. Und ich musste umdrehen, zurückfliegen.

26:44Ewa Wisnierska

Und alle sich so gewundert, wo fliegt die jetzt hin? Und ja, das war mir dann auch eine große Lehre. Aber zum Glück konnte ich dann die anderen Tage die Punkte wieder gut machen. Und dann ist alles gut ausgegangen.

27:00Lucian Haas

Dann gab es ja mal einen ziemlich heftigen Unfall bei dir in der Schweiz. Würdest du auch sagen, das war ein Fehler? Oder worin lag der Fehler, dass es zu diesem Unfall bei dir gekommen ist?

27:12Ewa Wisnierska

Das war eindeutig mein Ehrgeizfehler. Also das war mein erster großer Unfall. Wir hatten bei dem World Cup... Also das war meine zweite World Cup -Saison. Also ich hatte meinen Titel 2015. Und dann 2005.

27:30Lucian Haas

Du bist über zehn Jahre so weit.

27:32Ewa Wisnierska

Genau, genau. Das ist schon so lange her. Und dann 2006 wollte ich natürlich den Titel verteidigen. Und dann so die ersten PWCs habe ich auch gewonnen. Und dann in Fiesch wollte ich natürlich auch weiterhin meine Führung ausbauen. Und es gab einen... Also die ganze Woche gab es einen... Es gab einen ganz starken Notfall. Und die Organisatoren haben damals immer gecancelt, gecancelt, gecancelt, gecancelt. Und am sechsten Tag war nach wie vor Föhn. Und die haben aber gemerkt, okay, wenn wir wieder canceln, dann haben wir keine Ergebnisse. Jetzt sind die Leute aus der ganzen Welt angereist. Also wir brauchen schon irgendeine Ergebnisliste. Und haben entschieden, okay, wir versuchen es heute.

28:20Ewa Wisnierska

Und das hat mir natürlich gestunken. Weil ich wollte bei der WM... Ich wollte bei den Bedingungen nicht fliegen. Aber da war natürlich mein Ehrgeiz noch so. Na ja, jetzt habe ich so viel investiert. War schon bei den anderen World Cups. Jetzt habe ich schon die Führung. Wenn ich heute nicht fliege, dann mache ich keine Punkte. Und es gab eben noch zwei Tage. Und wenn ich den einen nicht fliege, dann habe ich großen Rückstand. Und dann habe ich mich entschieden zu fliegen. Im ersten Bereich war es auch ganz okay. Aber dann hatten wir eine Wende sehr ungünstig gelegen. Wo man durch ein großes Lee fliegen musste. Also haben wir natürlich alle versucht, es mit maximaler Höhe zu umfliegen.

29:10Ewa Wisnierska

Weil der Waypoint war auf der Luftseite vom Talwind. Und dann habe ich auch vor mir Flieger gesehen. Wir haben wirklich maximale Höhe gemacht. Und trotzdem... Im letzten Moment, wo man in den Talwind reingekommen ist, ist die Höhe einfach verschwindend. Immer weniger geworden. Und ich konnte über diesen kleinen Vorsprung nicht rüberkommen. Musste also den Hügel umfliegen. Und habe dann im Lee eben erst einen Klapper gekriegt. Dann habe ich die Höhe verloren. Und dann hatte ich nur noch, keine Ahnung, vielleicht 30 Meter Höhe über Grund. Und dann sofort einen riesen Frontklapper. Und... Im letzten Moment ging der irgendwie auf. Aber ich bin trotzdem mit sehr großem Sinken dann auf dem Rücken aufgekommen.

30:00Ewa Wisnierska

Und habe mein Becken gebrochen.

30:03Lucian Haas

In deinem Kopf... Hast du damals schon ans Aufgeben gedacht? Also Aufgeben von deiner Wettkampfkarriere gedacht?

30:10Ewa Wisnierska

Überhaupt nicht. Nein, nein. Da war ich ja noch voll ehrgeizig. Und habe mir gedacht... Das hat mich sowas von geärgert. Weil ich wusste... Das war im August. Und ein Monat später, glaube ich, war der nächste World Cup. Da wusste ich, da werde ich nicht fliegen können. Das war in Slowenien. Und dann wollte ich aber im Oktober, glaube ich. Oktober oder November, weiß ich jetzt nicht mehr. War der World Cup auf Reunion. Und da wollte ich natürlich unbedingt versuchen zu fliegen. Also drei Monate später. Weil ich noch die Hoffnung hatte, vielleicht noch irgendwo durch ein Wunder doch noch den Gesamtsieg zu machen.

30:59Ewa Wisnierska

Aber da war leider so ein moralischer Dämpfer, als ich hin bin. Weil ich nach irgendwie zwei Flügen oder sowas feststellte, dass meine Brüche doch noch so wehtun, dass ich dann nicht aushalten konnte in der Luft.

31:19Lucian Haas

Kleine Nachfrage. Du hattest dir das Becken gebrochen. Und drei Monate später wolltest du in Reunion schon wieder gewinnen.

31:26Ewa Wisnierska

Ja, natürlich.

31:28Lucian Haas

Natürlich ist gut. Ja,

31:30Ewa Wisnierska

man sagte mir im Buch, also dauert drei Monate, dass man das dann wieder irgendwie belasten kann. Es hat zwar weh getan, aber ich wollte einfach versuchen.

31:47Ewa Wisnierska

Das

31:48Lucian Haas

war Reunion 2007. 2007 kam dann dein Schicksalsjahr. Australien. Da wolltest du auch gewinnen.

31:58Ewa Wisnierska

Da wollte ich natürlich auch gewinnen. Weil bei der ersten WM habe ich, wie du eben gesagt hast, nur den zweiten Platz gewonnen. Und wollte natürlich dann bei der zweiten WM versuchen, den ersten zu machen. Und wir hatten vor der WM gab es einen Wettbewerb. Ja. Wo dann praktisch die ganzen Piloten angereist sind, die für die WM trainieren wollten. Also das war wie so ein Aufwärmewettkampf. Und ja, dabei ist es dann passiert.

32:36Lucian Haas

Passiert ist, die meisten kennen die Geschichte. Du bist in ein Gewitter gekommen und bist auf rund 10.000 Meter in diesem Gewitter aufgestiegen. Oben bist du ohnmächtig geworden, so zumindest die Geschichte. Und bist aber dann nach dreiviertel Stunde, glaube ich, in dem Gewitter oder sowas, bist du auch wieder rausgekommen. Und letzten Endes leicht angeschlagen, sagen wir mal, für einen so schlimmen Vorfall. Da wieder rausgekommen und hast das überlebt.

33:08Lucian Haas

Warum ist dir das damals eigentlich passiert?

33:14Ewa Wisnierska

Warum?

33:17Ewa Wisnierska

Zwei Sachen. Also einmal Ehrgeiz natürlich. Ich bin bis dato...

33:25Ewa Wisnierska

nie landen gegangen, solange andere geflogen sind. Egal bei welchem Wettkampf, egal wie schlimm die Bedingungen waren, egal wie turbulent was war. Mein Ehrgeiz war immer größer als die Vernunft. Und ich wollte nie aufgeben. Also ich wollte nicht der Loser sein. Und irgendwie landen gehen, obwohl die anderen weiter geflogen sind. So war es auch hier. Und zum anderen war das mein Einschätzungsfehler. Weil die Gewitterwolke, in die ich gekommen bin, das war nicht die Gewitterwolke, die sichtbar war.

34:11Ewa Wisnierska

An dem Tag hat sich ein großes Gewitter gebildet, aber wir sind weg von dem Gewitter geflogen. Und meine Einschätzung war, dass das Gewitter weit geflogen ist. Genug ist, dass wir da nicht reinkommen. Das kann mich nicht einsaugen. Was dann aber passiert ist, das Gewitter hat ausgeregnet. Und die kalte Luft hat sich am Boden ausgebreitet. Und eine Wolke, die vor mir war, die ein ganz normaler Cumulus war. Also keine Anzeichen von irgendwie Vereisung oder irgendwas. Kein Cumulus Congestus oder so. Sondern eine normale Wolke. Und ich hatte aber viel Höhe, deswegen bin ich nicht unter die Wolke geflogen, sondern wollte sie umfliegen.

35:00Ewa Wisnierska

Und als ich am Rande der Wolke war, habe ich plötzlich ein unglaublich starkes Steigen bekommen. Und das war schon so ein bisschen komisch. Bisher war das Steigen so vielleicht bis dreieinhalb Meter so an dem Tag. Und plötzlich hatte ich sieben Meter. Naja gut, manchmal ist es so. Man ist an einer anderen Ablösungsstelle und die Thermik ist stärker. Dann wurde das Steigen aber immer stärker. Und die Wolke hat mich eingesaugt. Ich habe dann mit der Spirale versucht runterzukommen. Und merkte, ich komme an meine Grenzen körperlich. Also mir wird schwarz vor Augen. Und ich konnte ganz wenig Höhe praktisch abbauen. Und die Fliehkraft war aber so hoch, ich musste dann aufhören.

35:46Ewa Wisnierska

Und schwupp war ich wieder in der Wolke drin. Und dann mit der Fliehkraft. Und dann merkte ich, also mit ein paar Versuchen mit der Spirale komme ich runter. Also habe ich gedacht, gut, dann muss ich aus dem Steigen raus. Habe die Ohren angelegt und versucht einfach geradeaus zu fliegen. Aber das Steigen wurde immer stärker. Und als ich dann 15, 20 Meter Steigen hatte und sah, dass die Höhe schon bei 5000 ist, dachte ich, das kann nicht sein. Die Wolke war nicht so hoch. Und da plötzlich fing es an zu regnen. Und da dachte ich, also irgendwas läuft hier falsch. Weil aus einer Kumuluswolke, die nicht vereist, kann ja kein Regen kommen.

36:31Ewa Wisnierska

Und dann hat es angefangen zu hageln. Und ich habe nur noch Stefan Maast angefunkt. Stefan, ich bin auf über 5000 Meter. Hier regnet es und hagelt. Und ich kann nichts mehr tun. Und dann habe ich wirklich versucht, mich einfach nur auf den Schirm zu konzentrieren, dass er offen bleibt. Ich habe nichts gesehen. Es hat geregnet, gehagelt.

36:55Ewa Wisnierska

Und ich dachte, ja, ich kann nichts mehr tun. Erst später hat mir Volker Schweinis, als ich zurück in Deutschland war, erklärt, dass an diesem Tag eine ganz starke Inversion war. Und deswegen waren die Wolken vor uns immer noch alle schön aussehend. Und in dem Moment, wo ich unter der Wolke oder neben der Wolke war, hat die kalte Luft vom Boden ein riesiges Paket heißer Luft abgelöst. Und dieses Paket hat wohl in dem Moment die Inversion durchstossen. Und das war wie so ein Luftballon, wo man ein Loch macht, ist die Luft dann praktisch nach oben durch dieses Loch in der Inversion wie so eine Fontäne praktisch geschossen.

37:44Ewa Wisnierska

Und genau in dem Moment ist dann eben die Gewitter, die Babyzelle sozusagen entstanden.

37:53Lucian Haas

Dass du dort reingekommen bist, würdest du sagen, das war auch ein flugtaktischer Fehler? Oder konnte man das einfach gar nicht so vorhersehen? Auch wenn du sagst, na klar, andere Gewitter waren da. Man könnte auch sagen, bei Gewitter sollte man gar nicht mehr fliegen. Aber wäre das etwas, wo du eigentlich sagen würdest, ich konnte es so gesehen mit meinem damaligen Wissen, ich konnte es einfach nicht wissen, es ist mir dann einfach passiert.

38:17Ewa Wisnierska

Ganz genau. Also aus meiner Sicht, aus meinem damaligen Wissen hätte ich nicht vermutet, dass aus einer Kumuluswolke dieser Größe so schnell eine Gewitterzelle entstehen kann. Also ich habe ja bis dahin viele Wolken beobachtet, die wachsen, wachsen. Also es bildet sich erst mal Cumulus Congestus, dann bildet sich praktisch so eine Towerwolke, die dann irgendwann vereist oder so. Oder wenn der Congestus praktisch oben anfängt zu vereisen. Aber ich habe nie im Leben bis dahin gesehen, dass sich eine Gewitterwolke so schnell bilden kann.

39:03Ewa Wisnierska

Dass noch bevor ich unter die Wolke drunter fliege, nichts, praktisch keine Anzeichen zu sehen sind, dass sie überentwickeln kann. Und fünf Minuten später entwickelt sie sich wieder. Wie sich so eine Gewitterwolke. Das war, ja, hätte ich niemals mehr vorstellen können.

39:26Lucian Haas

Was mal wieder zeigt, wie explosiv Wetter manchmal sein kann dann halt. Ganz genau. In dieser Gewitterwolke, als du da hochgestiegen bist, irgendwann musst du ja schwarz vor Augen geworden sein. Also du bist ja dann ohnmächtig geworden und hast wahrscheinlich auch deswegen das überhaupt überlebt, weil dein Stoffwechsel entsprechend dann runtergefahren war oder so. Gab es denn da trotzdem vorher Gedanken, wo du sagst, ich habe da schon Abschied mit meinem Leben genommen?

39:53Ewa Wisnierska

Nein.

39:55Ewa Wisnierska

Natürlich habe ich die Todesangst irgendwo gespürt. Aber ich bin so ein bisschen so ein trotziger Mensch. Und selbst im Angesicht des Todes habe ich gesagt, nein. Also das kann ich meinen Eltern nicht antun. Und dann habe ich wirklich angefangen zu beten, wenn es lieber Gott gibt oder Engel oder wen auch immer. Bitte helft mir. Ich muss runter. Ich muss wieder runter. Und ich habe auch nicht daran gezweifelt. Überhaupt nicht.

40:30Lucian Haas

Du bist dann nach einiger Zeit, bist du wieder in der Wolke noch fliegend aufgewacht quasi. Also aus der Ohnmacht wieder bist du bewusst geworden. Was war der erste Gedanke?

40:45Ewa Wisnierska

Also zuerst habe ich versucht, den Druckpunkt zu spüren vom Schirm. Um aktiv zu fliegen, weil ich habe nichts gesehen. Und dann merkte ich, oh, ich habe gar kein, ich spüre nichts. Und dann merkte ich erst, dass ich die Bremsgriffe überhaupt nicht in den Händen habe. Und dann bin ich erschrocken und merkte, dass ich immer so liegend im Gurtzeug bin. Und dann habe ich mich an den Tragegurten so ein bisschen hoch gegriffen, um die Bremsgriffe, die Bremsgriffe wieder in die Hände zu nehmen. Habe die einfach vor die, vor das Gesicht genommen und habe gedacht, dass ich so vielleicht so einen Sekundenschlaf hatte oder sowas, so eine irgendwie Schwäche.

41:33Ewa Wisnierska

Ich hätte niemals gedacht, dass ich so lange bewusstlos war. Und dann, ich dachte nur, Gott, die Kälte ist so unerträglich. Habe die Hände praktisch vor meinem Gesicht nur gehalten und versucht geradeaus zu fliegen, weil ich immer noch gehofft habe, irgendwo aus der Wolke rauszukommen. Ich wusste nicht, dass ich so hoch war. Und ich dachte immer noch, ich bin in dieser großen Wolke und irgendwo muss es rausgehen. Und dann bin ich auch irgendwann kurz raus. Es schien die Sonne, aber dann merkte ich, dass ich eben noch fast auf 6000 Meter bin. Und unter mir waren nur Wolken. Ich habe gar keine Erde gesehen, sondern war immer noch über den Wolken.

42:21Ewa Wisnierska

Und der Schirm war am sinken. Und dann sank ich eben irgendwann wieder in die Wolke. Und dann dachte ich, oh mein Gott, ich bin noch so hoch. Ich halte die Kälte nicht aus. Und dann habe ich mich entschieden, okay, du musst runter, du musst spiralen. Und ich wusste, dass der Schirm natürlich voll nass ist und mit Hagel. Ich war voll vereist. An den Leinen hingen Eiszapfen. Und dann wusste ich, ich muss sehr vorsichtig spiralen. Und dann lieber lange, aber nicht zu heftig, dass ich das lange aushalten kann. Und dann habe ich sehr lange spiralt, bis sich dann irgendwann die Wolke lichtete und ich dann wieder die Erde sehen konnte wie so Apollo 13.

43:09Ewa Wisnierska

Wow, coming back. Da war die Freude so richtig im Herzen. Und dann habe ich aufgehört zu spiralen, habe geschaut, wo ich denn landen könnte. Und habe so in einer Gleitwinkelentfernung ein paar Kühe gesehen. Und dann dachte ich, okay, wenn da Kühe sind, dann werden da irgendwo auch Menschen sein. Und dann bin ich hin, dann einfach nur gegen den Wind gedreht, ganz sanft gelandet. Und dann wusste ich, okay, jetzt habe ich überlebt.

43:41Lucian Haas

Dann hat es noch eine Weile gedauert, bis man dich dann endlich dort gefunden hat, zum Krankenhaus gefahren hat und so weiter. Zwei Wochen später, glaube ich schon, war die WM. Und da bist du dann auch schon wieder gestartet. Warum?

43:56Ewa Wisnierska

Ja, ich wollte im Prinzip sofort wieder fliegen. Ja, weil ich wusste, wenn man, ich sage mal, ein Trauma hat, sollte man sofort wieder etwas tun, um es zu überschreiben, sozusagen. Positiv zu überschreiben. Ganz genau. Je länger die Zeit verstreicht, desto schwieriger wird es, und ich hatte aber eben Erfrierungen und man musste mir eben so eine riesige Blase durchschneiden und dann Antibiotikum bekommen. Und dann habe ich ein paar Tage noch gewartet, aber vor der WM dann noch die Schirmprobe geflogen, ob der überhaupt noch fliegt. Der war total vertrimmt.

44:42Ewa Wisnierska

Und dann habe ich gedacht, okay, die Chancen auf eine gute Platzierung sind sehr gering, aber ich wäre nicht ich. Wenn ich es nicht probiert hätte. Witzigerweise auf dem Flug nach Australien habe ich auch im Flugzeug einen Film angeschaut, Little Miss Sunshine. Und da sagte der Opa zu dem kleinen Mädchen, lose sind diejenigen, die so viel Angst haben zu verlieren, dass sie es nicht mal versuchen. Das ist mir so im Kopf hängen geblieben. Und da dachte ich, genau, und du versuchst es zumindest mal.

45:17Lucian Haas

Wie ist das nach einem so, ich weiß nicht, wie traumatisch das Erlebnis dann für dich war. Du warst ja auch ohnmächtig und hast vielleicht vieles auch deswegen nicht verdrängt. Aber da hat das Hirn vielleicht gar nicht mehr so wahrgenommen und vielleicht gar nicht mehr so verarbeitet, dass ich es als volles Trauma im Gehirn so festfressen kann oder sowas. Aber wie war das bei diesem ersten Flug, den du danach wieder gemacht hast? War das so, dass du das als eine Erlösung erlebt hast, wieder abzuheben? Oder war das rausfliegen für die Kameras, für die anderen, die haben dir zugeguckt, du warst die Heldin auf gewisse Weise. Aber hast du dich auch selber als Heldin geführt?

45:55Ewa Wisnierska

Nein, damals hat mich die Kamera und die Heldin und so weiter überhaupt nicht interessiert. Ich habe mich eigentlich mehr wie bei meinem ersten Höhenflug gefühlt. Ich spürte einfach nur Dankbarkeit. Dankbarkeit, dass ich lebe, dass ich immer noch fliegen kann.

46:20Ewa Wisnierska

Und ich hatte Tränen in den Augen, weil in dem Gewitterflug ist ein anderer Pilot ums Leben gekommen, der war nur 500 Meter von mir entfernt.

46:31Lucian Haas

Ein Chinese war das. Und ich habe das

46:32Ewa Wisnierska

nicht verstanden genau, warum er gestorben ist und warum ich überleben durfte. Und das war eigentlich so die größte Emotion und Dankbarkeit. Und ja, ich wusste zu dem Zeitpunkt, warum man mir mein zweites Leben oder drittes in dem Moment schon geschenkt hat. Aber ich war überzeugt, ich werde es irgendwann erfahren und habe dann gedacht, na ja, offensichtlich habe ich noch irgendwelche Aufgaben im Leben.

47:05Lucian Haas

Nun bist du dann die WM nicht zu Ende geflogen. War es damals aber für dich trotzdem klar, ich bleibe beim Wettbewerbsfliegen oder gab es dann auch in der nächsten Zeit wie so eine Zeit des Zweifels, wo du gesagt hast, vielleicht gebe ich jetzt doch ganz auf?

47:23Ewa Wisnierska

Also die WM bin ich tatsächlich noch zu Ende geflogen. Auch wenn mit ganz schlechtem Ergebnis. Ich kam nur unter die Top 10. Aber damals habe ich eben schon, also noch vor diesem Flug habe ich überlegt, höre ich auf oder nicht? Und ich wusste, dass mein größter Fehler mein Ehrgeiz war. Und ich wusste, wenn ich jetzt aufhöre, dann habe ich meine Lektion nicht gelernt. Und deswegen habe ich mir gedacht, nein, so hörst du nicht auf. Und dann habe ich mir und meinen Eltern gesprochen, ich bleibe beim Wettkampf. Ich möchte mir nämlich beweisen, dass ich wieder zu den Topgewinnern komme, aber ohne Risiko einzugehen.

48:13Ewa Wisnierska

Und ich wusste, das wird die schwierigste Lektion sein, meine Eigenverantwortung zu lernen und aufzuhören, landen zu gehen oder erst gar nicht zu starten, obwohl andere es tun. Weil ich das damals eben bis dahin noch nie geschafft hatte.

48:33Ewa Wisnierska

Und dann erst, als ich mir bei der Europameisterschaft 2008 das letztendlich bewiesen habe und meinen Titel dann gewinnen konnte, ohne die Risiken einzugehen, da habe ich es entschieden, gut. Jetzt hast du die Lektion gelernt, jetzt kannst du aufhören.

48:53Lucian Haas

Geht das eigentlich, Wettbewerbe zu fliegen, ohne Risiken einzugehen?

48:59Ewa Wisnierska

Ja, aber es ist sehr, sehr schwierig, weil, ich sage mal so, wenn man, wie ich damals am Anfang, es einfach aus Spaß und Freude macht, um zu lernen, dann, ja, dann gehe ich halt landen, wenn mir zu turbulent ist oder wenn das Wetter sich irgendwie entwickelt, wie ich das nicht haben will. Wenn man das nicht macht, dann kann man dann aber, so wie ich dann später, mehr oder weniger davon lebt. Ich habe nichts anderes getan, wie als Fluglehrerin gearbeitet und die Wettkämpfe geflogen. Das war mein Leben. Ich habe, auch wenn nicht viel, aber ich habe Sponsorengelder bekommen und man muss natürlich Ergebnisse liefern. Und dann überlegt man sich zehnmal, wenn man alles selber finanziert, ich musste alle Flüge, alle Wettkämpfe, alles vorfinanzieren,

49:49Ewa Wisnierska

und dann nur hoffen, dass ich gewinne. Und wenn ich eben nicht gewinne, dann gibt es keine Preisgelder. Und dann ist der Druck so hoch.

50:02Ewa Wisnierska

Und ich sage mal, ja,

50:06Ewa Wisnierska

es ist schwierig dann zu entscheiden, okay, ich gehe landen oder ich starte nicht.

50:12Lucian Haas

Noch vor der EM 2008, wo du gewonnen hast, da gab es ja nochmal einen PWC in Japan. Da bist du auch hingeflogen und da war, glaube ich, ein Filmteam sogar dabei, was dich filmen wollte. Und dann war scheiß Wetter in Japan und du hast gesagt, ich starte erst gar nicht. Und hast eigentlich alle Leute auf gewisse Weise vielleicht vor den Kopf gestoßen. Wie hast du dich damals gefühlt?

50:36Ewa Wisnierska

Also ich muss sagen, das war das allererste Mal, dass ich eben unter diesem Druck noch mit einem Fernsehteam, das nur den einen Tag da war, um mich zu filmen, sagen musste, Leute, ich muss euch enttäuschen. Ich werde nicht fliegen. Ich habe den Organisatoren gesagt, ich fliege heute nicht. Und dann muss ich sagen, das war zum ersten Mal ein Gefühl, wo ich wirklich alle anderen World Cup Siege und alle anderen Titel

51:11Ewa Wisnierska

waren nicht mal vergleichbar. So toll wie dieses Gefühl, wo ich das erste Mal mir selbst treu war und habe mir bewiesen, dass ich Nein sagen konnte, obwohl andere gestartet sind und obwohl der Organisator den Lauf laufen lassen hat. Und das war wow. Später dann auch bei Liga -Flügen, wo ich dann auch, das Wetter war schlecht, alle fliegen weiter und ich als allererste 90 Grad Kurve, Ohren angelegt, Beschleuniger und zum Landeplatz. Und dann sind andere Piloten zu mir, die auch dann gelandet sind und sagten, ich bin so dankbar, dass du die Erste warst.

51:56Ewa Wisnierska

Weil dann bin ich eben auch landen gegangen und habe ich erst so gemerkt, Mensch, das ist eigentlich nicht die Schwäche, landen zu gehen, sondern die Stärke, eben der Erste zu sein, die Erste zu sein, die Nein sagt und dann auch noch so eine Vorbildfunktion, dass andere dann eben sich dafür auch noch bedanken. Also wirklich, das hat mir gezeigt, dass es keine Schwäche, sondern eine Stärke ist.

52:24Lucian Haas

Würdest du das als den größten Erfolg deiner Karriere bezeichnen?

52:28Ewa Wisnierska

Ja, auf alle Fälle.

52:31Lucian Haas

Diese Situation in Japan, war das für dich auch, diese Entscheidung zu treffen, war das gewissermaßen auch ein Gefühl der Freiheit?

52:41Ewa Wisnierska

Ja, Freiheit, aber auch eine,

52:46Ewa Wisnierska

nicht Wiedergeburt, sondern eine Neuerkenntnis, eine neue Fähigkeit, die mir bis dahin gefehlt hat,

53:02Ewa Wisnierska

eben um sicher zu fliegen, sicher Wettkampf zu fliegen. Beim normalen Hobbyfliegen wäre es nie dazu gekommen, da war mein Ehrgeiz nicht so groß, aber beim Wettkampffliegen, ja.

53:17Lucian Haas

Nun hast du 2008 diese EM gewonnen und damit das bewiesen, dass es geht, man kann risikoarm sein, sage ich jetzt mal, fliegen und trotzdem noch gewinnen.

53:29Lucian Haas

Warum hast du dann trotzdem nachher auch noch weitere Wettbewerbe geflogen? So ein paar.

53:36Ewa Wisnierska

Ja. Weil im

53:37Lucian Haas

Grunde hattest du dich bewiesen, hast deinen Erfolg gehabt, hast gesagt, okay, eigentlich wäre das ja jetzt wie so, am Gipfel des Erfolges kann man dann abtreten so ungefähr, aber du hast trotzdem noch ein bisschen weitergemacht. Warum?

53:48Ewa Wisnierska

Ja, ich sage mal 2009 im Februar war dann die nächste WM, und Harry Bunz hat mich eben gefragt, ob ich dann mitkomme und ich habe gesagt, eigentlich wollte ich nicht mehr, aber Mexiko war so ein bisschen eben die Geburtsstätte von Pajarito, von Birdie und eben, ich hatte da so viele Freunde und ich hatte so Bauchweh, dahin zu fliegen, weil ich wusste, dass Februar eigentlich viel zu spät ist. In Mexiko ist die beste Jahreszeit so Dezember, Januar zum Fliegen, da wird es immer trockener, die Bedingungen werden immer anspruchsvoller und ich habe mich gewundert, dass die Organisatoren eine WM im Februar organisieren, aber da dachte ich, ach, so irgendwo aus Sentiment

54:42Ewa Wisnierska

und eben auch, naja, da dachte ich, okay, einmal versuchst du noch, ja, den WM -Titel und da habe ich aber schon entschieden, ich werde aber keine Sponsoren mehr haben, ich möchte nicht mehr den Druck haben, irgendwo gewinnen zu müssen und habe dann anstatt Sponsorenlogos einen Spruch, Thermik eben nach Australien geprägt hat, von Nelson Mandela, Be the change you wish to see in the world, den habe ich auf eigene Kosten produziert und in den Schirm reingeklebt, um irgendwo so ein Zeichen zu setzen, dass wir eben selber für die Veränderungen verantwortlich sind und eben die Eigenverantwortung für alles tragen und nicht immer nur

55:32Ewa Wisnierska

in den äußeren Welten nach Ausreden und Schuldigen suchen sollten.

55:40Lucian Haas

Wolltest du denn auch vielleicht die Wettkampfszene verändern?

55:46Ewa Wisnierska

Auf alle Fälle. Ich wollte meine Kollegen ja, so ein bisschen wachrütteln, weil ich gemerkt hatte, irgendwie mein Beispiel hat vielen überhaupt nichts aufgezeigt. Die haben nicht daraus gelernt. Das habe ich schon bei einem Weltcup zum Beispiel in Spanien gesehen, wo wir alle am Startplatz standen. Hinter dem Startplatz hat sich ein Gewitter gebildet. Es hat schon gewittert, also gedonnert und die Organisatoren haben trotzdem the window is open gesagt und alle, ausnahmslos alle, sind gestartet. Ich war die Einzige, die am Startplatz stand

56:32Ewa Wisnierska

und habe nur kopfgeschüttelt gesagt, haben die alle nichts daraus gelernt? Ich bin zum Organisator und habe gesagt, bitte, willst du die umbringen? Was machst du, warum? Und er sagte, naja, manchmal zerfällt die Zelle und dann kann man noch fliegen und dann war unten schon so viel Wind, dass die Leute nicht landen konnten. Die meisten sind wieder am Startplatz eingelandet. Dann haben die gecancelt natürlich und da habe ich irgendwie gemerkt, naja, jeder muss wohl eigene Erfahrungen machen und ich wollte halt mit diesem Spruch trotzdem zum Zeichen geben, dass wir selbst für die Veränderungen verantwortlich sind.

57:11Lucian Haas

Bei dieser WM in Mexiko gab es einen tragischen Vorfall. Da ist der Schweizer Stefan Schmoker dann auch tödlich verunglückt und du hast dann glaube ich die WM auch nach diesem Vorfall selbst abgebrochen. Ganz

57:26Ewa Wisnierska

genau. Also da habe ich einfach festgestellt, okay, wäre schön gewesen, jetzt zu probieren, aber eigentlich habe ich einen Fehler gemacht, dass ich überhaupt dahin bin, obwohl ich wusste, dass die Bedingungen eben im Februar so heftig sind und dann habe ich gedacht, nee, jetzt hörst du doch auf und dann habe ich mitten im Wettbewerb gesagt, das war's.

57:51Lucian Haas

Hast du damit vielleicht auch irgendwo, zumindest deinen Kollegen, deinem Gegenüber oder so, auch Schuldgefühle gehabt oder

57:59Ewa Wisnierska

gar nicht? Nein, habe ich nicht, gar nicht. Warum, wie kommst du auf die Frage?

58:03Lucian Haas

Ja, man fliegt alle zusammen hin, man hat gesagt, okay, ich nehme jetzt doch an der WM teil oder sowas, ob man dann vielleicht trotzdem, auch wenn man für sich selber so überzeugt ist, dass man das Richtige tut, man orientiert sich ja trotzdem auch an den anderen und man sieht jetzt, okay, die wollen weiterfliegen und vielleicht vermassel ich denen eigentlich den Spaß, weil ich bin diejenige, die jetzt sagt, ich für mich entscheide, ich fliege nicht mehr. Das macht natürlich auch was mit den anderen.

58:31Ewa Wisnierska

Natürlich, das ist eben diese Falle, in der wir stecken, wenn wir an irgendwelchen Wettbewerben teilnehmen und dann auch noch als Team mitfliegen, wobei ich sage mal so, Gleitschirmflieger, wir Flieger sind alle irgendwie so Einzelkämpfer, auch wenn es eine Teamwertung gibt und es ist ja schön, wenn man auch als Team gewinnt, aber letztendlich fliegt jeder für sich selbst und trägt auch für sich selbst die Verantwortung und natürlich habe ich auch gehofft, dass es in Mexiko, so wie eben, manchmal kann ein Gewitter ausregnen und dann kann man wieder fliegen, so wollte ich mir die Chance auch geben, zu schauen, vielleicht ist der Februar doch, vielleicht wird es nicht so heftig, war aber leider doch

59:18Ewa Wisnierska

und deswegen habe ich gesagt, nein, ich bleibe meinen Vorsätzen treu und ich werde es nicht mehr riskieren, auch wenn es vielleicht jemandem nicht gefällt und der tragische, tödliche Unfall hat es ja deutlich genug gezeigt, dass die Bedingungen eben zu heftig waren.

59:39Lucian Haas

War das bei dir eine ganz rationale Entscheidung oder hattest du auch Angst?

59:45Ewa Wisnierska

Ich denke, Angst hat man ja immer, wenn die Bedingungen heftig sind, aber diese Entscheidung aufzuhören, das war rein rational, genau.

59:57Lucian Haas

Wenn du heute fliegen gehst und große Wolken siehst, also Gewitterwolken, sage ich mal, oder Wolken, die sich hin zum Gewitter entwickeln könnten, wie gehst du damit heute um? Also ist bei dir vielleicht, ist da irgendwie auch wie so ein Trauma geblieben, wo du dann sagst, da geht sofort das Stoppschild bei dir an und dann gehst du auch landen, oder?

1:00:19Ewa Wisnierska

Also ich bin jetzt viel kritischer natürlich, was die Gewitterentwicklung angeht oder generell Wetter,

1:00:27Ewa Wisnierska

aber da ich nichts mehr muss, ich muss mir nichts beweisen, fällt mir die Entscheidung natürlich viel leichter und ich denke mir immer, ja, warum soll ich jetzt irgendwas riskieren, ja, für irgendeinen Spaßflug? Ich will letztendlich wieder Spaß haben und das ist das, was für mich zählt.

1:00:50Lucian Haas

Wie viel fliegst du heute noch?

1:00:53Ewa Wisnierska

Ich sage mal, dadurch, dass ich mein Leben und meine Prioritäten komplett verändert habe, fliege ich nicht mehr so viel. Also ich mache ein paar Reisen im Jahr oder Streckenflugseminare, aber mein Alltagsleben hat sich sehr verändert. Ich bin eine leidenschaftliche Bio -Gärtnerin geworden und gerade im Sommer erfordert der Garten viel Arbeit und Aufmerksamkeit, von daher, ja, alles hat seinen Preis. Und ich sage mal, ich habe jetzt auch so viele andere Interessen im Leben. Ich habe nach dem Flug in Australien gemerkt, dass das Fliegen nicht alles ist

1:01:40Ewa Wisnierska

und ich hatte noch so viele Träume, die irgendwo auf der Strecke geblieben sind durch das Fliegen, dass ich dann gesagt habe, nein, also ich möchte die anderen Sachen auch noch erleben und meine anderen Träume und Ziele auch noch erreichen. Und deswegen ist das jetzt nicht meine Priorität nicht mehr.

1:02:01Lucian Haas

Gehst du denn noch manchmal allein für dich fliegen? Oder heißt Fliegen jetzt immer in der Verbindung, du hast deine Flugschule, über die du halt jede Reisen anbietest und Streckenflugseminare und sowas, dass du eigentlich nur noch im Zusammenhang mit dieser Flugschularbeit dann auch in die Luft kommst? Oder nimmst du dir auch Zeit manchmal zu sagen, hey, heute habe ich Lust, einfach mal für mich einen kleinen oder großen Streckenflug zu machen?

1:02:25Ewa Wisnierska

Also ich mache auch was für mich. Zum Beispiel letztes Jahr, ich hatte mal so einen Wunsch, nach Georgien zu fliegen, weil mich das Land auch so kulturell interessiert hat. Und dann bin ich eben hin, einfach für mich alleine

1:02:45Ewa Wisnierska

und dann mit einem Freund dann auch einfach das Land erkundet, fliegerisch, ganz tolle Menschen kennengelernt. Und daraus hat sich dann natürlich die Idee jetzt geboren, dass ich dann auch eine Flugreise nächstes Jahr dahin anbieten möchte. Aber ich mache dann eben auch die Sachen, die mir Spaß machen, jetzt auch ohne meinen Beruf sozusagen.

1:03:12Ewa Wisnierska

Ganz genau.

1:03:14Lucian Haas

Wenn man bei dir auf deine Homepage guckt von der Flugschule, da ist mir zumindest aufgefallen, wenn man da drauf guckt, wird man denken, du fliegst eigentlich gar nicht mehr. Ich glaube, die ist vom letzten Eintrag von 2021. Ja, ganz

1:03:26Ewa Wisnierska

peinlich. Liegt eben auch daran, dass ich meine Interessen jetzt auch woanders habe und ich habe so meinen Kundenstamm, der mit mir verreist. Also ganz liebe Menschen. Das war immer mein Traum, so einen Kundenstamm zu haben von Leuten, die ich kenne, die ich total mag, die eigentlich inzwischen meine Freunde sind. Und dass ich jetzt nicht mehr Werbung machen muss. Und natürlich, das ist peinlich, dass die Webseite nicht aktuell ist. Vielleicht findet sich ein Zuführer, der Lust hätte, die zu aktualisieren, weil ich habe technisch einfach nicht das Wissen. Aber ja, vielleicht nehme ich mir das als Vorsatz jetzt für nächstes Jahr, da ein bisschen das Up -to -date zu machen und vielleicht mal eben

1:04:16Ewa Wisnierska

die Georgien -Reihe, die Reise reinzustellen oder sonst was. Ja, ich verbessere mich. Ich versuche es zumindest.

1:04:24Lucian Haas

Wenn einer jetzt Lust hat, bei dir irgendwie mal mitzufliegen, also bei so einer Reise mitzufliegen, kann man dir einfach eine E -Mail schreiben und du schreibst dann, was du an Programmen im nächsten Jahr hast, oder?

1:04:33Ewa Wisnierska

Ja, es ist so, dass ich erst ein Gespräch mit so einer Person meistens führe, weil ich nicht jeden mitnehmen möchte. Das war eben so ein bisschen mein Traum. Nur mit, mit netten Leuten zu verreisen und mit Leuten, die irgendwie keine Probleme bereiten sozusagen.

1:04:58Ewa Wisnierska

Und ja, also ich mag mir die Menschen inzwischen aussuchen, mit denen ich meine Zeit verbringe, egal ob privat oder eben auf Flugreisen

1:05:10Lucian Haas

oder Kursen. Jawohl, dem, der das kann und der sich die Leute dann so aussuchen kann. Du sagst, du machst quasi ein Vorgespräch. Wie findest du denn heraus, ob die Leute auch fliegerisch passen? Weil du jetzt beispielsweise Georgien, wenn du sagst, okay, die Leute sollten ja vielleicht wirklich selbstständig starten können und dass man sie da in so einem etwas vielleicht wilderen Land, zumindest mit schlechterer Rettungskette oder sonst was an, wo man sagt, da ist vielleicht das Risiko etwas höher. Wie gehe ich damit um?

1:05:40Ewa Wisnierska

Also ich sage dir, das Entscheidungskriterium ist nicht mal die Flugfähigkeit, also wie viel Erfahrung man hat, sondern mich interessiert vielmehr, wie die Menschen ticken, wie sie drauf sind,

1:05:57Ewa Wisnierska

weil ich sage mal so, man kann auch in Geländen fliegen, die vielleicht schwieriger sind, wenn man in gewissen Flugbedingungen fliegt. Ja, genauso wie manchmal haben Teilnehmer gefragt, oh, ich würde mit dir gerne in die Dolomiten, aber ich traue mich nicht. Und dann sage ich, weißt du auch, wenn du erst Aschein -Pilot bist oder ja, noch nicht viel Erfahrung hast, dann ist das Flugfenster für dich vielleicht einfach kleiner, ja. Und dann kann es sein, dass die anderen eben fliegen und ich werde dir sagen, weißt du, bleib du jetzt lieber am Boden oder eben gehe ich schon mal landen, obwohl andere noch fliegen können, weil du zum Beispiel nicht spiralen kannst oder, oder, oder.

1:06:43Ewa Wisnierska

Also das ist eher das Kriterium, wie man mental damit umgeht, ob man eben nicht draufgängerisch ist und das dann einsteckt, dass man nicht fliegen kann.

1:06:58Lucian Haas

Versuchst du die Ehrgeizlinge zu vermeiden?

1:07:01Ewa Wisnierska

Nein, also ich sage mal so, ich verstehe, wenn jemand ehrgeizig ist,

1:07:08Ewa Wisnierska

aber zum Beispiel, ich hatte auch mal so Teilnehmer, die unbedingt fliegen wollten und wenn ich dann aber sehe, die Bedingungen sind nicht safe, dann sage ich irgendwann, ich versuche das erstmal zu erklären, warum ich das nicht empfehle und so weiter und wenn jemand dann trotzdem unbedingt fliegen will, dann sage ich okay, ab jetzt, wenn du willst, du bist natürlich eine eigenverantwortliche Person, dann bist du jetzt aber nicht mehr ein Teilnehmer meines Kurses oder Reises, sondern du entscheidest jetzt, privat, dass du fliegen gehst und ja, bitteschön. Ist das schon vorgekommen? Es ist einmal vorgekommen, das war bei einem Streckenflugseminar

1:07:54Ewa Wisnierska

und einer wollte unbedingt, dann hat er seinen Freund noch dazu überredet und dann am nächsten Tag waren traumhafte Bedingungen und dieser Teilnehmer wollte nicht fliegen und dann fragte ich warum und dann hat er eben gesagt, ja, er hat an dem Tag vorher so ein Traumaerlebnis gehabt, also es ist nichts passiert, aber er hatte so viel Angst, weil er eben so in der leeren Luft so durchgeschüttelt wurde, dass er dann bei den besten Bedingungen nicht mehr fliegen wollte und dann habe ich gesagt, okay, dann warte mal, die anderen Staaten fliegen, wir gehen dann runter an den Wiesflecker und ich bin mit ihm ein paar Stufen zurückgegangen

1:08:42Ewa Wisnierska

und dann habe ich gesagt, okay, wir gehen zurück und habe dann versucht, mit ihm ein bisschen mental zu arbeiten, also ich bin auch Heilpraktikerin für Psychotherapie, den Traum habe ich mir eben nach dem Wettkampf dann verwirklicht und habe mit ihm dann ein bisschen mental gearbeitet und dann in die sanfte Thermik ihn eingewiesen und dann, das war am gleichen Tag dann und dann war es auch gut, weil der Abstand gering war, aber ja, der hat dann eben auch seine Lektion daraus gelernt, dass es dann, der eine Flug war es nicht wert.

1:09:17Lucian Haas

Wahrscheinlich ist sowas ja für auch so ein, also könnte ich mir vorstellen, für so ein Gruppenerlebnis wahrscheinlich auch wertvoll, weil dann plötzlich Gespräche auch geführt werden, die man sonst vielleicht gar nicht führen würde. Ganz genau. Da wo zieht jeder seine Grenze und ist das sinnvoll oder auch nicht oder wie kann man sich mit schlechten Erfahrungen dann eben auch wirklich einen schönen Flugtag am nächsten Tag völlig versauen, weil du sagst, ganz genau, das mache ich da nicht mehr. Also für die

1:09:43Ewa Wisnierska

anderen war das natürlich sehr bildhaft und hautnah zu sehen. Also ja, man kann auch aus fremden Fehlern lernen.

1:09:55Lucian Haas

Zum Ende hin möchte ich noch zu einem kleinen Kapitel in deiner Lebensgeschichte sprechen. Es gibt einen sehr schönen Film, wo du eine der Hauptprotagonistin bist. Der Film heißt Reise zum Horizont von Thomas Latzel, der damals glaube ich, als der rauskam 2008 oder 2009, war ja sogar in einigen Kinos dann zu sehen und sowas. Da wird deine Geschichte erzählt, aber auch die von einer Flugschülerin von dir, von Dörthe.

1:10:27Ewa Wisnierska

Richtig. Sie ist nicht nur meine Flugschülerin. Ich wollte

1:10:32Lucian Haas

gerade fragen, weißt du eigentlich, was aus ihr geworden ist? Also habt ihr noch Kontakt?

1:10:36Ewa Wisnierska

Ja, sogar nicht nur so Kontakt, sondern wir sind nicht nur in den Filmen Freundinnen geworden, sondern im wirklichen Leben auch. Und ich habe bis heute Kontakt mit ihr, habe sie sogar vor drei Wochen besucht, gestern sogar mit ihr telefoniert. Also wir haben, sie ist sogar meine Trauzeugin geworden. Ich habe 2020 geheiratet und konnte mir irgendwie niemanden besser vorstellen als die Dörthe, die sehr spirituell ist, ja und habe sie darum gebeten. Und ja, wir haben sehr, sehr engen Kontakt, sehr tiefsinnigen, tiefgreifenden Kontakt.

1:11:24Ewa Wisnierska

Nicht nur so auf der oberflächlichen Ebene, sondern eben auch so spirituell.

1:11:30Lucian Haas

Fliegt die Dörthe noch?

1:11:32Ewa Wisnierska

Dörthe fliegt nicht mehr.

1:11:36Ewa Wisnierska

Sie hat sehr viel Potenzial gehabt. Sie hat so ein tolles Gefühl für dich, die Thermik gehabt. Aber ich sage mal, ich weiß jetzt nicht, sie war auch sehr ehrgeizig und sie hätte noch sehr lange fliegen können. Aber leider war ihr Ehrgeiz, eben auch Langstreckenflüge zu machen. Und dafür war, ich weiß jetzt nicht, ob durch ihr Alter oder Ungeduld.

1:12:04Ewa Wisnierska

Sie hat irgendwie die Gefahren nicht wahrhaben wollen. Sie stellte sich die Fliegerei eben auch so ein bisschen spirituell vor, wie diese Freiheit so auf der geistigen und spirituellen Ebene. Und diese ganz natürlichen Gefahren, physikalische Art, die wollte sie nicht wahrhaben. Und leider hat dann irgendwann, hatte sie einen Unfall, wo sie dann eben aus Rücksicht auf ihre Familie dann auch gesagt hat, okay, dann führe ich auf.

1:12:43Lucian Haas

Hätte sie nicht bei dir als Beispiel eigentlich lernen können, wenn ihr so in engem Kontakt seid? Also konntest du sie nicht so beeinflussen, dass sie das erkennt zu sagen, okay, ich ein Step zurücktreten, etwas mehr Demut zeigen bei bestimmten Bedingungen vielleicht?

1:13:00Ewa Wisnierska

Ich sage mal, sie hätte können, aber sie hat es offensichtlich nicht wollen.

1:13:05Lucian Haas

Okay. Gibt es diesen Film eigentlich noch?

1:13:08Ewa Wisnierska

Den gibt es noch auf DVD.

1:13:13Ewa Wisnierska

Da habe ich sogar die Filmrechte, also wenn jemand den bestellen möchte, kann er den gerne bei mir bestellen, auch über die Webseite. Das ist das, was noch funktioniert.

1:13:25Ewa Wisnierska

Und ich wurde aber auch schon von einigen gefragt, ob es den irgendwo undämmend gibt. Noch nicht, aber ich bin ein, ja, ich mag lernen und habe mir jetzt vorgenommen, den Film auch in andere Sprachen noch zu übersetzen. Und mein Ziel für nächstes Jahr ist auch, den tatsächlich irgendwo undämmend zu stellen.

1:13:49Ewa Wisnierska

Und ja, es kommt. Aber momentan gibt es den nur auf DVD.

1:13:54Lucian Haas

Okay. Entweder auf DVD bei dir bestellen für die Leute, die überhaupt noch einen DVD -Player haben oder darauf warten, dass du ihn irgendwann online stellst, dass man ihn dann on demand entsprechend abrufen kann. Letzte Frage von mir. Dieser rote Bus, der so viel für deine Freizeit im Strecken-, nicht Strecken-, im Wettbewerbsfliegen stand, wo du überall mit hingefahren bist. Was ist aus dem eigentlich geworden?

1:14:18Ewa Wisnierska

Ja, das ist wirklich so mein Schneckenhaus, mein, ja, Haus gewesen für die Zeit. Und den wollte ich damals nicht verkaufen, habe den meinem Vater geschenkt zu seinem damals 60. Geburtstag. Und witzigerweise, den gibt es immer noch. Und ich habe, vor einem Monat, habe ich den von meinem Vater zurückbekommen.

1:14:45Ewa Wisnierska

Und ja, werde den auch behalten, weil der ist noch gut in Schuss. Und ich gucke mal, vielleicht kann ich dann noch irgendwann eine schöne Reise mit dem machen.

1:14:58Lucian Haas

Apropos aufbehalten, fällt mir jetzt gerade noch so ein, diesen Schirm, mit dem du im Gewitter warst, hast du den auch noch? So als Talisman? Talisman oder was auch immer, keine Ahnung. Man hat den noch so rumliegen und sagt, den gebe ich nicht her, weil das verbindet mich mit irgendetwas.

1:15:16Ewa Wisnierska

Also ich sage mal so, ich habe ihn nicht, weil das nicht mein Eigentum war. Ich habe den ja von Swing damals gestellt bekommen, als ich im Team war. Und da gab es auch schon einige

1:15:32Ewa Wisnierska

Museumsanfragen für den Schirm. Aber der Günther hat gesagt, den behält die Firma. Und ich durfte den dann auch noch fliegen. Ich habe sogar im gleichen Jahr 2007 meinen weitesten Streckenflug, 300 Kilometer, mit dem Schirm noch gemacht. Und dann bekam ich aber von der Firma einen neuen Schirm und der ist nach wie vor im Eigentum der Firma Swing.

1:15:59Lucian Haas

Aber das IGC -File und sowas von deinem Flug, das hast du irgendwo noch immer auf der Festplatte irgendwo rumliegen? Natürlich. Guckst du das manchmal noch an?

1:16:11Ewa Wisnierska

Eigentlich mehr so im Zusammenhang mit irgendwelchen Interviews oder irgendwelchen TV -Produktionen oder sowas. Ja, da staune ich immer wieder, muss ich sagen. Also wenn ich mir das so anschaue.

1:16:24Lucian Haas

Ja, ich meine, apropos Interview, ich finde das gerade interessant. In der letzten Zeit warst du ja auch wieder mehrfach in den Medien oder deine Geschichte mehrfach in den Medien. Ich habe gesehen, Galileo hat nochmal einen Film dazu gemacht. Dann gab es, glaube ich, vor ein oder zwei Jahren eine Podcast -Serie von Wondery. Gleich vier Folgen, dreiviertel Stunde jeweils, die deine Geschichte erzählen. Wenn du sowas da mitmachst oder sowas mitkriegst, macht dich das auch noch stolz oder sind das so Sachen, wo du sagst, eigentlich mit der Geschichte habe ich eigentlich abgeschlossen. Ich bin im Leben schon ganz woanders.

1:17:01Ewa Wisnierska

Also ich staune auch immer wieder nach so vielen Jahren, wie viel Medieninteresse, Medieninteresse immer noch für die Geschichte da ist. Auf der anderen Seite, ja, ich sage mal so, ich habe ein richtig schönes Buch im Leben gelesen, die Möwe Jonathan, und die hat mich sehr geprägt. Und ich habe von meiner Freundin ein Bildchen bekommen irgendwann von einem Maler mit der Möwe und mit dem Spruch am weitesten sieht, wer am höchsten fliegt. Und als ich von Australien zurückkam, gewann dieser Spruch für mich eine völlig andere Bedeutung. Ja, also im übertragenen, aber auch im

1:17:50Lucian Haas

realen Sinne. Die reale Höhe war so hoch, wärst du normalerweise mit Gleitschirm niemals gekommen.

1:17:56Ewa Wisnierska

Aber eben was man so alles lernt, ja, und eben den Horizont erweitert und so weiter. Also das sind so viele Parallelen. Und ich habe spaßeshalber im Chat GPT die Frage eingegeben, was hat die Möwe Jonathan oder was hat Eva Wisniewska gemeinsam mit der Möwe Jonathan? Und da war so eine lustige Antwort und ich musste selber staunen. Aber auf der anderen Seite eben auch so witzig von sich selbst so etwas zu lesen von der künstlichen Intelligenz. Und da war unter anderem eben, dass ich so ein, ein Symbol wie die Möwe Jonathan für Mut, für Grenzen sprengen, um Träume zu realisieren und, und, und.

1:18:44Ewa Wisnierska

Das sind so viele Themen, die eben sich offensichtlich in meiner Geschichte befinden, dass ich dann verstanden habe, dass es doch für viele interessant ist, dass man diese Themen dann eben ansprechen kann und dass Menschen vielleicht daraus etwas, lernen können, ihre eigenen Grenzen sprengen, Ängste überwinden. Ja, und ich versuche immer, Menschen Mut zu machen und zeigen, dass wenn man für seine Träume etwas tut, dass man sie wirklich auch verwirklichen kann.

1:19:24Lucian Haas

Schreibst du irgendwer ein Buch? Die Möwe Eva?

1:19:27Ewa Wisnierska

Nein. Birdie Eva. Oder Birdie Eva? Nein. Ich sage mal so, ich hatte tatsächlich schon eine Anfrage von einem Verlag, von einem großen Verlag.

1:19:41Ewa Wisnierska

Aber ich habe keine Zeit dafür. Also schreiben ist nicht mein Ding. Die haben mir sogar eine Ghostwriterin zur Verfügung stellen wollen. Aber ich habe gedacht, nein, mir fehlt die Zeit für meine Ziele im Leben, um die zu verwirklichen. Und ich habe mir gedacht, ach, so ein Buch, das kann ich ja noch schreiben, wenn ich 80 bin. Dann habe ich ja noch mehr zu erzählen.

1:20:08Lucian Haas

Welches Ziel möchtest du noch gerne realisieren?

1:20:13Ewa Wisnierska

Es sind so mehr so private Sachen, also noch so ein paar Länder, die ich gerne bereisen würde. Und dann so ein ganz weites, entferntes Ziel, was fast unrealistisch ist. Aber na ja, ich habe schon viele unrealistische Ziele erreicht. Wäre irgendwo so ein Häuschen, irgendwo am Rande, der Alpen, ein eigenes, kleines, mit einem kleinen, eigenen Garten.

1:20:41Lucian Haas

In dem man auch landen kann.

1:20:43Ewa Wisnierska

In dem man noch landen kann, ganz genau. Oder zumindest neben dem Haus, irgendwo auf einer schönen Wiese.

1:20:51Lucian Haas

Bisher hast du schon viele Ziele erreicht, die du dir irgendwann in den Kopf gesetzt hast. Vielleicht kommt dieses Ziel dann auch irgendwann. Ich wünsche es dir, dass es so kommen möge. Danke für das tolle Erzählen. Ich glaube, dass aus dieser Folge sehr viele, sehr viele interessante Sachen rausziehen werden können. Weil ich glaube auch, dass es eine der wichtigsten Erkenntnisse in einer Fliegerkarriere sein muss, dass man vor allem seinem eigenen Bauch vertrauen muss und auch sagen kann so, ich gehe jetzt landen oder ich starte jetzt erst gar nicht, auch wenn der eine sich davor noch rausgehauen hat oder sowas. Weil man einfach weiß, dass man sich selbst damit besser tut und vielleicht am nächsten Tag das schönere Erlebnis dann entsprechend haben kann.

1:21:31Ewa Wisnierska

Ganz genau.

1:21:32Lucian Haas

Also danke dir für diese Erzählung.

1:21:34Ewa Wisnierska

Ich bedanke mich auch herzlich. Das

1:21:42Lucian Haas

war die Episode 151 von Podz-Glidz mit Eva Wisniewska. In den Shownotes im Gleitschirm-Blog Lu-Glidz findest du noch einige weiterführende Links. Nicht nur zu Evas Homepage, sondern unter anderem auch zu etlichen Berichten und Videos, in denen es noch mehr Details speziell zu ihrem Gewitterflug gibt, die ich im Podcast bewusst etwas kurz gehalten habe. Podz-Glidz kannst du auf allen üblichen Podcast -Plattformen abonnieren. Alle 14 Tage lade ich eine neue Folge hoch, wenn du nicht so lange warten willst, dann stöbere doch im Archiv. Weit über 150 Stunden interessante Gespräche über den Kosmos des Gleitschirmfliegens sind darin schon zu finden. Als freier Journalist stecke ich viel Zeit und Arbeit und auch Kosten in Podz-Glidz und Lu-Glidz.

1:22:28Lucian Haas

Damit ich das auch weiterhin so professionell, unabhängig und werbefrei tun kann, brauche ich deine Unterstützung. Auf meiner Homepage www.Lu-Glidz.blogspot.com gibt es die Seite Fördern. Dort findest du alle nötigen Informationen, Infos und Links, um mir finanziell unter die Arme zu greifen. Welchen Betrag als Förderer du gibst, kannst du ganz frei wählen. Falls du dir unsicher bist, mein unverbindlicher Vorschlag sind 60 Euro im Jahr. Das entspricht nur 5 Euro im Monat. Ich denke, das ist ein sehr faires Angebot für so viel aktuelle und hintergründige Information und Unterhaltung rund um das schönste Hobby der Welt. Allen Förderern sage ich Danke. Bis bald. Genieße die Freiheit.

1:23:13Lucian Haas

www Lu-Glidz.com

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