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166. Flugmaschine - Simon Oberrauner

// Simon Oberrauner, Lucian Haas · 2025-08-01 · 01:38:06 · original episode · pdf

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[show notes]
Bei den Redbull X-Alps geht Simon Oberrauner ins Risiko, seinen Flugschülern lehrt er die Vorsicht. Wie passt das zusammen? +++ Die Redbull X-Alps gelten als das extremste Gleitschirmrennen der Welt. Dort wird immer wieder auch bei Bedingungen geflogen, bei denen Hobbypiloten den Schirm gar nicht erst auspacken würden. Föhnlagen, Regenschauer, heftigster Talwind. Was geht in solchen Momenten im Kopf eines Athleten vor? Das und viele weitere interessante Details erzählt Simon Oberrauner in dieser Folge 166 von Podz-Glidz. Der 34-jährige Österreicher hat schon an sechs X-Alps teilgenommen. Einmal als Supporter, fünf Mal als Athlet. 2025 kam er in einem denkbar knappen Finish auf Platz 3. Der Podcast ist aber keine Renn-Nacherzählung. Das Gespräch spannt einen weiten Bogen. Wie ist Simon zu der Flugmaschine geworden, die sich durch massive Turbulenzen kämpfen, aber auch höchst intuitiven Linien folgen kann? Und was von diesen Erfahrungen kann er als Fluglehrer seinen Flugschülern vermitteln? Wir sprechen über Tugenden, die uns nicht nur beim Fliegen weiterbringen: Geduld, Experimentierfreude, Wissensdurst, Passion. Da Du den Podcast hörst, werde doch zum Förderer von Podz-Glidz. Wie das geht, steht im Gleitschirmblog Lu-Glidz auf der Seite „Fördern“. +++ Wenn Du Podz-Glidz und den Blog Lu-Glidz fördern möchtest, so findest Du alle zugehörigen Infos unter: https://lu-glidz.blogspot.com/p/fordern.html +++ Musik dieser Folge: Track: Golden Hour | Künstler: Telecasted Youtube Audio Library https://youtu.be/QEueVPIn_-I +++ Lu-Glidz Links: + Blog: https://lu-glidz.blogspot.com + Facebook: https://www.facebook.com/luglidz + Instagram: https://www.instagram.com/luglidz/ + Whatsapp-Kanal: https://whatsapp.com/channel/0029VaBVs05CHDynzdlJlU34 + Youtube: https://youtube.com/@Lu-Glidz + Soundcloud: https://soundcloud.com/lu-glidz + Spotify: https://open.spotify.com/show/6ZNvk83xxGHHtfgFjiAHyJ + Apple-Podcast: https://itunes.apple.com/de/podcast/podz-glidz-der-lu-glidz-podcast/id1447518310?mt=2 + Linktree: https://linktr.ee/luglidz +++ LINKS zu Simon Oberrauner: + Flugschule Steiermark: https://www.flugschule-steiermark.at/ + Facebook: https://www.facebook.com/simon.oberrauner + Instagram: https://www.instagram.com/simonoberrauner/

[transcript]

0:02Simon Oberrauner

Wenn man was findet, das man wirklich gerne hat, dann darf man das verfolgen und dann soll man das verfolgen und dann wird sich meistens auch ein Weg ergeben, wie man das gut machen kann und deswegen sage ich, okay, wenn man irgendwas findet, eine Leidenschaft, unbedingt verfolgen. Das ist, glaube ich, eines der wichtigsten Sachen, die ich gelernt habe, durchs Paragliden.

0:40Lucian Haas

Podz-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast.

0:44Simon Oberrauner

Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens.

0:47Lucian Haas

Heute mit Simon Oberrauner und ich bin Lucian Haas.

0:56Lucian Haas

Die Red Bull X -Alps gelten als das extremste Gleitschirmrennen der Welt. Dort wird immer wieder auch bei Bedingungen geflogen, bei denen Hobbypiloten den Schirm gar nicht erst auspacken würden. Föhnlagen, Regenschauer, heftigster Talwind. Was geht in solchen Momenten im Kopf eines Athleten vor? Das und viele weitere interessante Details erzählt Simon Oberrauner in dieser Folge 166 von Podz-Glidz. Der 34 -jährige Österreicher hat schon an sechs X -Alps teilgenommen. Einmal als Supporter, fünfmal als Athlet. 2025 kam er in einem denkbar knappen Finish auf Platz drei. Der Podcast ist aber keine Rennnacherzählung.

1:44Lucian Haas

Das Gespräch spannt einen weiten Bogen. Wie ist Simon zu der Flugmaschine geworden, die sich durch massive Turbulenzen kämpfen, aber auch höchst intuitiven Linien folgen kann? Und was von diesen Erfahrungen kann er als Fluglehrer seinen Flugschülern vermitteln? Wir sprechen über Tugenden, die uns nicht nur beim Fliegen weiterbringen. Geduld, Experimentierfreude, Wissensdurst, Passion. Da du den Podcast hörst, werde doch zum Förderer von Podz-Glidz. Wie das geht, steht im Gleitschirm-Blog GluGlides auf der Seite. Simon,

2:20Lucian Haas

du hast an den X -Alps teilgenommen und führst aber auch gemeinsam mit Tommy Friedrich, der auch an den X -Alps teilgenommen hat, eine Flugschule. Wie geht sowas eigentlich zusammen? Professionelles Racing im Grunde und dann profanes Flugschullehrer -Dasein?

2:41Simon Oberrauner

Oh, gleich die harte oder die schwierige Frage. Wir steigern uns noch. Eine sehr gute Frage. Ja, wir steigern uns. Ich denke es mir auch.

2:54Simon Oberrauner

Wie geht das? Es geht eigentlich erstaunlich gut. Man kommt selbst doch durchaus gut zum Fliegen, dadurch, dass man unter der Woche meistens mehr Zeit hat. Wenn jetzt zum Beispiel sich mehrere Flugtage aufs Wochenende verschieben, dann kommt man ein bisschen weniger zum Fliegen. Weil mehr Schulzeit sozusagen benötigt wird. Aber speziell jetzt zum Beispiel, um sich so ein Rennen wie das X -Alps vorzubereiten, muss man auch dazu sagen, dass ich im Vorfeld, also schon bevor ich die Flugschule mit dem Tommy zusammen übernommen habe, schon sehr viel trainiert habe.

3:40Simon Oberrauner

Und sehr, sehr viel Zeit ins Gleitschirmfliegen allgemein investiert habe. Also ich habe zum Studieren angefangen damals und gleichzeitig zum Gleitschirmfliegen. Und am Anfang war das Studium sehr präsent. Ich habe da wirklich viel Zeit rein investiert. Und dann ist das Gleitschirmfliegen immer mehr dazukommen. Und ich habe gemerkt, boah, da ist so viel Leidenschaft und so viel Energie für das Gleitschirmfliegen da, von mir aus. Und eigentlich nie wirklich jetzt mit dem Blick auf, ich mag unbedingt meinen Lebensunterhalt damit verdienen. Sondern einfach, es ist sowas Wunderschönes und ich mag das Lernen. Ich mag einfach, ich mag Thermik mehr verstehen. Ich mag verstehen, wie man Strecken fliegt. Und ich habe das irrsinnig faszinierend gefunden.

4:27Simon Oberrauner

Und bin dann drin gesessen in den Vorlesungen und habe rausgeschaut beim Fenster und habe mir einfach gedacht, ich habe die letzte Stunde von der Vorlesung nicht mitbekommen. Ich habe nichts mitbekommen, weil ich eigentlich nur beobachtet habe, wie sich da draußen die Cumuluswolken bilden. Und dann ist es immer mehr von dem Gleitschirmfliegen einfach geworden. Und es waren auch schnell coole Erfolge da und so. Das Lustige war. Ich habe gar nicht irgendwie mit anderen mich verglichen, sondern habe irgendwie immer meine Ziele gehabt. Und deswegen ist dann für mich der Erfolg immer da gewesen. Und ich habe deswegen da auch sehr, sehr viel Zeit im Vorfeld insgesamt rein investiert ins Gleitschirmfliegen. Und dann ist eben mit Border Races und Bewerben und einmal beim Paul, beim ich selbst dabei etc.

5:13Simon Oberrauner

Das heißt, da ist ein großer Fundus da gewesen an Erfahrung. Und deswegen funktioniert das jetzt auch gut mit der Flugschule zusammen. Ich muss mal

5:24Lucian Haas

kurz reingrätschen, einfach nur, weil sich ein paar Leute das vielleicht fragen. Bitte. Was hast du studiert?

5:31Simon Oberrauner

Ich habe vorher eine höhere technische Schule gemacht und dann Elektrotechnik studiert, aber nicht fertig studiert. Das heißt, du hast

5:38Lucian Haas

das Studium für das Gleitschirmfliegen gedroppt? Richtig. Ja, genau. Und bist dann nur noch Gleitschirmfliegen gegangen und nur noch trainiert und nur noch in

5:47Simon Oberrauner

der Luft?

5:48Lucian Haas

Genau. Ja. Richtig, ja. Und Tandemfliegen eben. Und genau. Das heißt, mit Tandemfliegen hast du das erstmal finanziert? Richtig. Und dann irgendwann kamen mit sportlichen Erfolgen vielleicht auch die ersten Sponsoren dazu und die haben dann auch dich ein bisschen mitfinanziert? Ein bisschen.

6:05Simon Oberrauner

Ja, genau. Ein bisschen. Also es ist schwer, wirklich viel Geld da am Anfang und auch jetzt noch immer sehr schwer mit dem Gleitschirmfliegen jetzt rein von Sponsoren zu leben. Für mich nicht einfach, sage ich jetzt mal so. Genau. Würde sich nicht ausgehen, aber mit Flugschule zusammen.

6:24Lucian Haas

Meine Frage am Anfang, du zielst jetzt immer so stark auf, wie kann man das organisatorisch schaffen. Mich interessierte dabei, oder als ich die Frage so für mich überlegt habe, ging es mir mehr darum, wie schafft man das im Kopf? Weil das so zwei unterschiedliche Ansprüche sind irgendwie und auch vielleicht zwei völlig unterschiedliche Motivationen. Die eine ist... Ja. Sehr auf gewisse Weise egozentrisch. Du willst fliegen, du willst X -Alps machen. Und das andere ist etwas, was überhaupt nicht egozentrisch ist, sondern du willst etwas weitergeben, aber du willst anderen weiterhelfen. Wie kriegt man diese beiden Pole zusammen?

7:04Simon Oberrauner

Also für mich ergänzen sich diese zwei Pole eigentlich sehr gut. Du hast das wunderschön beschrieben. Das eine ist natürlich das X -Alps mit dem Wettbewerb. Wobei ich immer probiere das Ganze, es ist ein Bewerb garantiert und es geht darum, wer ist als erstes im Ziel. Aber der Weg dorthin ist eigentlich viel komplexer, wenn man da das Ziel im Kopf hat oder nur den Bewerb oder den Wettbewerb. Also wenn man nur Konkurrenten sieht, dann kommt man da meistens nicht sehr weit. Weil es am Anfang eben auch ein Miteinander, ein Abchecken von Routen, da voll seinen Weg allein von vornherein durchzusetzen, ist sehr schwierig bei dem X -Alps.

7:51Simon Oberrauner

Und wenn man das nur so macht und nicht auch andere Wege sieht, die andere einschlägt und dann auch immer wieder neu überlegt, was jetzt besser oder gescheiter ist, dann kommt man da eh nicht weit. Und die Kombination dann mit der Flugschule ist ja das Wunderschöne. Das heißt, ich lerne irrsinnig viel. Auch bei jedem X -Alps wiederhelfen. Da ist ja unglaublich viel an Lernen dabei. Und in der Flugschule kann ich dann auch, auch wenn das Wissen einem Grundschüler überhaupt nichts bringt, was ich da jetzt beim X -Alps aufbaue, kann ich es dann aber trotzdem auch… Irgendwie runterbrechen? Genau, man kann das so runterbrechen ein bisschen.

8:38Simon Oberrauner

Und dadurch, dass man so viel sieht und so viele Bedingungen einschätzen kann, kann man das Wissen auch gut am Schüler dann weitergeben. Weiter vermitteln. Und für mich ist es wunderschön, also wie heute. Ich komme eben gerade vom Übungshang und wir haben heute den Erstflug mit dem neuen Grundkurs gehabt. Und wenn man da unten steht und die Schuhe dann runter, also begleitet am Funk, und sie landen und sind einfach unglaublich happy, das erinnert immer wieder auch an meinen ersten Flug. Und das ist im gleichen Schulungsgebiet gewesen. Und da, ja, da finde ich, da denke ich mir schon, wirklich oft, wow, so habe ich es mir eigentlich wirklich ganz oft so ein bisschen erträumt, dass ich einfach Gleitschirmfliegen zu meinem Beruf machen kann.

9:27Simon Oberrauner

Und ich habe sehr viele Facetten jetzt von dem Gleitschirmfliegen, bei weitem nicht alle. Im Endeffekt durch Streckenfliegen, hike and fly und Schulen sozusagen und vielleicht Vorträge und Coachings. Aber da gibt es eben noch so viel mehr zu mir. Zum Erfahren und zum Lernen. Und das ist eigentlich mein Antrieb. Also, dass ich einfach besser werde und mehr erfahre und mehr sehe und mehr verstehe. Und das dann auch weiterzugeben, ist wunderschön, finde ich.

9:57Lucian Haas

Was fasziniert dich da am meisten daran, anderen Menschen das Fliegen zu lehren?

10:03Simon Oberrauner

Dadurch, dass es für mich so eine Faszination ist,

10:07Simon Oberrauner

fasziniert es mich dann irrsinnig, wenn ich manchmal bei anderen Menschen auch so dieses Funkeln in den Augen, wenn... Und das kommt immer wieder. Wenn es beim Erstflug, das ist die erste Thermikaustritt, das ist der erste kleine Streckenflug. Und da diese Motivation und die Begeisterung und einfach die Freude von wem, dass ich denke, wow, ihr habt das jetzt geschafft. Und es gibt der Person selbst einfach so viel, ja, gibt der Person so viel. Und die ist happy. Und wenn man das ein bisschen mit begleiten darf und da Tipps geben kann, und dann schafft diese Person das. Und das Lustige ist, da kommen dann viele so und sagen manchmal so, ja, aber wenn du das nicht gesagt hättest, dann hätte ich keine Chance gehabt, hätte ich das nicht geschafft.

10:52Simon Oberrauner

Und ich sage, hey, auch wenn ich Tipps gebe und vielleicht der Tipp jetzt gestimmt hat und so weiter, trotzdem ist man selbst der Pilot und trifft selbst die Entscheidung. Und das ist immer schwierig und nicht einfach, einen Streckenflug am Kleinen zu machen oder eine Thermik auszukurbeln. Und das freut mich einfach total mit, wenn dann Schüler kommen und einfach von dem Erlebnis erzählen. Und ja, das war genauso, wie du es damals erklärt hast und das könnte dann so sein. Und dann hat das dort funktioniert. Oder, oh nein, da bin ich genau in die Lehfalle reingeflogen, genau wie du gesagt hast, dort ja nicht hinfliegen. Aber ich habe es in dem Moment nicht geglaubt. Und das Lustige ist, ich sage da immer dazu, ja, in das Leh, das erzähle ich euch jetzt, dort hinzufliegen, ist blöd.

11:38Simon Oberrauner

Und da drückt es euch dann runter und dann landet es und dann ist der Streckenflug vorbei. Und dann sage ich immer, jetzt sehe ich es euch, aber ihr werdet wahrscheinlich trotzdem dorthin fliegen, weil ihr es mir nicht glaubt, weil es nicht so ausschaut. Und ja, die Erfahrung muss dann jeder irgendwo selber machen. Und dann landen die Leute dort und dann kriege ich oft Nachrichten und sage so, ja, du hast recht gehabt. Und in dem Moment ist es, aber es ist eben dann Gleitschirmfliegen so schwer, weil es so viele Eindrücke auf einen einpasst. Und mit. Mit Windrichtung, mit Sonnenstand, mit Thermikstärke und so weiter. Es ist einfach sehr viel am Anfang und es bleibt viel meiner Meinung nach. Gleitschirmfliegen ist anspruchsvoll und es gibt sehr viel wahrzunehmen.

12:25Lucian Haas

Mit diesen intensiven Erlebnissen, die du bei den X -Alps machst. Du kennst ja wahrscheinlich auch eine ganze Reihe anderer Fluglehrer. Würdest du sagen, dass du mit diesen Erlebnissen im Hintergrund anders an Schulungen herangehst?

12:42Simon Oberrauner

Anders an Schulungen? Also natürlich haben wir mit der Schulung diesen Rahmen, in dem du schulen kannst, sozusagen.

12:53Simon Oberrauner

Und ich glaube nicht, dass ich dadurch jetzt so viel,

13:00Simon Oberrauner

vielleicht sehe ich ein bisschen mehr, welche Bedingungen schnell dazu neigen, sich zu verändern. Das lernt man vor allem bei X -Alps. Also dass man Wetter einschätzt, das noch ansatzweise stabil bleibt oder sich sehr schnell verändert. Das erkennt man, lernt man besser zu erkennen. Und natürlich halt auch in einem Fall wie X -Alps auszunutzen.

13:32Simon Oberrauner

Aber schulen lernt man vor allem, wenn man schult auch. Also ich habe ja schon zwei X -Alps gemacht gehabt, wie ich dann angefangen habe zum schulen.

13:42Simon Oberrauner

Und das ist dann schon einfach was Neues, das man lernt, definitiv. Also da lernt man wirklich ganz viele neue Sachen, wie man Menschen was beibringt. Und man lernt, dass ganz viele Menschen unterschiedlich lernen und unterschiedliche Inputs brauchen. Und deswegen ist, also beim Schulen lernt man Schulen schon. Und ich habe vielleicht ein bisschen dadurch einen Vorteil, weil ich viele Bedingungen kenne und dadurch gut erklären kann, was jetzt wie passiert.

14:17Lucian Haas

Kommen eigentlich bestimmte Schüler gezielt zu euch, weil die sagen, ich weiß, die beiden, Tommy und Simon, die sind bei den X -Alps schon dabei gewesen. Das muss, die müssen besonders gute Lehrer sein oder so etwas. Also dass die sagen, von diesem X -Alps Bonus will ich als Schüler irgendwie auch profitieren.

14:36Simon Oberrauner

Ja, ja, durchaus. Also es sind, manchmal ist es, wir fragen dann auch immer am Anfang vom Kurs, also stellen wir uns vor, stellt sich jeder Schüler. Und die Motivation zum Gleitschirmfliegen, das ist uns immer ganz wichtig, dass wir das wissen und uns halt bisher fragen. Und da fragen wir auch immer, wie viele Leute X -Alps kennen und uns jetzt auch vom X -Alps zum Beispiel kennen. Und da gibt es Kurse, wo vielleicht so, ich sag, von 10 drei Leute, drei, vier Leute X -Alps kennen. Und dann manchmal kennst du den ganzen Kurs. Also es ist total unterschiedlich. Manche eben auch wirklich so gar nicht, dass die sagen, genau. Habe ich eigentlich noch nie, noch nie gehört. Was ist das? Dann erzählen wir das, was das ist, genau.

15:23Lucian Haas

Nun ist ja X -Alps auch extreme Fliegerei teilweise, die man nicht unbedingt schulen würde. Oder in der Schulung, wo man sagt, das hat da gar nichts zu suchen. Also wie trennst du das dann den Leuten gegenüber? Weil die sagen ja vielleicht, ich sehe dich als Vorbild vielleicht, der Fluglehrer. Und die sehen ganz genau, bei was für Bedingungen, also wenn sie schon mal zugeguckt haben auf gewisse Weise, sehen sie, bei was für Bedingungen du dort geflogen bist. Und ihnen in der Schulung eigentlich ständig erzählst, geht es bei solchen Bedingungen nie fliegen. Wahrscheinlich. Ja. Erzählst du das. Wie bringst du diese beiden Welten so zueinander, dass die das von dir akzeptieren können? Weil sie doch wissen, komm, der erzählt mir jetzt gerade was, wo ich nicht soll, aber er macht es.

16:05Simon Oberrauner

Genau, richtig. Ist schwieriger Zugang und ist ein schwieriges Thema. Und es ist ein Thema, das vor allem auch eben angesprochen gehört. Weil sonst ist so Unklarheit da. Wir vergleichen das dann halt auch oft ein bisschen einfach mit Profisport. Wenn du jetzt zum Beispiel von einem sehr guten Autofahrer Autofahren lernst oder von einem Rennfahrer,

16:32Simon Oberrauner

dann kannst du dich nicht automatisch auch in diese Situationen begeben wie der Fahrer. Also es funktioniert einfach nicht. Oder beim Skifahren. Es ist, wenn dir ein Skifahrer Skifahren lernt und du siehst ihn, wo eine Steilwand runterfahren, weil er das sehr gut kann oder dort auch bei Bewerben teilnimmt, dann heißt das ja nicht automatisch, dass du das kannst. Oder der geht bei den Bedingungen, wo jetzt alle sagen, boah, nein, ist super gefährlich. Aber der kennt den Berg, der kennt die Schneeverhältnisse dort und kann seine Linie sozusagen runterziehen mit ganz viel Wissen, das er hat. Und wir erklären dann auch ganz viel, dass... dass es am Anfang vom Gleitschirmfliegen das fundamental Wichtigste ist, die Bedingungen richtig zu wählen.

17:23Simon Oberrauner

Weil wenn man einmal beim Gleitschirmfliegen vor allem am Anfang in Bedingungen kommt, die einen überfordern, dann hört man auf zum Gleitschirmfliegen und es ist gefährlich und man fühlt sich irrsinnig unwohl. Und da sind wir dann vor allem beim Schulen eben sehr... sehr zurückhaltend, würde ich sagen, dass wir keine super starke Thermik sofort jetzt irgendwie am Anfang mitnehmen, weil das überhaupt gar keinen Sinn hat. Und da probieren wir wirklich sehr, also nicht nur probieren, sondern wir legen da großes Augenmerk darauf, dass wir sehr ruhige Bedingungen immer nutzen, die frühen Morgenstunden und später am Abend und über Mittag wirklich sagen, auch wenn jetzt viele fliegen, das ist jetzt hart für euch, dann aber es bringt sozusagen nichts.

18:15Simon Oberrauner

Und es ist dann oft schwer für Schüler zu verstehen. Das ist wirklich so. Aber es führt keinen Weg vorbei daran. Und wir sagen dann auch ganz klar, also ihr seht, ihr werdet uns bei den X -Hubs auch in extremen Bedingungen fliegen sehen. Und das ist ein sehr schmaler Grad, auf dem man sich dann dort auch bewegt, weil es sehr knapp ist. Es ist knapp an dem, was man dann irgendwie erfliegen kann. Und wie, die Frage ist dann oft ja okay, aber wie kommt man dorthin? Wie kommt man dorthin, dass man so gut oder so viele Bedingungen nutzen kann? Und das

19:01Simon Oberrauner

ist irrsinnig schwierig, die Frage so zu beantworten, weil im Endeffekt ist es ganz, ganz viel Fliegen. Und es ist was, das entweder so ein bisschen natürlich kommt, dass man mehr Bedingungen nutzen kann und versteht vor allem, das Wichtige ist immer zu verstehen, was mache ich gerade und wo bin ich unterwegs. Wie zum Beispiel am Anfang, ich habe jetzt niemanden, nicht wirklich so einen Mentor gehabt oder so jemanden, der mir wirklich zeigt, das geht oder das geht nicht. Ich habe ganz viel selbst herausfinden müssen. Also wirklich learning by doing? Ich habe ganz viel learning by doing. Und habe immer ganz stark auf ein Gefühl in mir gehört, wenn ich mich irgendwie unsicher gefühlt habe,

19:54Simon Oberrauner

dann bin ich immer landen gegangen, weil ich dann gar nicht mehr fliegen habe können. Also ich habe so einen inneren Shutdown, wenn ich wirklich Angst kriege oder was, ich kann da gar nicht drüber gehen. Kann ich nicht. Und natürlich kann man jetzt sagen, okay, aber vielleicht habe ich gar nicht gewusst, dass ich Angst haben hätte sollen.

20:13Simon Oberrauner

Es ist nämlich etwas, auf das man dann natürlich erst im Nachhinein drauf kommt. Und deswegen war es sicher nicht, war es sehr gefährlich, wie ich, ich sage jetzt, gut unter Anführungszeichen fliegen habe gelernt.

20:30Simon Oberrauner

Aber ich muss scheinbar irgendwie ein Talent für den Schirm mitgebracht haben. Ich habe ihn immer gut offen halten können, habe nie Probleme gehabt irgendwie am Schirm. Also ich habe nie so Situationen gehabt, die wirklich ganz, ganz, ganz grenzwertig waren oder was. Weil ich glaube, dann hätte ich wahrscheinlich auch eher aufgehört zum Fliegen.

20:51Lucian Haas

Aber du hattest schon, wie du gerade sagst, du hattest Situationen, wo du Angst hattest und landen gegangen bist. Genau, genau, genau. Wie hast du es dann geschafft, über diese Situation wieder hinauszukommen? Also beim nächsten Flug muss ja nicht gleich der nächste gewesen sein, aber diese Grenze, wo du sagst, okay, jetzt mit meiner wenigen Erfahrung habe ich an dieser Stelle vielleicht schon Angst gehabt. Heutzutage würdest du sagen, okay, meine Angstschwelle, wenn ich sie noch habe, dann liegt sie ganz woanders, als sie damals vielleicht lag. Aber wie hast du es geschafft? Und gerade wenn ich auch Schüler zu dir komme und fragen, wie kann ich das schaffen? Wie hast du es geschafft, eine Angstschwelle zu verschieben? Auch wenn du sie mal empfunden hast und weißt, die Angst kann ja da sein und die hat mich sogar auf den Boden gezwungen. Also warum bist du trotzdem wieder fliegen gegangen und sagst, da will ich weiter?

21:39Simon Oberrauner

Ich habe zum Beispiel, ich habe dann eher gewusst, okay, da will ich nicht weiter. Okay. Die Bedingungen waren zu viel und das war zu stark, zu starke Dynamik oder zu viel Wind. Und für die Situation, in der ich damals war, und vor allem hat es mich eigentlich immer dann, bin ich dann wirklich aktiv landen gegangen, wenn ich die Sache nicht mehr verstanden habe. Was passiert gerade? Wenn ich nicht gewusst habe, in welcher Situation bin ich gerade und warum ist es gerade so? Und es kann zum Beispiel auch sein, dass die Situation zu gut war. Es stieg einfach überall zu gut und du hast schon gedacht, es ist gefährlich. Genau, richtig.

22:26Simon Oberrauner

Da habe ich auch Flüge gehabt, wo wirklich keine Wolken über waren. Man steigt und steigt und steigt dahin und dann ist die Überlegung, okay, was passiert gerade, warum steigt so stark und ist das jetzt eine Welle oder sowas, eine Föhnwelle oder was in der ich bin? Und habe ich das in der Vorhersage zum Beispiel übersehen oder was? Vor sowas habe ich wirklich sehr, sehr großen Respekt gehabt und bin dann oft wirklich einfach nur probiert, wie komme ich jetzt runter, wie komme ich safe runter, ist dort unten Wind, ein windgeschütztes Tal gesucht und immer so ein bisschen probiert, den Wind zu verstehen, von einem Fluss sozusagen oder von Wasser, das durch die Täler fließt und dann mit so

23:12Simon Oberrauner

Kehrwasser in der Art und ruhige Bereiche oft

23:18Simon Oberrauner

entziffern können, wo man gut landen kann und deswegen meistens gute Landemöglichkeiten gehabt habe. Aber das kommt dann eben durch Verständnis vor allem, dass man sagt, okay, jetzt wird das dort passieren und das dort passieren und dann kommt keine Situation mehr oder kommt meistens keine Situation mehr, die man nicht versteht und wenn man sie im Ansatz nicht versteht und dann sagt, okay, falsch eingeschätzt, es passiert doch das, das heißt, man hat mehrere Modelle und mehrere Überlegungen, was kann jetzt passieren oder wie kann sich das Wetter dort ändern oder wie wird sich dort im nächsten Tal verhalten, der Wind.

24:02Simon Oberrauner

Ja, da baut man Erfahrung auf und das Lesen

24:07Simon Oberrauner

von Wind und Thermik und Wolken wird einfach immer besser und dadurch versteht man mehr und hat nicht mehr diese Unsicherheit dringend.

24:18Lucian Haas

Aber wenn du vorhin sagtest, du hattest eigentlich im Grunde keinen Mentor, an den du dich ausrichten konntest oder der dir auch mit seiner Erfahrung Wissen vermitteln konnte und sagen konnte, ja, ja, das, was du da gerade erlebt hast, ich kann dir jetzt mal erklären, was da ist und dann kannst du mit diesem Modell beim nächsten Mal fliegen gehen und wenn du das wieder erlebst, dann weißt du, ah, mein Mentor hat gesagt so, ich probier das jetzt aus, ah ja, ganz genau, ich kann hier trotzdem safe fliegen oder da geht's auf jeden Fall hoch, auch wenn's leh ist oder was auch immer was das für Situationen waren. Wenn du jetzt keinen Mentor hast, wie bist du dann zu diesem Wissen vorgedrungen? Oder ist das bei dir einfach

24:54Lucian Haas

gelerntes Bauchgefühl, wo du sagst, dieses Wissen, wo auch immer, es steckt in mir drin

25:02Lucian Haas

wie ich jetzt zu reagieren habe, aber ich kann es nicht in logische Gedanken fassen, sondern sagen, mein Bauch sagt go oder go nicht, also wir landen. Mhm,

25:11Simon Oberrauner

also ganz viel, ganz, ganz viel Zeit hab ich vor Google Earth und auf XContest mit Fluganalyse verbracht. Ich will nicht wissen, wie viel Zeit da eigentlich Eingang ist, aber ich hab ganz viele Tracklogs, Wettervorhersagen, Windvorhersagen, dann wenn eben so Situationen waren, wo ich mich unwohl gefühlt hab, wo ich landen gegangen bin, dann hab ich das immer sehr stark analysiert. Was ist da jetzt wirklich passiert? Und hab's probiert zu verstehen und hab mit Freunden drüber geredet. Also wir waren so eine Dreiergruppe, die angefangen hat und wir haben ganz viel Austausch. Wir sind wirklich regelmäßig nach dem Fliegen zusammengesessen, vor den Laptops, haben die Videos angeschaut und geschaut, was haben wir dort gemacht?

25:59Simon Oberrauner

Boah, was haben wir dort eigentlich für einen Blödsinn gemacht, so wirklich auch im Nachhinein zu sehen bei der GoPro, okay, ah, deswegen hab ich dort nicht aufgedreht, weil ich einfach mich vom Wind zum Beispiel zu weit versetzen hab lassen oder sowas. Und das sind so Sachen, die man dann oft im Nachhinein erst wirklich versteht, wenn man das Video, das objektive Video dann wirklich anschaut, was hat man wirklich gemacht, weil oft ist der Flug selbst, dann doch sehr eben emotional auch und dadurch nimmt man vielleicht gar nicht wahr, was man wirklich gemacht hat und dann hat man es im Video wirklich immer gut gesehen und da hab ich dann viel analysiert selbst eben auch und in der Freundesgruppe und

26:46Simon Oberrauner

immer probiert das zu verstehen, was passiert und so haben wir es sonst dann eben, oder ich ist mir dann eben, weil ich dann von denen der Einzige war, der dann wirklich eben sehr viel weiter geflogen ist,

26:58Simon Oberrauner

so hab ich mir das immer probiert zu erklären, was ist da wie passiert und ja, viel Analyse, ganz, ganz viel Analyse an

27:11Simon Oberrauner

Tracklogs, Wettervorhersagen, Videos

27:15Simon Oberrauner

und natürlich auch Input von anderen Piloten, also das ist schon oft dabei gewesen natürlich.

27:20Lucian Haas

Wenn du jetzt schulzt, jetzt nicht nur Grundkurse machst, sondern ihr macht ja auch Performance -Trainings und sonstiges, wo die Leute dann auch schon anfangen, Thermik zu fliegen, also mir geht es manchmal so, dass wenn ich Leute beobachte beim Thermik fliegen vom Boden aus, dass ich viele Fehler viel schneller von unten quasi sehen kann, weil man sofort sieht, ah, der hätte da einfach noch drei Meter vorhalten müssen und hat er jetzt nicht und jetzt ist er natürlich hinten rausgefallen und das weißt du schon zwei Kreise, bevor er es wirklich macht, hast du das eigentlich unten schon gesehen, aber in der Luft sieht man es nicht. Würdest du sagen, als Fluglehrer, je mehr man sowas zuguckt, kann man das dann, oder kannst du das dann auch in deine Fliegerei so integrieren, dass du in der Luft dann weißt, ich gucke mir jetzt mal quasi von außen zu und ich sehe genau, was ich jetzt gerade Blödes hier mache, ich gebe mir mal selber den Funkspruch quasi aufs Ohr, Simon halt mal ein bisschen weiter vor oder sowas.

28:15Simon Oberrauner

Ja, ja, es ist lustig, ich rede mit dem Domi oft auch, weil dadurch, dass wir dann Schüler, erst wenn sie jetzt am Anfang sind vor allem und jetzt haben sie 10, 15 Flüge und sie können schon so in der Früh, macht es nichts mehr, wenn leichte Thermikblasen drin sind und dann lassen wir sie rausfliegen und lassen sie nur gerade rausfliegen und dann sehen wir, boah, dort steigt es, wo wir eigentlich überhaupt also wirklich niemals gedacht hätten, dass es steigt und da lernt man also vom Wetter und vom Thermik her lernt man sehr viel, das ist super cool und natürlich auch beim Kreisen. Es ist total schön dann zu sehen,

29:01Simon Oberrauner

wie

29:03Simon Oberrauner

sich die Thermik verhält und wie sich der Schirm dazu verhält und wie sich manche Schirme verhalten, wenn sie wieder rausfallen aus der Thermik und vom Steuerverhalten wie, ich sage jetzt Arsch auf Arsch, wie mutig traut sich jemand einzukreisen in die Thermik, wie eng, ohne dass er den Schirm zu sehr abkippt und da ist, das ist so lustig, weil Thermikfliegen eigentlich was total komplexes ist und man bricht es runter in ja, da musst du ein bisschen mehr anziehen in der Hand.

29:35Lucian Haas

Rechte Hand mal 15 Meter tiefer und geh mal mit Gewicht noch ein bisschen rein und das soll es dann richten so ungefähr.

29:43Lucian Haas

Es

29:44Simon Oberrauner

ist ja so, man sieht es, man sieht es und man muss eigentlich dann so hellseherische Fähigkeiten ein bisschen entwickeln, dass man sagt okay, halt weiter vor, halt weiter vor, weiter vor, weiter vor und jetzt dreh ein und ja, es ist total lustig und ich glaube, man nimmt wirklich was mit daraus. Also ich kann definitiv was daraus lernen, wenn ich anderen Leuten wieder Thermikfliegen probiere beizubringen und vor allem, wenn es dann auch in den Bereich geht, wo ich jetzt wirklich so Einzelcoachings mache und mit Leuten ganz gezielt fliege, da, da lernt man selbst als Athlet auch wieder sehr viel, weil man sich sehr viel Gedanken darüber macht, was man eigentlich selber macht und warum funktioniert das gut, was ich mache.

30:28Lucian Haas

Weil man nur erklären kann, was man selber von sich auch verstanden hat.

30:32Simon Oberrauner

Genau, genau, ja. Und das, also man, oft kann man was gut und versteht vielleicht aber gar nicht genau, warum kann man es gut und beim Thermikfliegen ist es

30:44Simon Oberrauner

schwierig

30:46Simon Oberrauner

wirklich jemandem zu sagen, okay, ich lerne dir jetzt Thermikfliegen genauso wie ich es kann. Das ist wahrscheinlich unmöglich, aber es gibt natürlich Tricks und Sachen, die man beibringen kann, aber dann so dieses letzte Quäntchen an Gefühl, das muss, glaube ich, jeder selber erarbeiten, ja. Das ist so, wie wenn man beim Excel Maxim benutzt, wenn man zusammenfliegt, dann ist es irrsinnig schwierig über ihm zu sein. Also thermiktechnisch grandios, also finde ich wunderschön und dreht irrsinnig gut und sehr intuitiv und schön. Da guckst du einfach staunend dann zu. Ja, es ist, also natürlich ist es ja trotzdem so ein Thermik -Battle und es ist immer wieder wunderschön zu sehen, wie er dann ah, vielleicht dann doch dort noch ein bisschen vorhält und man

31:37Simon Oberrauner

freut sich sehr, wenn man es schafft, über ihn zu kommen, aber es passiert nicht so oft.

31:45Simon Oberrauner

Aber es macht dann im Endeffekt, es ist voll lustig, eigentlich ist es ja dann oft nur das Top von der Thermik, wo sich dann dieser Unterschied so ah, der hat die Blase dort einfach noch erkannt und noch so mitgenommen und dadurch nochmal diese 50 Meter dazugemacht und das ist und das macht ja vor allem dann beim, also beim Excel habe ich nicht so viel aus eben, aber dann beim DWC glaube ich oder so ist das sehr entscheidend, weil es da dann ja doch wirklich dann um die Sekunden

32:14Lucian Haas

geht. Wenn du so erzählst, habe ich so den Eindruck, dass du Gleitschirmfliegen ganz viel vor allem auch als im Grunde ein Lernfeld siehst für dich, so ein ständiges Lernfeld. Ja. Was aus dieser Grundhaltung heraus sage ich mal, was hat dich zu den X -Alps getrieben?

32:35Simon Oberrauner

Was hat mich zu den X -Alps getrieben?

32:40Simon Oberrauner

Ich glaube, vor allem

32:44Simon Oberrauner

das Abenteuer ein bisschen, also sozusagen, okay, man begibt sich da auf einen Kurs und auf eine Strecke, auf eine sehr weite, sehr lange, bei ganz unterschiedlichen Bedingungen und genau so bin ich eigentlich mein ganzes Fliegerleben auch ans Fliegen reingegangen. Ich wollte immer so schauen, okay, welche Bedingungen lassen sich da vielleicht fliegen oder vielleicht, wie geht das dort und bin ganz oft bei viel Wind am Berg gestanden und habe es einfach nur den Wind beobachtet und wie sich die Böen verhalten und habe gemerkt, es ist zu viel Wind, den Schirm zusammengepackt lassen und gar nicht daran gedacht zu starten. Habe es mir einfach angeschaut und probiert zu verstehen, okay, wie verhalten sich die Böen, wie sind die Abstände und so weiter. Und beim X -Alps

33:30Simon Oberrauner

ist es so, dass man eben dort auch mit einem Team an den Start geht. Und das erste Mal war,

33:40Simon Oberrauner

ja, also das Abenteuer ist wirklich ja, die perfekte Beschreibung dafür, es war ein pures Abenteuer. Also da ist jetzt das letzte X -Alps. Also deine erste

33:52Lucian Haas

X -Alps -Teilnahme nicht, wo du als Supporter von Paul dabei warst, sondern also Paul, das war 2015 als Supporter und 2017 war deine wirkliche erste X -Alps als Teilnehmer.

34:03Simon Oberrauner

Genau. Also 2015 war das natürlich also das war wild. Ich war noch nie in den Westalpen. Und habe den Mont Blanc zum ersten Mal fliegend gesehen, eigentlich, ja. Also ich bin dort mit dem Paul auf so sehr grenzwertigen Startplätzen gestartet und dann dreht man dort auf und man weiß, okay, theoretisch kommt dann jetzt der Mont Blanc und dann schaut man, boah, man schaut einmal, man schaut einmal so wirklich so rauf den Berg, diesen weißen Riesen und denkt sich nur, okay, wow. Und ja, da war das da war ganz viel, also was da hat der Paul auch gesagt, boah, also ich bin da Linien geflogen, von denen ich niemals geglaubt hätte, dass sie funktionieren,

34:55Simon Oberrauner

weil ich habe die klassischen Linien, die man dort fliegt, gar nicht gekannt. Und die klassischen Linien haben manchmal gar nicht funktioniert, weil es überhaupt keine Bedingungen dafür waren, sondern ich habe wirklich nur auf die Bedingungen geschaut und geschaut, was zu den Bedingungen passt, ohne ein Bild von der Schnelle, eine kleine XC -Route zu haben. Also die Skyways hattest du

35:19Lucian Haas

nicht im Kopf, sondern einfach nur der Wind bläst gerade so, okay, dann darüber. Der Wind bläst so,

35:27Simon Oberrauner

Reliefkarte, genau, Talwind, überregionaler und genau, und mein System, das ich halt einfach gelernt habe, sozusagen, also meine Anschauung von Wind und Thermik und die hat dorthin gepasst, und das hat immer wieder gut funktioniert.

35:43Lucian Haas

Obwohl du dort vorher nie geflogen bist. Also in solchen wirklich hochalpinen Gelände wie dort, warst du nie. Du kommst Graz, Schöckl, das sind halt nur 1500 oder was du auch immer dort hast, ein bisschen flachere Hänge, nicht ganz so steil und sonst irgendwie was. Hoch aufragender Fels mit Eis bedeckt und sowas gibt es da gar nicht.

36:01Simon Oberrauner

Gibt es dort ganz wenig, aber wir sind schon, also wir sind sehr viel nach Arndt Holz gefahren. Also so nach zwei Jahren, eineinhalb, zwei Jahren, fliegen waren so meine ersten, ich glaube zwei Jahre fliegen war mein erster Arndt -Holz -Ausflug. Und da habe ich, XC -mäßig habe ich definitiv, also da hat mir der Berni Besl sehr viel gelernt, vor allem wie man in Arndt -Holz fliegt auch. Das hat er irrsinnig voll geil mir eigentlich vermitteln können, wie das funktioniert.

36:35Simon Oberrauner

Und von dem her habe ich schon die hohen Berge ein bisschen gewusst, wie die funktionieren, aber trotzdem ist es dort nochmal was anderes kommt mir vor. Also es ist nochmal höher und nochmal extremer. Aber es hat total gut funktioniert und auch dieses, ich kann mich gut erinnern, dieses letzte Stück nach Monaco. Da sind wir von Barcelonette dort, dieser Pass, einer der bekanntesten Pässe, von dem man dann jetzt eigentlich gar nicht mehr starten dürfte, wenn man nach Monaco fliegt, weil dort ja der Mercantur Nationalpark ist. Aber damals war das XC irgendwie so 2015, okay, nein, den Nationalpark gibt es nicht. Also, ja, keine Ahnung. Und da hat man dann Richtung Monaco fliegen können

37:20Simon Oberrauner

und das war, ja, ich habe gar nicht anders, also natürlich hat man sich das vorher mal auf Google Earth angeschaut und das Ganze, aber im Endeffekt, wenn man dann wirklich dort ist, ist es wieder was ganz anderes. Und da habe ich sehr frei fliegen können, also ohne zu sehr irgendwelche,

37:43Simon Oberrauner

ich sage jetzt auch Gefahren zu sehen, ich habe eher nur die Möglichkeiten gesehen. Ich habe gesehen, okay, ah, dort könnte ich draufblasen, dort könnte das Tor funktionieren, dort so. Und habe mich eigentlich von Thermik zu Thermik zu Thermik gehandelt und bin den letzten ganzen Flug eigentlich mit dem Paul mitgeflogen. Und dann war dort davor, ist dann ja so ein Militärstützpunkt und ich habe mir gedacht, boah, nein, dort fliege ich sicher nicht durch. Keine Ahnung, vielleicht hat der Paul dort ja eine Freigabe und ich sicher nicht. Und bin dann dort davor gelandet und erst mal so dort um die Ecke hat dann, glaube ich, noch... von der Straße sein Schirm halb zerstört und wir sind das Ziel gelaufen. Ja, irrsinnige Abenteuer. Also deswegen, das war so mein Gedanke an X -Helps und ich habe Abenteuer immer gern gehabt. Also habe Abenteuer sehr gern.

38:30Simon Oberrauner

So sich ein bisschen was Unbekanntes zu begeben und die Aufgabe am Weg zu lösen, wie sie kommt. Weil wir können beim X -Helps nicht vorhersehen, was werden für Bedingungen sein, wie wird es dort sein, wie wird es dort sein. Man muss ganz viel auch on the go lösen. Und das ist so der Begriff von Abenteuer eigentlich oft. Weil Abenteuer kannst du nicht voll planen. Und X -Helps kannst du nicht voll planen. Es geht nicht. Aber wenn du Erfahrung hast, kannst du gut auf Sachen eingehen. Deswegen ist der Kriegel also gut und er kann irrsinnig gut planen mit seiner Erfahrung. Genau, aber das ist so für mich die Essenz von X -Helps, dieses Abenteuer zu erleben.

39:15Simon Oberrauner

Und vor allem war es am Anfang so, das zu machen. Und nach 2015 habe ich gewusst, das muss ich unbedingt selber machen. Da mag ich mit meinem Team

39:22Lucian Haas

reingehen. Aber du bist gewissermaßen, bist du ja schon eine X -Helps da mit dem Paul mitgeflogen, wenn du sagst, als Supporter war ich eigentlich überall dabei und bin auf viele Flüge dann parallel geflogen. Parallel, ja genau. Paul ist damals, ist der Dritter geworden oder sowas? Ja.

39:39Simon Oberrauner

Du hättest damals vielleicht auch Dritter schon werden können. Wirklich, ist das so? Das ist schwierig, schwierig. Würde ich technisch nicht so sagen, weil jetzt sich die Flugzeuge rauszupicken, an denen man fliegen kann und dann das nur gut geht, das ist das eine. Aber wirklich das X -Helps komplett selbst zu machen, ist wieder was ganz anderes, weil es reicht ein kleiner Fehler und du stehst dann am guten Tag wo am Boden und dann ist das Rennen für dich, du bist auf einmal 50, 60 Kilometer hinten und irrsinnig schwer da irgendwas aufzuholen.

40:14Simon Oberrauner

Und du hast, wenn ich da so frei dabei bin, dann habe ich überhaupt keinen Renndruck. Also ich habe ja quasi für mich war das okay, ich fliege da jetzt einfach und weiß, ich kann dann, also wenn die Supporter dort sind oder sonst steige ich in den Zug und fahre ein Stück oder das geht sich normal immer aus und habe dann jemanden, mit dem ich mitfahren kann und kann ins Auto steigen und dann aber selbst dann dort an der Startlinie zu stehen, das ist eine komplett andere Erfahrung. Das war viel intensiver und zum Beispiel vor meinem ersten X -Herbst habe ich mal den Fuß gebrochen gehabt, neun Monate davor bei einer blöden Landung und also weil ich wirklich auch nicht gewusst habe wie Speedlanding eigentlich wirklich funktioniert und

41:03Simon Oberrauner

habe da meinen Fuß gebrochen gehabt also wirklich ganz, ganz blöd und da haben die Ärzte gesagt, also so was wie ein X -Herbst, dann habe ich ihnen erklären müssen was ist das, na das wird sicher nicht funktionieren nein, garantiert nicht, also das können sie jetzt schon unterscheiden, dass das nicht gehen wird, dann sagt man okay, das ist die Meinung und aber ich probiere es halt und wenn es nicht funktioniert dann funktioniert es nicht, aber probieren mal und ja, habe dann viele Leute getroffen, die mir einfach geholfen haben und gesagt haben, es ist so viel möglich und dein Körper kann ganz viel, also jeder Körper kann ganz viel es ist kein Fixum, also kein Fixum, das ist eine Sache, dass du da mitmachen kannst aber du kannst dich dorthin trainieren und schau mal wie dein Körper reagiert oder vor allem dein Gelenk und das war das X -Herbst mit am meisten bis jetzt von mir, mit am meisten Kilometer am Boden das waren

41:58Simon Oberrauner

2017

41:58Lucian Haas

oder welches Jahr war das?

42:00Simon Oberrauner

2017, ja

42:02Simon Oberrauner

dieses Rennen hat gestartet im Schüttregen und ist dann rauf auf den Geißberg im kompletten Regen und ich habe den Berg gar nicht erkannt, wir sind im Schlamm eingesunken rauf, es waren trotzdem irrsinnig viele Menschen oben, das war wie ein ja, das hat sich angefühlt wie ich weiß nicht, also sehr intensiv und vor allem, du kriegst dort oben so eine Flagge in die Hand gedrückt und rennst da drauf und im Endeffekt zwei Tage eigentlich nur laufen und dann will man unbedingt fliegen und dann erfahrt man auf einmal so okay, du bist jetzt voll in dem Rennen und dann erfahrt man, wie sehr einen so ein Rennen pusht wie es dich also pusht in eine Richtung, in die du vielleicht gar nicht gehen willst weil es war kompletter Föhntag und irgendwie fliegen dort alle

43:01Simon Oberrauner

und sie stehen dort in der Nähe von der Köln -Rennsperre, das ist Maltertal und das ist bei Nordföhn ein ganz, ganz blödes Tal und ich sehe unten auch, also ich sehe alle gefahren eigentlich, ich habe das alles wahrgenommen und entscheide mich aber trotzdem dort zu starten, in eigentlich sehr einer ungünstigen Position und probiere das Tal dann rausfliegen und merke keine Chance, dass ich das Tal rausfliege, vor allem weil da sehr viele Hochspannungsleitungen entqueren muss mich in den Wind stellen und muss dort sozusagen in einem ganz schmalen Teil von dem Tal dann landen und lande dort auf der Straße safe und war machbar, aber ich habe einfach gewusst, ich habe es in dem Moment das war einfach irrsinnig dumm da zu fliegen und habe so gemerkt in welche Richtung ich da jetzt irgendwie mich selbst

43:49Simon Oberrauner

gedrückt habe, durch das Rennen, durch das Sehen, dass andere fliegen und habe mir dann eingedacht, okay, nein, das will ich nicht ich will mich nicht in so eine Situation begeben also ich will nicht ich will keine Angst beim Fliegen haben und da war es definitiv so und war eigentlich von mir selbst total enttäuscht und habe mir dann gedacht, okay eigentlich kann ich jetzt auch aufhören weil für was weitermachen, also ich will ich will mich selbst ich will mich nicht verletzen, ich will den Sport noch so lange wie möglich machen und dann neige ich dazu da auch also jetzt sehr dramatisch reinzugehen und

44:30Simon Oberrauner

habe dann, zum Glück ist meine Freundin da als Supporterin dabei gewesen und ich habe gesagt, hey

44:37Simon Oberrauner

komm mal runter und wir gehen jetzt mal nur spazieren, okay spazieren wir einfach nur das Tal darunter sind wirklich ganz gemütlich spaziert bei uns wir haben sogar, wir haben wirklich wir haben so Eierschwammerl gefunden und haben die gepflückt und sind dann so das Tal runter spaziert und irgendwie, und dann habe ich das Wetter gecheckt für morgen und sie so morgen ist ein super Flugtag hey, irgendwie ich habe schon Lust zu fliegen und da war ich dann schon so an 25. Stelle oder so schon alle vorbei schon und ich denke mir ja geh morgen einfach fliegen geh morgen einfach fliegen und und dann passt es auch und dann schauen wir und dann kann ich nur immer aufhören weil morgen ist echt ein safer, guter Flugtag und

45:23Simon Oberrauner

dann war ich am Ende von dem nächsten Tag auf einmal auf Platz 3 und war so da kannst du einfach voll wieder zurückkommen in mein Fliegen und in meine Entscheidungen und nicht in irgendwas Getriebenes und das war dann bei dem Rennen trotzdem immer wieder so wieder gemerkt, oh ich fall schon wieder rein in dieses Getriebenwerden und wieder aktiv rausnehmen und also wenn man zwar X -Alps zum ersten Mal macht, dann kann einen das schon wirklich sehr ja, ist es sehr gefährlich, dass man also man muss sehr über sich selbst Bescheid wissen eigentlich und über seine Entscheidungen, das ist wichtig so

46:01Lucian Haas

ein bisschen, so wie du das jetzt erzählt, ich muss jetzt gerade an Maxime Pinot denken, der ja bei dieser X -Alps am zweiten Tag oder am Ende des zweiten Tages, nachdem dieser sehr starke Föhntag dort war und wo dann manche geflogen sind und er hat sich dann einfach entschieden, ich flieg nicht und am Ende des Tages hat er auch gesagt, ich steig aus wo dann große Diskussionen viele Beifall geklatscht haben, sozialen Medien andere haben überlegt, was heißt das denn jetzt oder sonst was was hast du gedacht, als du das gehört hast? Hast du dich ein bisschen an deine Situation 2017

46:33Lucian Haas

zurückerinnert gefühlt oder sowas? Oder hast du auch mit Maxime mal darüber gesprochen und hast ihm das erzählt, wie du damals damit umgegangen bist? Nein, ich hab mit

46:42Simon Oberrauner

ihm noch nicht drüber gesprochen, ich hab aber zum Beispiel, es war der gleiche Startplatz von dem, also er war neben mir, ich bin gestartet, er hat sich sehr Zeit gelassen mit dem Aufbauen und war jetzt einge... man hat schon ein bisschen gemerkt, okay er ist jetzt nicht so die Motivation, also so hab ich ihn bei dem Rennen nicht gekannt, normal ist er schnell, zack, spielt die Karte von seiner körperlichen Fitness immer gut aus, lauft drauf, schnell unterwegs, schnell wieder anfliegen und da war er er war nicht so wie ich ihn gekannt hab, also er war schon eher zurückhaltend und eher so boah, und ich hab's dann sehr verstanden, weil ich eigentlich auch auf den Tag

47:28Simon Oberrauner

sehr respektvoll geschaut hab, weil ich gewusst hab, wir fliegen eigentlich komplett Richtung

47:37Simon Oberrauner

jetzt Reschensee, wo der Nordfön einfach irrsinnig stark ist und immer stärker wird, Anfang vom Tag war's mir nicht so stark vorhergesagt, und ich hab mir das so gedanklich offen gelassen, was passiert wenn wir Richtung Meran kommen und

47:55Simon Oberrauner

ja, ich kann's entscheiden, ich glaub er hat dann auch, er ist dann ein bisschen später gestartet und hat dann beim Start ich glaub er hat einen Klapper gehabt, das war ein blöder Startplatz, den wir dort gehabt haben aus dem Milieu ins Luft rein drehen hat müssen, und ich kann verstehen, dass er sagt, auch mit Hintergrund, ich glaub das hat er so geschrieben

48:16Simon Oberrauner

weil's in der Vergangenheit auch... viele Unfälle gegeben hat, wo er ein nahes Verhältnis gehabt hat und ich glaub da hat er einfach gesehen, hey ich mag das jetzt nicht und dann hat er damit hat er genau richtig entschieden er wollt sich diesen Bedingungen jetzt auch nicht aussetzen und wenn du das nicht willst dann

48:43Simon Oberrauner

darfst du da nicht drüber gehen weil dann bist du nicht bei der Sache, sondern dann funktioniert das nicht und da verstehe ich ihn vollkommen, dann sag ich, okay

48:55Simon Oberrauner

Respekt, richtige Entscheidung

48:58Simon Oberrauner

du wolltest das nicht, und das ist dann ist es immer die richtige Entscheidung zu sagen, nein, ich mag da jetzt nicht drüber gehen ich glaub aber auch nicht, dass man jetzt sagen kann okay, weil Maxim nicht wollte, darf jetzt niemand, also das kann man auch nicht so definieren das ist eine persönliche

49:20Lucian Haas

Entscheidung, das ist ganz klar genau, genau, aber jetzt wo ich noch gesagt habe, man kann ja so und so damit umgehen du hast gesagt, an dem Tag, okay ich will jetzt also 2017, ich will jetzt eigentlich nicht mehr fliegen und vielleicht geb ich sogar auf kriegst dann das Ding, komm geh einfach mal ein bisschen wir gehen mal schwanger suchen und dann gucken wir morgen wieder und vielleicht hätte es Maxim ja auch gut getan zu sagen, ich lauf einfach und guck dann wie viel Spaß ich von hinten raus noch habe und wer weiß, vielleicht flieg ich dann auch plötzlich wieder von Platz 25 auf Platz 3 vor und sag dann wieder, ja ich bin eigentlich wieder voll im Rennen und es war gesund für mich, gesund, also psychisch gesund nicht zu fliegen und jetzt ist es psychisch gesund zu merken, hey ich kann aber trotzdem genauso wieder voll mit vorne dabei sein, also das Erlebnis was du hattest, hat er sich ja vielleicht genommen ja, ja definitiv

50:10Simon Oberrauner

also ist aber natürlich muss man 2017 auch sagen, war ich in einer anderen Position das zu sagen da haben vielleicht nicht so viele Menschen drauf geschaut, was ich tu und da ist der Maxim natürlich als Favorit für das Rennen anders drinnen ja und wie gesagt ich weiß leider auch nicht oder ich weiß seine genauen persönlichen Gründe nicht ich weiß nur, dass er ein irrsinnig guter Pilot ist und ja und ich Respekt vor der Entscheidung habe und deswegen

50:42Lucian Haas

Lassen wir Pino mal beiseite, wir sind bei dir was mich jetzt interessiert, weil du sagst diese ganz kurz, also ich bringe noch den Namen Pino einmal rein, aber dann lassen wir ihn beiseite, weil du gesagt hast, dass Pino war der Favorit und steht da wahrscheinlich auch noch anders unter Druck und unter Beobachtung und sowas, du sagst 2017, das war so meine erste da warst du halt bei den Leuten noch nicht so auf dem Schirm, später bist du mehr auf den Schirm gekommen jetzt bei deiner sagen wir jetzt in diesem Jahr bei deinem letzten X -Alps, wo du auch wieder Dritter geworden bist, spürst du mittlerweile mehr Druck, wenn du an so einem Wettbewerb teilnimmst oder kannst du immer noch sagen, ich gehe eigentlich relativ, immer noch relativ unbefangen an sowas heran

51:25Simon Oberrauner

Ja

51:28Simon Oberrauner

ich muss unbefangen rangehen, weil ich nur dann gut bin, das habe ich über mich gelernt Ja ich meine das eine ist ja

51:35Lucian Haas

die Erkenntnis, ich muss unbefangen sein, aber unbefangen sein müssen ist ja schon wieder eine Schwierigkeit weil wenn man dem Hirn sagt nun sei aber unbefangen, sagt das Hirn was soll ich und ist sofort befangen also wie schaffst du es da noch unbefangen zu bleiben?

51:55Lucian Haas

Ja

51:55Simon Oberrauner

das ist eine sehr gute Frage und es ist vor allem am Anfang vom X -Alps irrsinnig schwer

52:03Simon Oberrauner

in das Rennen reinzufinden und wenn man reinfindet und es läuft und man ist da, man kann sich gut etablieren vor einem Feld und kann dann seine seine Linie fliegen und seine Linie wählen, das kann man vor allem finde ich sehr gut, wenn man nicht ganz ganz vorne ist oder also wenn man ganz vorne ist, kann man es sehr gut, ja? weil dann hat man niemanden der irgendwas vorgibt dann kann man sehr gut seine Linie fliegen und dann wieder ist es vielleicht wenn man gerade so ein bisschen dahinter ist schwierig andere Entscheidungen zu treffen auch gar nicht so einfach, außer man sieht dass die vordere Linie nicht funktioniert dann ist es einfach

52:43Simon Oberrauner

Wie geht man unbefangen in so ein X -Alps? Ich habe es immer dadurch gemacht, dass ich gesagt habe mein Ziel ist es ins Ziel zu kommen und das so schnell wie möglich für mich, also ich will einfach gute Entscheidungen treffen und dann kommt der Rest und natürlich ist es dann sehr schwierig wenn man schlechte Entscheidungen trifft oder oder so jetzt zurück fällt, was immer wieder mal passieren kann in so einem X -Alps, aber dadurch, dass ich weiß wie und das habe ich eben bei dem ersten X -Alps so so stark gelernt wie dynamisch so ein Rennen sein kann und das war vielleicht 2017 ein bisschen anders mittlerweile schon sehr schwierig wenn man so weit hinten ist geht es am Anfang noch dass man wieder vorspringt, das geht aber nach 3 -4 Tagen

53:37Simon Oberrauner

keine Chance mehr eigentlich Auch weil der

53:39Lucian Haas

Kurs so genauer vorgegeben ist und du so viele Landepunkte hast, wo du wirklich unten ins Tal runter musst und erst wieder hoch laufen musst, also du kannst nicht mit zwei Superflügen von Platz 25 auf ziemlich weit vorne wieder vorfliegen und alle sagen, wie hat er die Linie jetzt gefunden, die Linie ist ja viel stärker vorgegeben mittlerweile.

53:55Simon Oberrauner

Genau, genau, die ist sehr stark vorgegeben und es wird mehr etappenmäßig, kommt mir vor, also einfach durch die Turnpoints weil es eben das Tempo wieder kurz rausnimmt und dadurch eigentlich den Progress für den Tag sehr stark beschränkt genau, also für mich ist es nach wie vor, das ins Ziel zu kommen, weil das einfach unglaublich schön ist, aber ich habe jetzt es ist total lustig, weil wir haben zum ersten Mal wirklich einen professionellen Filmer dabei gehabt, bei den X -Alps jetzt, der das alles aufgenommen hat und der auch ganz viel von den Supportern aufgenommen hat und von dem, wie sich die Supporter fühlen und ich habe mir eigentlich immer gedacht ja, die sind so drauf wie ich und das passt da und dann bin ich halt wieder ein bisschen zurückgefallen und das ist okay, das ist

54:40Simon Oberrauner

ich muss wieder ich kann wieder aufholen und ich will einfach eine schnelle Linie finden und orientiere mich nicht an ihnen sondern an mir und und das habe ich eigentlich viel besser können, als meine Teilnehmer zumindest waren, weil die so am am fiebern waren am Livetracken und so, oh scheiße

54:58Lucian Haas

und die waren dann gefrustet, wenn du hinten dran warst ungefähr?

55:01Simon Oberrauner

Ja genau, aber das habe ich nur auf den Videos gesehen und sie haben es mich halt eigentlich gar nicht so spüren lassen und das haben sie eigentlich immer sehr gut gemacht und es war immer ein gutes Feeling, wenn sie da waren und sie waren immer happy und ich habe dieses Jahr ein

55:18Simon Oberrauner

wirklich, wirklich cooles Team gehabt, das war zwar sehr ähnlich, wie es auch schon davor war, aber es waren noch zwei neue dabei und die haben super gut reinpasst und es war ja, wir haben richtig coole Zeit gehabt denke ich, obwohl sehr viel, also sehr viel, also die erste Nacht war eigentlich Worst Case Szenario, also schlechter kann man sich das für das Team gar nicht vorstellen, wir waren dort Platzwiese oben in den Dolomiten und gehen dann alle schlafen und nach drei Stunden, also mitten in der Nacht, merke ich, dass eine Busdür aufgeht, und wieder zu und zehn Sekunden darauf

56:02Simon Oberrauner

übergibt sich wer, aber für eine halbe Stunde quasi wirklich alles raus, ja, komplett. Das hat ganz wild gelungen und ich dachte, boah, da hat es irgendjemand erwischt und dann kommt so die Überlegung, hey, was ist, wenn das von mir wäre, und schiebe so vom Sammelmobil die Luke auf, weil ich im Dachzelt schlafe und schaue so runter und sehe, oh, ein Supporter von mir, mein Physio, ist nicht da, und der andere Supporter schaut mich an und sagt, scheiße, und ich so, scheiße.

56:42Simon Oberrauner

Irgendwie ist es gegangen, dass ich das nicht bekommen habe, oder war es ein Magen Unverträglichkeit, auf jeden Fall habe ich die ersten drei Tage einen sehr angeschlagenen Physio gehabt, der aber das durchgehalten hat, und dem am Ende vom Rennen ist er wieder überall mitgegangen, also so Mitte des Rennens eigentlich schon. Er ist überall gut mitgegangen und war schon wieder voll fit, ich glaube sogar am dritten oder vierten Tag am Anfang war er schon wieder voll dabei, und das hat dann meinen Hauptsupporter auch noch ein bisschen getroffen, er war dann auch so zwei, drei Tage sehr, sehr lidiert, aber irgendwie haben wir das als Team voll managen können, vor allem, weil es halt so gut geflogen ist auch, das ist dann schon einfacher.

57:23Lucian Haas

Ich will nochmal zurückspringen zum Thema Risiko, und jetzt gerade an dem Beispiel, wir haben vorhin schon drüber gesprochen, dieser zweite Tag, der Föhntag, da bist du glaube ich letzten,

57:36Lucian Haas

ich meine, wenn ich es richtig verfolgt habe, warst du zwischendurch sogar in Führung, warst der Erste, der in Meran gelandet ist, oder so was, kann das sein? Danach. Ich habe nur so ein Bild, also nicht so ein Bild, sondern ein Video gesehen, das angeblich dich gezeigt hat, aber soviel ich weiß, warst du auch bei einer Abflug ins Tal, wo es dich eigentlich nur ziemlich hoch und runter gebeutet hat, wo du kämpfen musstest, um diesen Schirm aufzuhalten, aufstellen, hochreißen, seitlich einklappen, leicht wieder weiter hangeln und sonstiges.

58:08Lucian Haas

Was geht dir bei sowas durch den Kopf? Geht da überhaupt was durch den Kopf, oder ist man so in einem Tunnel, dass man nur noch Flugmaschine ist? Ja,

58:20Simon Oberrauner

Flugmaschine. Das ist eine gute Definition. Was geht dir in den Kopf? Also ich kann es genau herleiten, wir sind dort entlang gesort, oder sagen wir mal so, ich bin vielleicht, ich habe es nach diesem Start dort, das war so ein Prallhang vom Föhnwind, ist es einmal schön raufgegangen und Griegl und Christian Schuck waren vorne gewesen, sie sind so 10 Minuten vor mir gestartet, und ich habe gesehen, was sie tun, es ist sehr schwer, Höhe zu machen. Und ich habe gemerkt, okay, es ist nicht so viel Wind in der Höhe, dass wir jetzt wirklich da einfach dahin sohren und das Finschgau rauffliegen wie nichts, sondern dass das schwierig wird jetzt. Und dann sehe ich aber auch, dass sie so ein bisschen in den Race -Modus kommen und vor, und okay, da geht noch nichts gut und weiter, und da geht wieder nichts gut und weiter.

59:10Simon Oberrauner

Und ich denke mir, nein, nein, nein, das ist jetzt falsch. Das hat man dann richtig gut gesehen und genau, es wird nicht funktionieren. Da hat man irrsinnig viel Zeit gelassen in einer Thermik, also mit einem halben Meter pro teilweise Minute vielleicht gestiegen, kurzzeitig, wirklich so ein Nullschieber -Austritt, wo ich wusste, okay, es hilft nur, wenn man hochkommt, dann sorten wir da drauf. Und das ist mir dann gelungen, bin dort weitergesort, und dann habe ich gemerkt, okay, jetzt kommen wir näher Richtung Finschgau und die Ausrichtung von der, da ist ein kleiner Talsprung dann, oder relativ großer, und die Ausrichtung von der Rippe wird dann nicht optimal sein, aber oben ist eh nicht so viel Wind. Also ich bin dort hingeflogen mit mit dem Trink, teilweise 30, 35 km/h und super Glitten, richtig gute Gleitzeit.

59:57Simon Oberrauner

Und auf einmal merkt man, gerade mit meinen Supportern telefoniert und so gesagt, boah ja, vielleicht kurbe ich dort um die Ecke und dann kann ich noch weitersorten, läuft eigentlich super gut und das funktioniert gerade sehr gut. Und dann ist es so ein bisschen wie gegen eine Wand zu fliegen, so ein bisschen gegen seine imaginäre, seine, okay, oder ein Verzögerungsstreifen könnte man sich jetzt vorstellen, so wie ein unendlicher

1:00:25Simon Oberrauner

Verzögerungsstreifen von Mario Kart. Es gibt die Beschleunigungsstreifen, die Verzögerungsstreifen, und das war unendlicher Verzögerungsstreifen und du merkst auf einmal, boah, es ist in Rolle über Rolle geht's eigentlich zwar vorwärts, aber irrsinnig turbulent und okay, also dann hab ich wirklich sehr lang probiert noch um diese Ecke zu kommen und dann hab ich gemerkt, okay, na, geht nicht. Also ich kann da, ich komm da nicht drüber und möglicherweise ist jetzt die einzige jetzt, der Wind wird bis ins Tal nicht weniger werden, wenn dann mehr und bin dann eher ein bisschen am Hang dort geblieben und hab probiert so nur langsam raus in das Tal zu kommen und hab gemerkt, am Hang ist es eigentlich viel turbulenter, weil der

1:01:13Simon Oberrauner

runtergedrückt hat und im Endeffekt sind das die Überlegungen, die da auch durchgehen, also bei mir, es war voller Fokus, ich hab gewusst, sehr anspruchsvolle Situation, 100 % Fokus auf wo bin ich, wo kann ich hin, was sind meine Möglichkeiten und hab das alles unter, also gefühlt sozusagen von mir, ist genau das gekommen, was ich auch erwartet hab. Es war hart, es war hart, den Schirm offen zu lassen, zu haben und hab dann auch bei der Landung war's viel ruhiger als dieses Video zeigt, es war halt genau die ganz turbulente Phase, wo der Tal das aufgenommen hat und bin dann dort gelandet und in einer wirklich, ich hab eine supergroße Wiese gehabt und bin da gelandet.

1:02:01Simon Oberrauner

Bei mir war der Wind noch gar nicht so stark, der ist, in dem Moment ist er massiv durchbrochen und es sind andere dann hinter mir, es hat ja jeder gedacht, ah ok, der Simon hat da vielleicht irgendeinen Fehler gemacht beim Anfliegen, es hat ja jeder gesagt, ah probier ich auch, probier ich auch, also auch beim Domi haben die, es waren ja alle noch zusammen und alle sind gegen diese Wand geflogen, sozusagen und gelandet worden und die sind alle immer weniger weit gekommen, das heißt der Wind ist eigentlich immer stärker geworden. Ihr habt da sogar noch eine relativ günstige

1:02:38Simon Oberrauner

Situation gehabt eigentlich, dass das einfach war.

1:02:43Simon Oberrauner

Andere sind teilweise fünf Kilometer rückwärts geflogen, bis sie, bis sie dann am Boden waren, weil sie und da haben auch beim Domi die Supporter gesagt, na ich lande in dem Nebental, da ist weniger Wind und das fliegt mir draus und er denkt sich, boah ihr habt tausend Meter über Grund, das hier kann ich ja nur rausgleiten, na ganz nett, also es ist dann probiert rausgegangen und wieder alles zurückgeschoben worden vom Wind, aber beim Damien und allen, also es ist niemandem gut gegangen an dem Tag, es war halt gerade noch auf der handelbaren Situation, also für mich, ich weiß jetzt nicht wie es bei den anderen war, aber sie haben es ja auch geschafft, sozusagen, aber

1:03:24Simon Oberrauner

es ist eine Situation, ich habe sozusagen mit viel Wind gerechnet, mit so viel natürlich nicht, weil dann hätte wahrscheinlich er probiert,

1:03:37Simon Oberrauner

die Situation, also die Optionen waren sehr limitiert, weil am Hang oben zu landen bringt dir da nichts, weil der Hang eigentlich, also da war es viel turbulenter als im Tal unten, sie haben sich dann bewusst dafür entschieden, wenn da jetzt der Hang gemütlicher ausgeschaut hätte, weil das war meine erste Option, okay, vielleicht ist am Hang noch ein bisschen weniger, dann hat man gemerkt, wie die Bäume am Hang ausgeschaut haben, das ist gar keine Option, und dann war es unten zum Glück eben so ein bisschen kompressionsmäßig weniger und habe dort sehr safe landen können. Aber

1:04:08Lucian Haas

hast du da manchmal so Gedanken wie, also auch im Flug, wie hoffentlich komme ich hier heil runter oder gibt es solche Gedanken dann gar nicht, weil man so fokussiert ist, dass man dann sagt, ja, Flugmaschine?

1:04:21Simon Oberrauner

Ja, also in, ich glaube es ist der Platz für sowas, weil das wäre eigentlich reines Zweifeln, so hoffentlich schaffe ich das jetzt, hoffentlich schaffe ich das, das habe ich eh ja bei, hoffentlich schaffe ich die Thermik aufzudrehen und so, hoffentlich 1900 Meter und dann hoffentlich gleite ich über den Pass drüber, aber in dem Moment ist ja eigentlich gar kein Platz dafür, da bist du 100 % fokussiert, du bist 100 % da drinnen. Wo

1:04:48Lucian Haas

ist da dein Adrenalinlevel dann, wenn du gelandet bist? Jenseits der Scheitelkante so ungefähr? Ich bin dann eigentlich

1:04:55Simon Oberrauner

relativ ruhig, wenn ich nach sowas gelandet bin, weil ich weiß, das war ja,

1:05:02Simon Oberrauner

das war jetzt ein hohes Risiko, es ist alles gut gegangen, aber ich bin dann meistens sehr ruhig und probiere die Situation auch nochmal durchgehen, was ist alles genau passiert, was waren die Entscheidungen, die dort hingeführt haben und

1:05:17Simon Oberrauner

genau, und dann ist man eigentlich eh schon wieder, okay, wir gehen dort weiter, ja, und dann geht man und ich bin am Anfang auch bewusst ein bisschen alleine gegangen, der Paul hat mich noch ein bisschen begleitet und hat seine Späße gemacht und seine, seine, seine, sein Instagram gefüttert, was er sehr gut macht und eben so cool, dass er da war und das hat mich eigentlich voll gefreut, also er war dann voll hier und hat dann Snacks mitgehabt und sind mitgelaufen ein bisschen mit mir, das war total cool und er weiß ja genau, wie das ist dort, ja. Das

1:05:49Lucian Haas

Laufen hilft dann auch wieder runterzukommen, also jetzt heile vom Berg teilweise wieder runterzukommen, aber auch wirklich nervös, also vom neurologischen Zustand her wieder so runterzukommen, dass man sagt, okay, jetzt bin ich wieder bei mir. Ja. Also davor war ich auch bei mir, weil ich war so fokussiert, aber ich kann mich jetzt wieder dem normalen öffnen und sagen, ich steh wieder mit beiden Beinen auf dem Boden.

1:06:12Simon Oberrauner

Ja, und es ist auch was sehr Einfaches im Vergleich zu dem, was davor, sozusagen, also es ist halt, wenn du laufst, ja, das ist, das kann man sehr gut trainieren und ist was sehr Überschaubares, wie das, wie das ist für den Körper und deswegen freut man sich dann einfach, weil das was sehr monotones, einfaches ist und da war es super cool zu laufen, dann und es hat mir dann eingetaugt, ja, es war jetzt nicht so, oh, ich bin von 3000 Meter runtergeschwemmt worden und scheiße, jetzt muss ich laufen, sondern okay, gut, das braucht es jetzt eh, weil es braucht ein bisschen Entspannung und das Rennen ist nur lang und das war jetzt superintensiv und runterkommen und Energie sammeln für die nächsten Tage, weil da entscheidet sich viel mehr als an so einem Tag, weil, dass man da dann 10 Kilometer weiter gleitet oder was, das macht überhaupt keinen Unterschied, weil der nächste Tag ist auf Flugzeug, und da wird wieder komplett durchgemischt, jeder, der

1:07:05Simon Oberrauner

bis nach Maran kommen ist, ist quasi gleiche Position, ja.

1:07:09Lucian Haas

Ihr steckt ja da mitten im Rennen drin und ihr erlebt das dann als Rennen so intensiv, dann gibt's die Leute, die das alles beobachten von außen und ihre Social Media Kommentare schreiben oder sowas, hast du im Rennen, kriegst du davon eigentlich überhaupt irgendwie etwas mit, auch, dass ihr teilweise so wie, gibt's ja so Worte wie, ah, das sind die Gladiatoren von XI, also von Red Bull und sonst irgendwie was, also, da so was von außen an dich überhaupt rankommt oder seid ihr so abgeschottet, auch gar, also nicht von, bewusst von anderen abgeschottet, sondern, dass ihr euch in so einen Rennmodus begebt, dass du sagst, davon krieg ich eigentlich fast gar nichts mit, außer wenn mir ein Paltackatz da mal über den Weg läuft und mir gerade drei Fragen für seinen Insta -Account stellt.

1:07:53Simon Oberrauner

Also, es war, es war bei mir so, dass ich eigentlich wenig auf Social Media schaue, während so einem Rennen, oder beziehungsweise fast gar nichts vielleicht zu schauen, ah, was haben sie von mir postet, oder so, so ein bisschen. Und in dem Fall habe ich nur meine Supporter geredet und gehört, oh, hast du das Video gesehen, das sie von Simon gemacht haben? Und ich so, was? Was ist da los? Und er so, okay. Und dann hab ich mir gedacht, nein, das muss ich mir jetzt anschauen. Dann hab ich mir das Video angeschaut und hab gesehen, wie viele hundert Kommentare da jetzt dabei sind oder was. Und hab mir gedacht, klicke ich da jetzt drauf oder klicke ich da nicht drauf? Und hab dann irgendwie da drauf geklickt, weil es mich interessiert hat. Und das war ein totaler Fehler, da drauf zu klicken. Es war, weil so viele Menschen, ah, die ich gekannt hab, irgendwie dann drauf

1:08:40Simon Oberrauner

kommentiert haben und auf so einer Welle aufgesprungen sind und hab mir gedacht, boah, okay, wieder weg dann. Es war so, war am Abend, kurz vorm Schlafen, und dann ist das natürlich voll drinnen und

1:08:53Simon Oberrauner

dann probiert man damit halt das zu handeln. Und dann geht man seine Schritte durch. Was hat man gemacht? Wie hat man sich gefühlt? Und im Endeffekt war ich mit mir im Reinen.

1:09:05Simon Oberrauner

Also, das waren irrsinnig herausfordernde Bedingungen. Ich bin aber nicht

1:09:11Simon Oberrauner

jetzt in einen Modus gekommen oder in eine Situation, die ich noch nie gehabt hätte. Also, dass man von so einer Föhnwand ich weiß, wie es sich anfühlt, weil ich schon viele Hike -and -Fly -Rennen auf hohem Niveau jetzt gemacht hab, wo immer wieder dann Situationen kommen, wo du in den Wind kommst, es sei jetzt Talwind, sei es Föhnwind, wo du in eine Schneise kommst, wo du nicht mehr rauskommst, wo du weißt, du musst dort jetzt landen. Und in der Situation hab ich mich nicht überfordert gefühlt. Und auf dem Video schaut das ganz anders aus, als ich mich natürlich gefühlt hab. Irgendwie nehmen dir dann natürlich so Leute das vorweg, wie der sich gefühlt haben muss. Und der war total am Limit und das war unglaublich. Und dann zweifelst du das schon auch ein bisschen, weil es sind teilweise Leute, die du kennst.

1:09:57Simon Oberrauner

Die Zweifel kommen dann schon.

1:09:58Lucian Haas

Du siehst dein eigenes Bild und sagst, ach du Scheiße, da hätte eigentlich nicht viel gefehlt, also hätte nicht viel gefehlt, aber in dem Moment sagst du, es hat eigentlich ganz viel gefehlt, weil ich war so drin, ich wusste genau, was passiert. Also du warst die Flugmaschine, die in dem Moment voll funktioniert hat, aktiv fliegend und sonst was. Und der von außen kann sich in deine Situation überhaupt nicht reindenken, aber wenn du jetzt von außen wieder guckst, kannst du dich in die Situation des von außen reindenken und sagst dann natürlich vollkommen hanebüchen, was der Simon da sich zusammengeflogen hat. Warum ist der

1:10:28Simon Oberrauner

da überhaupt in die Luft gegangen? Genau, ist eine schwierige Situation. Und deswegen ist es total dumm, da wäre nix auf Social Media zu schauen, weil man ist in seinem Rennen und nicht in dem Rennen von irgendwem anderen oder von irgendwem, der ein Kommentar oder irgendwas schreibt, sondern man ist, man macht das Rennen selbst, man trifft jede Entscheidung selber dort und

1:10:49Simon Oberrauner

deswegen habe ich mir gedacht, hey, ich mach das Rennen und hab das weg dann und hab dann, ich hab das nächste Mal auf Social Media war ich kurz vorm Mont Blanc

1:11:02Simon Oberrauner

Klettersteig, wo ich zusammen mit meinem Filmer ein bisschen gelaufen bin und er hat gesagt, hey, hast du das letzte Video schon gesehen? Und ich so, nein, ich hab mich ewig nicht reingeschaut einfach, weil mir das voll rausgebracht hat und er, ah, schau's mal an, da, das hab ich geschnitten und ich schau mir das an, was er geschnitten hat und denke mir einfach nur, wow, wirklich so, wow, Wahnsinnsarbeit, richtig cool, mega und hab mich voll gefreut und dann hab ich eingenommen die Videos, die sozusagen mein Account postet, hab eigentlich so angeschaut und das hat mir voll daugt und das hat mich motiviert und danach waren die Bedingungen ja auch einfach wirklich, wir haben ja grandios gute Flugbedingungen danach gehabt. Also es war sensationell zum Fliegen.

1:11:46Lucian Haas

Gibt es Dinge bei den X -Alps über die aus deiner Sicht zu wenig gesprochen wird oder die zu wenig wahrgenommen werden? Die

1:11:55Simon Oberrauner

zu wenig wahrgenommen werden? Ja, was wird wahrgenommen?

1:12:01Simon Oberrauner

Ja, definitiv. Ich glaube, nach dem X -Alps werden so viele geniale Entscheidungen getroffen und und

1:12:13Simon Oberrauner

gute Routen geflogen für Wetter, das vielleicht gar nicht so bekannt ist, dass man das dort machen kann und das passiert dann oft eher so im hinteren Feld auch viel und das sieht man eigentlich gar nicht, was da für coole Routen geflogen wird, weil ich weiß es eben, weil so am Anfang, bei meinen ersten zwei X -Alps war ich am Ende vom Rennen, nach vorkommen, wenn ich mal viel Kraft probiert habe aufzusparen, das habe ich so ein bisschen auch von Paul gesehen gehabt, am Ende brauchst du nochmal Kraft, weil da geht allen die Kraft aus, da kannst du alle nochmal aufholen. Das ist was, das ich von ihm definitiv sehr gut gelernt habe und da sind wir teilweise richtig coole Routen geflogen und das hat irgendwie niemanden interessiert, weil

1:12:59Simon Oberrauner

Swiss schauen irgendwie nur alle nach vorne und was dort passiert. Es ist halt bei Rennen leider so.

1:13:05Lucian Haas

Ja, wenn du gesagt hast, am Anfang deiner Fliegerkarriere hast du ganz viel auch Google Earth geguckt und dir die ganzen Flüge dann angeguckt und versuchst du analysieren und sowas. Wenn du jetzt sagst, X -Alps selbst, weil da so extrem geflogen wird und Routen ausprobiert werden müssen auch teilweise, um überhaupt weiter zu kommen und sowas, nutzt du sowas auch, dass du vielleicht jetzt im Winter, wenn du sagst, es ist nicht zu fliegen oder sowas, dass du jetzt sagst, pass mal auf, ich gucke mir mal die ganzen Flüge von den Nachzüglern der X -Alps 2025 an und guck nochmal, was haben die da eigentlich noch zusammen geflogen? Also machst du noch so eine Nachbereitung, um zu sagen, davon kann ich auch wieder was lernen?

1:13:45Simon Oberrauner

Ja, voll. Also das mache ich total gern, dass ich so diese ganzen Tracklogs nochmal anschaue und probiere, was Spannendes rauszufinden und was wo funktioniert hat. Ich tue das total gern, die Tracklogs auf Google Earth anzuschauen. Das ist schon fast eine Leidenschaft. So ein bisschen bezeichnend und man sieht ja auch ganz viel aus so einem Tracklog heraus, wie ist wer geflogen, wenn man die Bedingungen dazu kennt. Das heißt, ich schaue schon auch eher natürlich, was ganz vorne geflogen worden ist, weil du kriegst es ja während dem Rennen gar nicht mit, wie die Leute hinter dir fliegen. Also vor allem nicht, wie sie genau fliegen, vielleicht so ein Umriss. Und da lernt man ganz viel wieder raus, was noch funktioniert hat, weil man die Bedingungen dazu kennt.

1:14:34Simon Oberrauner

Und dann schaut man schon auch, wie ist es normal, so weiter zurück. Und wenn es weiter zurück dann ja eigentlich jetzt so, wie als wären dort

1:14:45Simon Oberrauner

schlechtere Piloten oder was unterwegs, was hier überhaupt nicht der Fall ist. Und da lernt man dann auch nochmal richtig viel, was funktioniert und wo. Also da Nachbereitung ist schon ein großes Ding bei mir. Und das passiert eigentlich oft so wirklich nebenbei. Jetzt hole ich mir den Tracklog wieder her und schaue mir das an. War super, einen ganzen Abend dort rein und ja.

1:15:08Lucian Haas

Was ist an deinem Flugstil besonders, wo du sagen würdest, da kann sich ein anderer ruhig mal was abgucken. Also wo du drauf stolz bist. Wo du sagst, hey, das kann ich wirklich gut. Und wenn man sich meine Tracks anguckt, dann kann man da vielleicht auch wirklich was für sich rausziehen. Wo man sagt, da habe ich was vom Simon gelernt.

1:15:29Lucian Haas

Ich glaube, das ist vielleicht so ein

1:15:30Simon Oberrauner

bisschen das

1:15:34Simon Oberrauner

so ein bisschen tricksen und

1:15:38Simon Oberrauner

vielleicht fliegend bleiben. Wenn jetzt schon alle irgendwo landen gehen und

1:15:44Simon Oberrauner

dann, ich habe immer probiert, so lange wie möglich zu fliegen. Also in der Luft zu bleiben. Und noch dort Thermik zu finden und vielleicht manchmal Umwege zu nehmen, um in der Luft zu bleiben. Auch wenn es heißt, wenn es nicht aufgeht, dass man dann vielleicht weitergehen muss. Also ich gebe sehr gern, wenn sich eine Linie für mich gut anfühlt, dann gebe ich ihr sehr gern. Die Chance. Aber dass man lernen muss, weil oft ist das vielleicht nicht die logische Linie. Aber wenn man eine Linie anschaut und fühlt sich gut an und man denkt sich, boah, ich würde eigentlich gern wissen, ob das funktioniert. Dann nehmen sie ein bisschen nachzugeben und sagen, ja cool, probieren wir das aus. Und zwar, am Anfang bin ich ganz viel so geflogen, ganz viel am Boden gestanden.

1:16:30Simon Oberrauner

Weil einfach die Intuition vielleicht dafür noch nicht wirklich da war. Aber ich habe es schon von Anfang an so gemacht, dass ich, ähm, halt oft einmal am Boden gestanden bin, weil ich mir gedacht habe, boah, das würde ich gerne fliegen oder das probieren. Und dann hat es auch eine Zeit gegeben, wo ich voll weggekommen bin von dem, weil ich sehr auf effizient und schneller fliegen, schneller fliegen, schneller fliegen. Und dann habe ich so zurückgedacht und so meine anfangs langen, weiten Strecken geflogen, wo dann die ersten 200er gekommen sind. Wo ich eigentlich voll intuitiv und sehr, sehr schnell dadurch auch geflogen bin. Und viel thermisch stehen lassen habe und wirklich so gar nicht den X -Half -Stil eigentlich gehabt, sondern voll den Wettkampfstil, weil

1:17:16Simon Oberrauner

das in Antworts halt irgendwie so gelernt worden ist, sage ich jetzt einmal, weil da bist ja, da bist schnell geflogen. Weil du viel umwegfliegst, musst du eben sehr schnell fliegen da. Und ja, also wahrscheinlich ist es das in der Luft bleiben. Und das thermisch probieren auszudrehen und zu finden an Orten, wo es vielleicht nicht so 100 % ersichtlich ist, dass da etwas raufgeht.

1:17:41Lucian Haas

Wie kommst du oder wie entsteht dieses gute Gefühl für eine Linie? Hast du dir das mal so überlegt, dass ich bin jetzt Flugschüler bei dir und frag mal der Erfahrene, kannst du mir, hast du das schon so weit durchstiegen für dich, dass du mir davon was weitergeben könntest? Oder ist das wirklich ich sehe Wolken, ich sehe Wind, ich sehe, was auch immer, Vögel da hinten die rauffahren oder sonst was und das aggregiert sich so, dass mein Bauchgefühl sagt, die Linie ist gut. Warum auch immer.

1:18:11Simon Oberrauner

Ja, ich verstehe die Frage. Nur die Antwort ist schwer. Ich weiß nur, die Antwort ist schwer. Weil,

1:18:21Simon Oberrauner

weil es ganz oft so ist, wenn man, dass es manchmal funktioniert, wem das genau so zu erklären, warum ich das gerade so sehe und, aber ganz oft fehlt die Möglichkeit, das zu probieren. Weil manchmal steht man am Boden und sagt, ah, das und da und jetzt könnte ich mir vorstellen, dass das in die Richtung und so funktioniert. Und ist dann oft die, das probiert man schon so weitergeben, man probiert ganz viel an, vor allem dann bei den Streckenflugkursen weiterzugeben, dass ich sage, okay, das sehe ich jetzt. Aber ich sage dann immer dazu, es ist überhaupt keine Garantie, dass das so funktioniert, weil es funktioniert für mich oft auch nicht. Aber wenn es dann eben nicht funktioniert, dann hätte ich noch diese Option.

1:19:07Simon Oberrauner

Dann könnte man dort noch hin. Und wahrscheinlich schaut für mich eine Linie oft dann auch gut aus, wenn ich dann noch unterbewusst einen Rettungsanker wo noch habe. Und sage, ah, okay, aber das ist fast eine hundertprozentige Sache, dass das funktioniert. Und so könnte ich mich dann wieder raus, aus dieser Situation rausbringen, wenn die Linie nicht funktioniert hätte sozusagen. Und fliegend bleiben und wieder weiter fliegen. Und ich habe solche Situationen beim X -Büro, auch eine irrsinnig intensive Situation gehabt, wo ich aus einem Graben nicht rausgekommen bin. Und ich bin dort schon zwei Stunden, glaube ich, wirklich an Ort und Stelle gepickt und immer wieder gegen den Talwind vor, wieder probiert auftreten, versetzen es und den Bart wieder verloren.

1:19:52Simon Oberrauner

Und dort hin und her und hin und her. Ich habe diesen ganzen Ort dort eigentlich mit Track -Log -Farbe angemalt. Also für mich den Track habe ich schon nicht mehr gewusst, wo war ich gerade. Und ich habe mir überlegt, also ich gehe dann oft so an, das probiere ich an den Schülern weiter zu gehen, ich gehe so ran, es ist ein Rätsel jetzt. Es ist für mich jetzt gerade ein Rätsel und es gibt irgendeine Lösung. Es gibt, meistens gibt es eine Lösung. Und dort war das in dem Fall, das war komplett verrückt. Also wie das dann so eine kleine Blase ein bisschen mehr erwischt gehabt und dann gesehen, erst für die Topologie ein Bild gekriegt und gemerkt, ah, das ist ein weites Plateau und der Wind steht auf das Plateau warum lande ich nicht einfach auf das Plateau und kite mit dem Wind bis

1:20:43Simon Oberrauner

zu dem Tal, wo ich dann wieder durch runterfliegen kann. Also, hey, das ist die Lösung. Und lande dort oben rein, gehe so 100 Meter rauf und kite mit dem Schirm über ein Plateau drüber, so eine Stunde vor Sonnenuntergang. Wirklich der Golden Hour. Es klingt so kitschig, aber es sind wirklich so drei wilde, weiße Pferde neben mir. Komplett verrückt. Und ich kite dort weiter und denke mir, okay,

1:21:17Simon Oberrauner

verrückt, kite auf so einen Berg rauf und starte dort runter und gleite noch über 20 Kilometer das Tal raus und bin dadurch fix vierter Platz bei Mixed Bureau. Und das sind so Situationen, wo ich mir denke, ach,

1:21:35Simon Oberrauner

bin ich froh, dass ich da so durchhalte, dass ich so okay, es gibt aber irgendeine Möglichkeit noch und ich sehe sie nur momentan nicht. Und das ist vielleicht das, was mir am Fliegen so taugt, dass es so viele Möglichkeiten und Situationen gibt und man die dann finden muss

1:21:57Lucian Haas

eigentlich erst. Also zum einen musst du spielerisch daran gehen, musst ein bisschen Fantasie haben, aber, wenn ich das richtig verstehe, du musst auch ungeheuer geduldig sein.

1:22:09Simon Oberrauner

Ja. Definitiv. Und sehr

1:22:11Lucian Haas

viele Piloten oder Pilotinnen, die ich kenne, also viele scheitern wahrscheinlich sehr häufig an ihrer eigenen Ungeduld. Definitiv, ja. Hast du diese Geduld, ist das bei dir quasi in der DNA drin oder hast du das trainiert? Und wenn ja, wie kann man Geduld trainieren?

1:22:28Simon Oberrauner

Ich glaube, ich habe von Natur aus wahrscheinlich so ein bisschen Zähheit da, also, dass ich solche Situationen gut durchziehen kann und wieder probiere und wieder probiere und wieder probiere, weil ich vielleicht ein bisschen daran glaube. Vor allem ist es in der Luft ja sehr wenig körperliche Anstrengungen, sondern vor allem mentale. Und das ist hart. Man darf sich nur nicht sagen, okay, das ist jetzt einfach nicht hart und ich bleibe einfach, weil dann sauft man sowieso ab, weil das in der Luft bleiben war ja schon sehr hart in dem Moment. Das heißt, es ist, ja,

1:23:10Simon Oberrauner

ich glaube, man kann es definitiv trainieren und zwar indem man dann in dem Moment, in dem die Situation kommt, die Erwartung sehr stark zurückschreibt. Also und zu sagen, das ist jetzt auch in Ordnung, weil um was geht es denn eigentlich? Ja, das ist jetzt okay, dann wird es nicht der 300er -Streckenflug oder dann wird es eben nicht das. Und bei Hike -and -Fly -Rennen ist es halt natürlich immer so, dass okay, aber noch einmal aufdrehen, das bringt richtig viel. Und da bin ich manchmal aber auch so, dass ich zu viel Geduld sozusagen mit reinbringe und dass die schnellere Option ganz oft gewesen wäre, okay, rein landen, raufgehen, weiter fliegen.

1:23:59Simon Oberrauner

Und da kommt man das Ganze wieder ein bisschen in die Quere, weil ich will die Thermik dort verstehen und ich will probieren, da jetzt rauf zu kommen und dann verbringe ich viel zu viel Zeit auf den Hang und hätte eigentlich schon ganz leicht rein landen können, raufgehen und weiter fliegen.

1:24:14Lucian Haas

Aber dafür weißt du es vielleicht beim nächsten Mal besser. Also was heißt besser, sondern wenn du in einer anderen Situation bist, wo vielleicht genau diese Erfahrung oder dieses, was du ausprobiert hast und das, was du da ins Muskelgedächtnis oder was auch immer in die hintersten Arschmuskeln noch reingeprägt haben, wo du sagst, ich fühle jetzt da, das zieht mich irgendwie da, das muss da vorne auf der Ecke dann noch irgendwie hochgehen. Ja, diese Erfahrung muss man ja auch machen. Und dann irgendwo abspeichern, dass man sie beim nächsten Mal irgendwo abrufen kann. Das denke ich mir auch oft, ja. Habe

1:24:44Simon Oberrauner

ich wieder was gelernt, funktioniert das nicht. Genau, ja. Und dann kann man das eigentlich relativ gut verarbeiten, weil man nimmt den Lerneffekt daraus mit. Und das war, also die Situation, die ich zum Beispiel gerade anspreche, die war kurz vorm Bernhardpass nach Ledersalps, wo ich dann auf einmal wirklich so 40, 50 Kilometer Rückstand gehabt habe zu den Ersten. Und ganz tief in einem Tal drinnen war der,

1:25:15Simon Oberrauner

da ist der Name gar nicht mehr, Megaskigebiet dort hinten drinnen und Land dort auf halber Höhe, 2000 Meter, also halber Höhe ist schon relativ hoch rein auf das Skigebiet. Und da denkt man, boah, das Tal rausfliegen ist irgendwie dumm, weil dann muss ich voll weit gehen und jetzt bin ich hoch und morgen kann ich das viel besser nutzen. Und habe dann auch gesehen, dass der Damien -Nachbar kommt und der macht aber die G -Variante so ein bisschen und dann kommt man so ein bisschen ins Überlegen. Und dann sagen die Supporter, ja, sie sind in drei Stunden da, weil das ist ewig weit, weil sie haben jetzt bei dem Hang gewartet, wo ich ewig probiert habe.

1:25:55Simon Oberrauner

Scheiße, okay. Und dann passieren aber so Sachen, das ist ich selbst, es hat mich dort wer landen gesehen, bei dem See, und der ist mit seinem Auto hergekommen und hat gesagt, cool, ich selbst und hi, und kann ich irgendwas für dich tun? Und ich so, ja, eigentlich wäre ich total hungrig. Und er so, hey, kein Problem. Fahrt runter ins Tal zu seiner Wohnung und bringt seine Frau mit, die hochschwanger war,

1:26:26Simon Oberrauner

und eine hausgemachte Quiche zum Trinken und Snacks. Und ich kann mich in sein Auto reinlegen und kann dort chillen und er versorgt mich voll. Das ist jetzt so cool, Frankreich ist da richtig lässig. Die Lebenbarkeit ist schon sehr unterschiedlich. Genau wie die Schweiz. Da merkt man das ganz, ganz stark.

1:26:48Lucian Haas

Das sind jetzt diese sehr persönlichen, sehr menschlichen Erlebnisse, die man dabei hat. Auf der anderen Seite ist es auch noch ein Rennen und man will natürlich gewinnen, oder zumindest, das spielt auch noch eine Rolle, dass man sagt, ich will auch aufs Podium kommen, du hast es ja auch geschafft, aber nur Dritter. Was würdest du sagen, würde sich in deinem Leben etwas ändern, wenn du die X -Alps mal gewinnen würdest?

1:27:15Simon Oberrauner

Hm. Ich glaube gar nicht so viel, wahrscheinlich. Oder vielleicht an deinem Antrieb. Also wäre das

1:27:22Lucian Haas

vielleicht etwas, wo du sagst, würde sich damit vielleicht der Antrieb, an den X -Alps teilzunehmen, würde der vielleicht weniger werden? Also ist diese Sache, ich war bisher immer nur Fünfter, Dritter, Sechster, wieder Dritter, Sechster, nochmal Dritter oder sowas, dass das so ein Antrieb ist, zu sagen, ich will, aber eigentlich will ich ja doch gerne einmal Erster werden, also melde ich mich in zwei Jahren wieder an.

1:27:45Lucian Haas

Und wenn du es jetzt mal gewinnen würdest, wäre die Frage größer, vielleicht soll ich da überhaupt nochmal teilnehmen, jetzt habe ich eigentlich alle Ziele mal erreicht, die ich da erreichen könnte.

1:27:55Simon Oberrauner

Nein, glaube ich nicht. Weil ich die X -Alps, weil ich ja nicht das Ziel rein habe, die X -Alps zu gewinnen. Das ist nicht das Ding, sozusagen.

1:28:08Simon Oberrauner

Sondern es ist das Ding, das Rennen zu machen, überhaupt. Und das ist jedes Mal wieder so neu und so komplex und nie gleich,

1:28:19Simon Oberrauner

dass ich diese Herausforderung, die ist es eigentlich, die dort auch dazu und dort sehr gut finde, weil sie sehr selbstbestimmt ist in dem Format. Und natürlich kann man jetzt drüber streiten, wie die Strecke aufgebaut ist mit den Klettersteigen, vielleicht nicht sehr zielführend. Aber nein, ich glaube,

1:28:41Simon Oberrauner

wird sich nicht die Motivation für das X -Alps dadurch jetzt allein ändern, dass ich sage, okay, boah, ich stehe da ganz oben, fertig.

1:28:51Simon Oberrauner

Nein, glaube ich nicht. Wäre doch durchaus noch da. Und es war nämlich lustig, wie ich einmal, wie ich das erste Mal Dritter geworden bin und dann dort oben stehe, so eine Minute, irgendwie bei mir ist es immer sehr knapp zum Zweiten.

1:29:08Simon Oberrauner

Eine Minute. Ich war jetzt hier in diesem

1:29:09Lucian Haas

Jahr, was waren es, fünf Sekunden, 13 irgendwas? 16. Ich glaube 16, ja. Und

1:29:14Simon Oberrauner

vor allem, ja, ich bin ja sogar höher losgeflogen als der Lars, aber er hat das sehr gut gemacht, er ist vorgeflogen und hat den Abstand immer gut gehalten und dann habe ich voll beschleunigen müssen, um ihn aufzuholen und dadurch eigentlich ein bisschen verloren. Also das Gurtzeug hat in dem Fall wirklich einen großen Unterschied gemacht. Hat man sehr stark gemerkt. Also das Gurtzeug ist doch wirklich so voll verkleidet, bringt da wirklich was.

1:29:48Simon Oberrauner

Aber wie ich damals oben gelandet bin, 2021 und in der Minute hinter dem Patrick war, hat irgendwer so gesagt Jetzt kannst du aufhören, oder? Dritter, passt, oder? So on top und passt. Und ich habe mir gedacht, hm, spannende Ansicht. Und habe die wirklich so im Hinterkopf gehabt und gesagt, will ich jetzt eigentlich so sagen, okay, jetzt bin ich so weit oben und jetzt passt das, jetzt kann ich sozusagen so mit dem stehen lassen und es steht dann richtig cool. Und dann habe ich mir gedacht, na, eigentlich das ist ja gar nicht der Hauptgrund, die Beziehung ist nicht der Hauptgrund, warum ich mitmache, sondern eben, weil ich dieses Abenteuer und vor allem mit den anderen zusammen, mit dem Team und auch mit den anderen Athleten, sich dort so zu messen, das ist einfach was, was ich sehr gerne tue.

1:30:45Simon Oberrauner

Also nach wie vor sehr gerne zu machen.

1:30:48Lucian Haas

Nun ist das ja auch eine sehr, sehr besondere Zeit, die man da hat, diese zwei Wochen. X -Alps und auch mit der Vorbereitung wahrscheinlich auch, aber kulminiert dann halt in diesen X -Alps. Was würdest du denn sagen, was kannst du als Lehre oder sowas aus so einem Extremwettbewerb wie den X -Alps mitnehmen oder als Erkenntnis, die dir fürs normale Leben taugt, wo du sagst, hey, da hat mich die X -Alps auch irgendwie wirklich weitergebracht?

1:31:22Simon Oberrauner

Ganz viel. Ganz, ganz viel. Es ist vor allem auch ein bisschen Vertrauen ins Leben, also das soll jetzt nicht so heißen, man kann alles machen und es wird schon gut werden, sondern das soll eher heißen, man wird seinen Weg finden. Das hat mir das Paragleiten an sich sehr, sehr gut gezeigt und ich kann ganz oft irgendwie Parallelen vom Paragleiten zum Leben, da sind immer wieder so schöne

1:32:00Simon Oberrauner

Parallelen sichtbar und

1:32:04Simon Oberrauner

ich glaube, insgesamt ist es das Paragleiten vor allem, das mir sehr viel fürs Leben gebracht hat und sehr viel gelernt hat. Und

1:32:15Simon Oberrauner

ja, deswegen, und es gibt mir eben einfach auch viel, also sozusagen, und das Schöne ist, das dann eben auch zurückzugeben mit den Schulen, mit den anderen Leuten diese Möglichkeit zu geben und aber auch gleichzeitig zu zeigen, okay, es muss nicht jeder einfach das so extrem machen, sondern es ist so ein wunderschöner Sport und ich habe nach wie vor auch diese einfachen Abgleiter, so am Abend auf dem Hausberg bei uns auf dem Schöckllauf und einfach nur runtergleiten, ist nach wie vor was, das ich unglaublich gerne mache. Das so wirklich eine richtige Erfüllung für mich ist, wenn ich da drauflaufen kann und dann rum auspacken und das auch schnell auspacken und weil, ah, Sonnenuntergang im Wald und das

1:33:07Simon Oberrauner

ist nach wie vor für mich ein Wunderwunderschön. Und deswegen, also das ganze Paragleiten hat mir vor allem gelehrt, Vertrauen,

1:33:21Simon Oberrauner

zu haben und den Mut, seinen

1:33:26Simon Oberrauner

Weg oder sagen wir, seine Linie zu gehen oder den einfach zu finden und beim Paragleiten das hat mir, das war total unsicher am Anfang zu sagen, okay, ich entscheide mich jetzt da fürs Paragleiten, also es ging dir jetzt alles so einfach und dann, ja okay, dann habe ich einfach Paragleiten gemacht. Da kommen natürlich ganz viele Sachen und auch so Existenzängste und kann ich da irgendwie einmal davon leben? Oder ist das jetzt alles totaler Blödsinn und im Endeffekt ist es totaler Blödsinn, da zu sehr in dieses Denken reinzukommen, sondern wenn man was findet, das man wirklich gerne hat und dann darf man das verfolgen und dann soll man das verfolgen und dann wird sich meistens auch ein Weg ergeben, wie man das gut machen kann und

1:34:16Simon Oberrauner

deswegen sage ich, okay, wenn man irgendwas findet, eine Leidenschaft, unbedingt verfolgen. Das ist, glaube ich, eines der wichtigsten Sachen, die ich gelernt habe durchs Paragleiten.

1:34:25Lucian Haas

Ist ein sehr schönes Schlusswort. Aber eine Frage habe ich noch. Warst du des Fliegens auch schon mal überdrüssig?

1:34:41Simon Oberrauner

Ja, so nach den X -Hubs ist es so, dass man eigentlich einmal eine Zeit lang wirklich sagt, okay, das war jetzt so intensiv, das war auch zehrend, dass man richtig merkt, jetzt ist es gerade einfach zu viel. Ich will gar nicht fliegen. Dann will ich auf dem Rennrad sitzen und ich habe gerade eine Woche Urlaub in Südfrankreich gemacht, wo der Fabi Puhl 300 Kilometer FAI geflogen ist. Ich bin am Rennrad im Galipier -Bas raufgefahren und dann habe ich gedacht, das taugt mir gerade viel mehr. Und jetzt kommt gerade wieder voll dieses, war irgendwie wieder fliegen.

1:35:26Simon Oberrauner

Also es kommt gerade wieder voll. Und ich glaube, dem muss man dann eben auch den Raum geben, dass, wenn das so kommt, okay, jetzt ist zu viel, dann darf man das nicht so überfordern. Also jetzt, wie der Lars zum Beispiel gleich direkt unter Kriegel die Eiger -Tour draufgemacht haben, hätte ich nicht so wirklich Lust gehabt drauf, muss ich ehrlich sagen. Gut, Simon.

1:35:49Lucian Haas

Vielen, vielen Dank für mittlerweile auch einer der fast längsten Podcasts, die ich aufgenommen habe. Es ist nicht der längste, aber einer der längeren geworden. Aber super, super interessant. Vielen, vielen Dank für deine Erzählung. Ich glaube, da werden einige die ein und andere Idee und Anknüpfungspunkt für sich finden, wo sie sagen, in die Richtung kann ich mal weiterdenken oder ach, das verstehe ich jetzt ein bisschen besser oder so hat er das erlebt. Also vielen, vielen Dank. Ganz toll auch erzählt. Bitte, sehr gerne. Flieg weiter so und ich, alle werden, glaube ich, begeistert auch weiterverfolgen, wenn du bei den nächsten X -Alpen bist. Ich glaube, mittlerweile von so vielen habe ich gehört, die sagen immer Geheimfavorit oder meinen, wo sie alle sich auch mal wünschen, dass er gewinnen würde, wer glaube ich du? Ich glaube, da würden alle sagen, ja, der hat es jetzt endlich auch mal verdient. Von daher, ich bin mal gespannt, ob du in zwei Jahren wieder teilnimmst.

1:36:36Lucian Haas

Ich gehe mal davon aus und dann drücken wir alle zusammen die Daumen.

1:36:40Simon Oberrauner

Vielen, vielen Dank, Lucien. Und ich muss auch wirklich an der Stelle sagen, wunderschön ist die Fragen, Stellungen und genial. Und das ist ein sehr, sehr cooler Podcast. Vielen, vielen Dank für die gute Vorbereitung auch von dir. Das merkt man richtig. Die Fragen waren genial. Und das ermöglicht natürlich dann auch ein ganz anderes Erzählen. Und vielen Dank dafür.

1:37:10Lucian Haas

Das war Simon Oberrauner. Wenn dir die Episode gefallen hat und du noch mehr interessante Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens hören willst, dann werde doch zum Förderer von Podz-Glidz und dem Gleitschirm-Blog Looglights. Auf looglights.blogspot.com gibt es die Seite Fördern. Dort findest du alle nötigen Infos und Links, um mir finanziell unter die Arme zu greifen. Denn als freier Journalist ist stecke ich viel Zeit, Arbeit und auch Kosten in diese Projekte. Damit ich das weiterhin so professionell, werbefrei und unabhängig tun kann, brauche ich deine Unterstützung. Welchen Betrag als Förderer du gibst, kannst du frei wählen. Falls du dir unsicher bist und eine Anregung brauchst, mein unverbindlicher Vorschlag ist 60 Euro im Jahr.

1:37:55Lucian Haas

Allen Förderern sage ich Danke. Bis bald. Bleib gesund und genieß die Freiheit. Ciao. Euer Lucian.

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