Ich denke, als ich für das erste Mal in Brasilien gegangen bin, hatte ich keine Ziele, also Kilometerziele. Ich habe einfach alle Thermik genommen und bin langsam geflogen. Und dieses Jahr, ich hatte dieses Traum von 500 Kilometern und ich bin viele Flüge viel zu schnell geflogen. Und manchmal auch die Thermik, die ich getroffen habe, habe ich gesagt, nee, ich nehme sie nicht, ist nicht so gut. Und dann war ich auch ziemlich schnell am Boden.
Podz-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast.
Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens.
Heute mit Serena Ronchi. Und ich bin Lucian Haas.
Wer in den vergangenen Jahren die Streckenflugwertungen der Schweizer und der internationalen Online -Contests verfolgt hat, dem dürfte dieser Name nicht entgangen sein. Serena Ronchi. Die 32 -jährige Franco -Schweizerin hat in den vergangenen drei Jahren nicht nur durchgängig die Frauenwertung in der Schweizer Meisterschaft in der Sportklasse gewonnen, sondern auch jeweils die Frauenwertung international. Die Saison 2025 des World XC Online Contests der FAI beendete sie sogar in der Serien - und Sportklasse auf Platz 1. Overall wohlgemerkt. Die meisten ihrer richtig weiten Streckenflüge macht Serena in Brasilien. Über dem trockenen Sertão im Nordosten des Landes. Seit fünf Jahren fährt sie regelmäßig im europäischen Herbst dorthin, um möglichst jeden fliegbaren Tag so früh wie möglich zu starten und so spät wie möglich zu landen.
Wenn ihr das gelingt, sind weite Strecken garantiert. In dieser Episode 174 von Podz-Glidz erzählt Serena Ronchi sowohl von dieser Passion als auch von deren Schattenseiten. 2021 hatte sie einen schweren Unfall. Danach war es monatelang nicht klar, ob sie überhaupt jemals wieder fliegen können würde. Und als sie dann doch endlich in die Luft kam, wurde Angst zu ihrem bremsenden Begleiter. Wie sie sich aus diesem Tief herausgekämpft hat, auch darum geht es hier im Podcast.
Solche besonderen Gespräche kann ich dir in Podz-Glidz übrigens nur präsentieren, weil es Förderer gibt, die meine Arbeit an Podcast und Blog finanziell unterstützen. Sei auch du mit dabei. Alle nötigen Infos dazu findest du im Gleitschirm-Blog Nugleits und zwar dort auf der Seite Fördern.
Serena, wie ist es im brasilianischen Sertão nach einem langen Flug zu landen, wenn die Sonne schon untergegangen ist?
Also man muss wirklich sehr schnell sein, weil in ungefähr 15 Minuten, wenn die Sonne untergegangen ist, ist es dunkel. Und man braucht eine lange Zeit. Man braucht eine Lampe, weil wenn man das Gleitschirm packt, ist es schon sehr dunkel. Und man muss eine Lampe haben, um zu wissen, wo man ist, weil manchmal landet man nirgendwo.
Und wie findet man, auch wenn man eine Lampe hat, aus dem Nirgendwo im Sertão wieder raus, wenn es wirklich schon dunkel ist? Und wie findet man dann den Fahrer wieder, der einen wieder zurückfährt und so weiter?
Ja, also ich hatte ein kleines Abenteuer. Vor ein paar Tagen, weil ich war in Brasilien und ich bin nach dem Sonnenuntergang gelandet. Und ich dachte, ich lande neben einem Weg, wo das Auto kommen kann. Und ich habe diesen Weg gefolgt in der Luft und bin neben diesem Weg gelandet. Dann habe ich alles gepackt. Es war schon dunkel. Und dann bin ich auf diesem Weg gelaufen. Und dann habe ich gemerkt, oje, das ist nur Sand. Das Auto kann dort nicht kommen. Und dann habe ich angefangen zu laufen, zu laufen, zu laufen in diesem Sand, in dieser Dunkelheit.
Das hat ein bisschen Angst gemacht, aber eigentlich, ich mag Abenteuer und das hat mir Spaß gemacht.
Gibt es da keine wilden Tiere oder sowas?
Ja, es gibt wilde Tiere. Und das habe ich gemerkt. Und das habe ich später gelernt, weil da, wo ich war, gab es Puma.
Also eigentlich sollte man dort nach dem Sonnenuntergang nicht mehr unterwegs sein, heißt es dann, oder?
Oder neben einer Stadt landen. Aber da in diesem Busch, in diesem Dschungel, ist es nicht empfohlen, dort zu landen in der Nacht.
Wie bist du dann dort wieder rausgekommen? Nur gelaufen?
Also ich bin vielleicht 45 Minuten gelaufen. Und dann habe ich drei Jungen getroffen, die waren da auf diesem Weg mit einem Motorrad. Und sie haben mir gesagt, ah, jemand kommt für dich, dich abholen. Und ich habe gesagt, ja, aber das Auto kommt nicht hier. Und sie haben gesagt, ja, aber jemand kommt mit deinem Motorrad. Und dann ist mein Fahrer gekommen mit einem Motorrad. Und noch einen anderen Mann mit einem anderen Motorrad. Und dann haben wir das Gepäck auf diesem Motorrad getan. Und ich war hinter dem anderen Mann. Und wir sind da im Sand auf dem Motorrad gefahren.
Und das war viel mehr Adrenalin als der Flug. Weil sie fahren wie Wilde da in diesem Sand mit dem Motorrad.
Und ja, ich bin da. Und ich war vielleicht acht Kilometer von einem kleinen Dorf entfernt. Und wenn er nicht mit diesem Motorrad gekommen wäre, dann hätte ich viel mehr laufen sollen.
Aber du wusstest, dass dort ein Dorf noch kommt. Also du hättest auch gewusst, in welche Richtung du laufen musst, um diese acht Kilometer bis zu dem Dorf zu schaffen.
Ja, genau. Ja, man muss wirklich schauen, bevor man landet, wo ist der Weg. Weil manchmal gibt es Kilometer und Kilometer von nur Bäumen und keinem Weg. Manchmal gibt es viel zu laufen.
Und das mit der Lampe, du wusstest, dass man da auf jeden Fall eine Lampe mitnehmen sollte.
Ja, genau, weil die Sonne, es wird sehr schnell dunkel, ja.
Dunkel heißt, du bist, um wie viel Uhr ist das dann? 18 Uhr? Geht da die Sonne unter und da muss man gerade gelandet sein? Oder wann ist das etwa? Ja,
es kommt darauf an, wo man ist. Aber ungefähr 18 Uhr geht die Sonne runter, ja.
Und wann bist du gestartet an diesem Tag?
Halb acht ungefähr.
Halb acht. Also mehr als zehn Stunden geflogen, im Dunkeln gelandet, um dann durch den Sand dort wieder rauszukommen. Wie weit war der Flug?
Das war 470 Kilometer.
Oh, wow. War das dein bisher weitester Flug?
Ja, genau. Ich war letztes Jahr 469 Kilometer. Ich bin dann 66 geflogen und dieses Jahr drei Kilometer mehr.
Also 472. Ja. Brasilien, viele streben ja immer so nach den 500 Kilometern dort. Ist das auch eigentlich dein Ziel gewesen, einmal 500 Kilometer zu fliegen?
Ja, das ist schon ein Traum. Und ich weiß, dass es möglich ist mit einem C -Schirm, weil ich fliege einen C -Schirm. Letztes Jahr sind die ersten zwei Czechs, Standa und Hugo, 500 Kilometer geflogen. Und dieses Jahr ist Andra mit auch einem C -Schirm 500 Kilometer geflogen. Ich würde es toll finden, auch das zu machen. Aber es braucht viel Training, weil es ist gar nicht einfach, in Brasilien viele Kilometer zu machen.
Flachland dort zu fliegen.
Ist ziemlich ein Mental -Game, weil man startet sehr früh. Manchmal landet man nach 30 Kilometern und dann kann man nicht mehr starten, weil es ist zu spät. Und man muss zurück ins Hotel.
Manchmal, man fliegt von Wolke zu Wolke und man denkt, wow, es ist ein geiler Tag. Aber fünf Minuten später liegt man schon am Boden, weil man nicht seine Thermik genommen hat. Ja, es ist... Ein Spiel, Thermik viel Spaß macht. Aber manchmal ist es auch nicht einfach.
Nun fährst du ja seit Jahren immer wieder nach Brasilien. Also ich glaube 2021 oder so warst du das erste Mal dort. Was zieht dich da immer wieder hin? Also warum gerade Brasilien? Warum immer dieses trockene Serdao und immer dieser Drang, dort so weit zu fliegen? Was ist das Faszinierende für dich daran? Also
ich liebe dort die Leute. Sie sind so offen und sie sind immer bereit zu helfen. Also wenn man landet...
Aber für die Leute müsstest du ja nicht in die Luft gehen. Wenn du sagst, ich liebe die Leute, dann kannst du auch unten rumlaufen und sagen, hier, ich begegne ständig den Leuten. Also warum fliegen?
Ja, weil für das Fliegen, ich finde es geil, mit dem Wind zu fliegen.
Und so früh wie möglich. Und so früh zu starten und zu wissen, dass man jeden Tag fliegen kann. Man muss nur die Windrichtung schauen, aber man weiß, dass es jeden Tag fliegbar ist. Und man hat auch ziemlich viele schöne Abenteuer, wenn man irgendwo landet und Leute trifft. Ich finde es auch so schön, wenn es dort Wolken gibt. Es kann manchmal Wolkenstraßen geben für Kilometer und Kilometer. Und man fliegt bis... Bis 3003 Meter hoch. Ja, am Ende des Tages ist es unglaublich zu sehen, das Sonnenuntergang und dieses Licht.
Es ist ja wie magisch, wenn man den ganzen Tag dort fliegt. Schon unglaublich. Und im Oktober, man kann schon gut in Europa fliegen manchmal. Aber eigentlich ist die Saison ein bisschen fertig schon in Europa.
Du hast in diesem Jahr auf einem WhatsApp -Channel so ein bisschen immer beschrieben, was du dort erlebst. Und immer von deinen Flügen beschrieben. Und ich habe den auch nicht in dem Moment verfolgt, als du da warst, aber nachgelesen. Ich habe dann den Link dazu bekommen, habe gesagt, ich lese mir das auch als Vorbereitung für dieses Gespräch, lese mir das so ein bisschen durch. Und eigentlich die weiten Flüge, die du gemacht hast, es gab ja zwei über 470 Kilometer, die waren erst ganz am Ende. Okay. Und davor war es immer so, also eigentlich ganz viele Tage, wo es immer war, ja, ich bin ganz früh gestartet und sowas. Aber dann war es schon nach zwei Stunden wieder zu Ende. Und ich stand schon wieder auf dem Boden oder nach drei Stunden und sonst irgendwas. Genau. Dann steht man da irgendwo im brasilianischen Nowhere. Okay, du hast einen Fahrer, der holt dich ab.
Aber was macht man dann den Rest des Tages?
Ja, das ist eine gute Frage. Ich denke, es kommt darauf an, wie man dort in Brasilien. Also. Ich weiß nicht, wie ich das erklären kann.
Also ich kenne schon ziemlich viele Leute dort und spreche auch Portugiesisch. Und ich habe das Glück, mit Freunden die Zeit zu genießen. Also man kann schon baden gehen in so einem See oder einem Fluss. Man kann auch Churrasco machen. Das ist so eine Grill. Mhm. Und man kann sonst nicht viel machen, weil es ist ziemlich heiß. Und es ist so 35 Grad am Tag und man hat keine Lust, irgendwo wandern zu gehen, weil es ist viel zu warm. Also einfach im Schwimmbad zu sein und zu sprechen mit anderen Leuten oder im See baden, ist das eigentlich, was man macht.
Sonst kann man lesen. Und die Wolken schauen. Aber das möchte man vielleicht auch nicht.
Wenn du da immer, nicht immer, aber häufiger in diesem Jahr immer abgestanden bist und früh gelandet bist, bist du jemand, der sich dann ärgert?
Eigentlich nicht. Aber ich hatte schon zwei Flüge, wo nach der Landung, ich habe mich wirklich genervt. Weil ich hatte nicht verstanden, warum ich jetzt komme. Warum ich gelandet bin und warum ich so viele kleine Flüge mache. Das war ein bisschen schwierig. Aber sonst sage ich mir, es gibt noch morgen. Ich kann noch morgen fliegen. Und eigentlich das Wichtigste ist, gut zu starten, gut zu landen. Und ich habe das ganze Leben, um Fliegen zu genießen.
Aber ja, wenn man nach zehn Flügen immer früh landet, dann hat es mich einmal genervt. Und ja, ich musste ein bisschen schreien nach der Landung und die Emotionen weglassen. Und dann war es wieder okay. Aber ich denke, es ist auch wichtig, diese Emotionen ein bisschen zu fühlen. Und damit sie dann weggehen und man nicht mehr traurig ist oder wütend.
Das heißt, Serena läuft schreiend durch den Busch. Dauert das eine Minute oder zehn Minuten?
Es kommt drauf an. Ich denke, so fünf Minuten. Und dann ist es vorbei.
Und dann sagst du, ach, der Tag ist trotzdem schön. Der Himmel ist blau. Die Wolken sind weiß.
Genau. Und
mein Fahrer holt mich gleich irgendwann ab. Genau.
Im vergangenen Jahr, also in der vergangenen Saison, das ist zwar noch die Saison 2025, aber da zählen ja diese Flüge, die du jetzt gemacht hast, diese 470 Kilometer nicht dazu. Aber davor hast du auch schon im vergangenen Jahr oder im vergangenen Jahr in Brasilien war das, hast du eine ganze Reihe von sehr weiten Flügen gemacht. Nicht nur über 400 Kilometer, auch eine ganze Reihe über das Land. Über 300 Kilometer. Und hast damit beim XContest die Frauenwertung gewonnen. Und bei dem World, von der FAI, dem WXC, World Cross Country Online XContest, da stehst du sogar in der Serienklasse, in der Sportklasse und in der Frauenwertung ganz oben. Ist das für dich wichtig? Also gibt dir das irgendwie was? Oder schaust du auf sowas eigentlich gar nicht?
Das ist eine gute Frage.
Also es freut mich, diesen Wettbewerb zu haben. Aber für mich das Wichtigste ist ja, keinen Unfall zu haben und das Leben lang zu fliegen zu können. Weil ja, ich hatte schon einen ziemlich schweren Unfall vor vier Jahren. Und da dachte ich vielleicht, ich höre auf mit Gleitschirmfliegen. Weil es war ja mental ziemlich schwierig. Die Heilung und das Anfangen mit Fliegen. Und jetzt denke ich einfach, ja, ich möchte einfach das Leben lang fliegen.
Über diesen Unfall möchte ich gleich noch ein bisschen näher mit dir sprechen. Jetzt erstmal nochmal an diesem XContest bleiben oder sowas. Wenn du sagst, du willst eigentlich für dich viel fliegen. Und auch weit fliegen. Und dann ist vielleicht dieses Ergebnis im XContest oder in welchem XContest auch immer, ist dann quasi der Nebeneffekt, der sich daraus ergibt. Aber stolz bist du schon darauf?
Ja, ich bin schon stolz.
Aber es ist nicht so, dass du startest und mal im Kopf hast, oder gab es das schon mal, dass du gestartet bist und gesagt hast, ich müsste jetzt noch einen 450 -Kilometer -Flug machen. Dann weiß ich, dann stehe ich in der XContest -Wertung noch einen Platz weiter. Oder der vorne oder sowas. Also schaust du in sowas rein, auch in der Saison? Oder ist das nur was, wo du am Ende sagst, oh schau mal, ich stehe ganz vorne?
Ich denke so Mitte der Saison. Ich schaue schon, um zu wissen, ob ich vielleicht einen Tag mehr frei nehmen soll, um einen großen Flug zu machen. Aber ja, ich denke ja so Mitte der Saison. Ich schaue mal.
Also das heißt, ehrgeizig bist du auch schon ein bisschen?
Ein bisschen schon. Aber ich schaue, wie kann ich das sagen? Ja, ich habe eigentlich Spaß, sehr früh zu starten und versuche, den ganzen Tag zu optimieren.
Am frühesten zu starten und am spätesten zu landen.
Und versuche auch, schnell zu fliegen. Aber weil es mir Spaß macht. Ich würde nicht schnell fliegen in Bedingungen, die turbulent sind. Oder wenn man den Speedbar pusht. Ja, in turbulenter Luft. Also ich habe damit keinen Spaß. Ich muss schon Spaß haben und ich würde nicht in schlechten Bedingungen fliegen.
Was reizt dich daran, zu sagen, ich möchte so lange fliegen wie möglich an einem Tag?
Für mich ist es wie ein Spiel.
Ich sehe das wie ein Spiel. Also am frühesten zu starten und am spätesten zu landen. Für mich ist es, ich weiß nicht, wie ich das aussprechen kann.
Ich muss denken.
Lassen wir es so stehen. Es ist ein Spiel für dich und das reizt dich dann daran. Was war denn dein bisher, ich meine, deine späteste Landung? Haben wir jetzt schon gewusst? 18 Uhr und ein bisschen und dann war es schon dunkel. Was war denn dein frühester Start, bei dem du oben geblieben bist? Also bei dem du es geschafft hast, auch thermischen Anschluss zu bekommen?
6.45 Uhr in Brasilien.
Oh wow. In Kaiko. Das geht dann schon. Also da geht es auch schon thermisch, dass man dort wirklich aufdrehen kann.
Ja. Ich denke, es gab schon einen Start so ein Viertel nach sechs.
Mit Anschluss?
Ja.
Warum geht das?
Warum geht das thermisch so früh in Brasilien? Ich meine, das sind ja jetzt keine, das ist ja Flachland auch da, wo ihr startet, Kaiko, glaube ich. Das ist jetzt nicht, wo man sagt, die Ostsonne, die gerade aufgegangen ist, die strahlt dann auf den einen Osthang und erwärmt den, sondern es ist ja eigentlich Flachland. Warum funktioniert das schon so, so früh?
Ich denke, der Sonnenaufgang ist so um halb fünf. Also es hat schon Zeit zu wärmen.
Und das ist sehr labil. Aber
das heißt, um sieben steht die Sonne nicht knapp über dem Horizont, sondern steht sogar schon relativ hoch?
Ja, schon. Es ist schon warm um sieben. Man spürt schon gut die Sonne.
Aber die stärkste Thermikzeit ist schon wie üblich bei uns auch um die Mittagszeit. Früh Nachmittag.
Nicht unbedingt. Ich denke, es ist so um 14 Uhr. Und man kann schon auch sehr starke Thermik um zehn. Haben so fünf Meter pro Sekunde schon um zehn. Und um Mittag gibt es oft eine Mittagspause mit der Thermik. Also die Thermik ist ein bisschen schwächer. Es ist schwieriger, hochzukommen. Ich weiß nicht genau, warum. Aber oft ist es schon halb zwölf bis halb zwei ein bisschen schwieriger, hochzukommen.
Also es könnte damit zusammenhängen, das ist eine Theorie von mir, gerade auch in so trockenen Gebieten wie im Cerdao oder sowas. Sehr viel von der Thermik hängt ja auch von der Feuchtigkeit ab, die in die Thermik mit aufsteigt, dass es gut aufsteigen kann. Und Pflanzen haben auch einen Tagesgang, wann sie ihre Spaltöffnung der Blätter öffnen und wann sie sie schließen. Und wenn es zu heiß ist, dann machen die die Spaltöffnung zu und lassen damit weniger Feuchtigkeit in die Luft. Und erst nach einer Weile, wenn sie sagen, ich muss jetzt mal wieder Luft holen, dann machen sie die Spaltöffnung wieder auf. Und dann kommt auch wieder mehr Feuchtigkeit in die Luft. Dadurch kannst du auch so einen Feuchtigkeitsgang im Tag haben, in Bodennähe, wo die Pflanzen halt mehr ausdünsten oder weniger ausdünsten.
Ich weiß nicht, ob das in Brasilien der Fall ist, aber das könnte durchaus der Fall sein, dass da diese trockenen Pflanzen daran angepasst sind, zu sagen, in der stärksten Sonnenhitze mache ich meine Spaltöffnung zu, gebe keine Feuchtigkeit ab und dadurch ist halt die Thermik, die unten rauskommt, verliert etwas an Feuchtigkeit und wenn es nicht so viel Feuchtigkeit hat, kann sie nicht so weit aufsteigen und zieht halt oben raus nicht so gut durch und formt halt auch keine Wolken mehr. Vielleicht trocknet es auch deswegen manchmal mittags da ab und
erst am
Nachmittag kommen die Wolken dann wieder.
Das ist sehr spannend, ja. Könnte eine Möglichkeit sein.
Kannst ja für die nächsten Brasilien -Flüge mal im Hinterkopf behalten oder gucken, ob sowas ist. Mhm.
Lass uns ein bisschen mal in deiner Fliegerkarriere zurückgucken. Wann hast du eigentlich angefangen zu fliegen?
In 2018.
Wie alt warst du da? 25. Warum hast du da angefangen, also was hat dich gereizt?
Ich hatte einen Tandemflug gemacht, als ich jünger war, so 18, und das war für mich ein unglaubliches Erlebnis. Diese Freiheit.
Dieses Fliegengefühl zu haben. Mhm. Und ich habe nicht gedacht, das ist etwas, das ich machen kann. Ich dachte, das ist sehr schwierig zu fliegen. Eines Tages, ja, ich war 25, ich habe einen Via Ferrata -Klettersteig gemacht. Und da habe ich zwei Männer getroffen, die runtergeflogen sind nach diesem Klettersteig. Und eigentlich, ich hasse es, runterzulaufen. Und ich habe gedacht, wow, das ist so geil. Runterzufliegen nach einem Klettersteig. Und dann habe ich eine Flugschule angerufen und mit dem Fluglehrer gesprochen und habe dann ziemlich schnell angefangen zu fliegen.
War das, als du da deinen ersten Solo -Flug gemacht hast, war das so ein Flash, dass du gesagt hast, das ist jetzt mein Leben?
Ja, total. Total. Ich war noch in der Schule. Und ich wusste, ich möchte dieses Tandem -Pröve machen, weil ich wollte meine Freude zeigen, wie schön es ist zu fliegen.
Also in der Flugschule, du hast gerade gelernt, da hast du schon gesagt, ich möchte Tandem -Pilotin werden.
Ah ja. Ich hatte vielleicht 20 Flüge gemacht und wusste schon, ich wollte dieses Tandem -Pröve machen. Und dann musste ich zwei Jahre warten, weil die Regeln haben sich geändert, als ich angefangen habe zu fliegen. Man musste nicht mehr ein Jahr warten, aber jetzt zwei Jahre warten, um das Tandem anzufangen. Das war ziemlich lange für mich.
Aber du hast, ich meine, zwei Jahre, in diesen zwei Jahren hast du auch ungeheuer schnell Fortschritte gemacht, also sehr schnelle Erfolge gefeiert. Wenn ich das richtig gesehen habe, schon zwei Jahre später, also 2020, bist du in der Schweiz eine ganze Reihe von Hundertern und mehr als 100 Kilometer geflogen. Und alles mit einem ENB -Schirm. Wie kam es, dass du so schnell Fortschritte gemacht hast? Bist du so viel fliegen gegangen immer?
Ich denke, ich hatte das Glück, die richtigen Leute zu treffen, die mich motiviert haben, in die Schweizer Liga reinzukommen, wo ich da Trainings machen konnte mit vielen, vielen guten Piloten. Und dann habe ich auch Piloten von einem Club getroffen als Freeride. Und die Piloten dort, sie sind mega gut. Und ich konnte auch gute Hinweise kriegen von denen und schauen, wie sie das machen, so den ganzen Tag zu fliegen und gute Startplätze zu wählen und das Wetter zu analysieren. Und das hat mir sehr geholfen.
Das
heißt, du hast das richtig aufgenommen? Ja. Du hast aufgesogen, was die dir alles geboten haben? Ja. Gibt es irgendeinen Piloten oder eine Pilotin, von denen du sagen würdest, das war so dein Vorbild damals oder ein Mentor?
Viele.
Also, als ich angefangen habe, war Reynald Mumenteiler, Marta Müller und Sebi Benz, Dominique Rohner, Rico. Das waren alle Vorbilder für mich. Ja, ich war auch viel mit denen unterwegs. Und ich habe mega, mega viel von denen gelernt.
Hast du dann auch die als Vorbild genommen, dafür, dass du das erste Mal nach Brasilien gegangen bist? Weil ich meine, ich glaube, die ganzen Namen, die du jetzt genannt hast, die habe ich alle auch schon in Verbindung mit weiten Flügen in Brasilien gelesen oder fast alle von diesen Namen.
Ja. Also, eigentlich wollte ich ein paar Monate frei fliegen. Ich wollte ein paar Monate frei nehmen in 2020, um zu fliegen. Und ich wollte anfangen, aggro zu fliegen. Ich wollte in der Türkei. Und dann habe ich erfahren, dass Dominique Rohner nach Brasilien geht und dort fliegen und kiten wird. Und dann habe ich gefragt, ob ich mit Dominique das Fliegen in Brasilien kennenlernen kann. Und dann hat er gesagt, ja, du kannst kommen. Und so habe ich angefangen, in Brasilien zu fliegen.
Und das war ein Erlebnis, das wunderschön war.
Aber du bist ja dann, wenn ich es richtig verfolgt habe, gleich vier Monate, glaube ich, in Brasilien geblieben.
Genau. Also
viel länger als jeder andere Schweizer Pilot, der sagt, ich will jetzt unbedingt mal weit in Brasilien fliegen. Die sind dann vielleicht zwei, drei Wochen dort. Du gleich vier Monate. Was hat dich dazu getrieben, gleich vier Monate in Brasilien zu bleiben? Und im Grunde ständig fliegen zu gehen?
Ja, es war auch die Covid -Zeit und eigentlich wollte ich auch nach Kolumbien. Aber die Grenzen haben sich geschlossen für die Brasilianer. Und dann bin ich in Brasilien geblieben und bin geflogen, gekitet. Und das war einfach eine große Freiheit, weil dort waren die Leute mehr frei und man musste nicht immer diese Maske tragen. Und das für mich war ein perfekter Ort, um die Zeit zu genießen.
Das heißt, du hattest die aber auch von zu Hause freigenommen bzw. du hast Urlaub genommen, um überhaupt so lange, also ein Sabbatjahr oder sowas gemacht, dass du überhaupt so lange dort unterwegs sein kannst. Genau. Wie ist das als Frau in Brasilien, so lange da teilweise alleine rumzureisen wahrscheinlich?
Es ist kein Problem. Wirklich. Ja. Also ich würde nicht in Fortaleza, in dieser Hauptstadt, am Abend alleine unterwegs sein. Aber in Satau, in diesen kleinen Dörfern oder kleinen Städten ist das gar kein Problem. Die Leute sind immer sehr bereit zu helfen und sie öffnen die Tür und man fühlt sich wirklich sehr gut dort.
Konntest du denn schon Portugiesisch, als du dahin gefahren bist? Oder hast du das dann erst in diesen vier Monaten in Brasilien dann letzten Endes gelernt?
Nein, ich konnte ein bisschen Spanisch. Ich habe angefangen, ein bisschen Spanisch zu sprechen. Und dann habe ich sehr schnell angefangen, Portugiesisch zu lernen mit Apps und mit Leuten dort zu reden. Und das ging ziemlich schnell dann.
Nun bist du in diesen vier Monaten in Brasilien ja auch von unterschiedlichsten Orten gekommen. Oder bist du auch so ein bisschen, wahrscheinlich wie die Saison sich so entwickelt, dann auch zu verschiedenen Orten gefahren? Wenn du jetzt sagen würdest, wenn jetzt einer fragt, Serena, wenn ich will mal nach Brasilien, wo soll ich denn am besten hin, um so als Einsteiger erstmals in Brasilien zu fliegen? Was würdest du da empfehlen?
Also ich habe viele Strukturen kennengelernt dieses Jahr. In der SU. Es gibt viele neue Strukturen. Ja, Strukturen, die die Winden und Retrieve vorschlagen.
Also Winde und Rückholer. Also die ist insgesamt so organisiert, dass du das buchen kannst. Du wirst hochgezogen und wirst auch wieder abgeholt, wenn du irgendwo gelandet bist.
Ja, genau. Und ich würde empfehlen, für Leute, die noch nie dort waren, mit Fly with Andy dort zu gehen in Kaiko. Er bietet eine Woche bis drei Wochen. Winden und Rückfahrt und Briefing. Und er macht das wirklich sehr gut, weil jeden Morgen gibt es ein Briefing am Startplatz. Und die Organisation, die Logistik ist wirklich super. Für Leute, die noch nie dort geflogen sind, würde ich mit ihm fliegen. Weil er hat auch einen Startplatz, der nur zehn Minuten entfernt ist vom Hotel. Ja. Und ich denke, Kaiko ist einer der besten Orte in Brasilien, um lange Streckenflüge zu machen.
Und gibt es auch Ecken, wo du sagen würdest, wenn jemand nicht lange Streckenflüge machen will, also nicht einfach sich nur mit dem Wind weit über Sertão verblasen will, wo du sagst, wenn man lokal vielleicht ein bisschen größere Runde fliegen will, gibt es irgendeinen Ort, wo man noch sagen kann, da lohnt es sich? Muss ja vielleicht auch kein Winden -Startplatz sein.
Ja. Also es gibt einen Startplatz in Quijada. Der ist sehr berühmt. Aber dort kann der Wind ziemlich stark sein. Also manchmal bis 60 Kilometer pro Stunde. Oh wow. Und das kann sehr gefährlich sein. Und im Oktober ist es schon ziemlich windig. Also für jemanden, der Brasilien kennenlernen möchte, ich würde empfehlen, im November oder Dezember in Quijada zu gehen. Und da gibt es viele, viele Piloten, die können helfen für die Rückfahrt. Die würden sich freuen, Piloten holen zu gehen und dem Startplatz zu helfen und gute Hinweise zu geben.
In dieser ersten Brasiliensaison, die du da gemacht hast, wo du vier Monate vor Ort warst, wenn man das aufs ganze Jahr rechnet, bist du, glaube ich, auf 10.000 Streckenkilometer gekommen. Oder fast 10.000. Irgend so was habe ich irgendwo gelesen. Ist das eine Zahl, die für dich auch irgendeine Relevanz hat? Oder hast du dich selber gewundert, als du alles aufradiert hast? Wow, das ist ja schon mal ein Viertel um die Erde geflogen.
Ja, genau. Ich dachte, wow, das ist viel. Aber ich dachte nie, dass es so viel ist. Und ich habe eigentlich gar nicht darauf geachtet. Aber ja, in Brasilien kann man schon ziemlich schnell Kilometer machen. Manchmal kann man eine Thermik drehen. Manchmal kann man eine Thermik drehen für zehn Kilometern.
Weil man durch den Wind zu stark versetzt wird, meinst du?
Ja, genau.
In diesem ersten Jahr hast du auch schon eine ganze Reihe weite Flüge gemacht und auch teilweise deutlich weiter als die Flüge, die du in diesem Jahr teilweise gemacht hast, obwohl du jetzt viel mehr Erfahrung hast. Wovon hängt das ab, dass es so Tage gibt, wo du sagst, da funktioniert alles? Und es gibt Tage, wo du sagst, selbst ich, jetzt viel erfahrener Brasilienfliegerin, schaffe es trotzdem nicht, oben zu bleiben.
Ich denke, als ich für das erste Mal in Brasilien gegangen bin, hatte ich keine Ziele, also Kilometerziele. Ich habe einfach alle Thermik genommen und bin langsam geflogen. Und dieses Jahr, ich hatte diesen Traum von 500 Kilometern. Und ich bin viele Flüge viel zu schnell geflogen. Und manchmal auch nicht. Auch die Thermik, die ich getroffen habe, habe ich gesagt, nee, ich nehme sie nicht, die ist nicht so gut. Und dann war ich auch ziemlich schnell am Boden.
Also so der Klassiker, wie man einem Anfänger sagt, wenn du eine Thermik hast, dann bleib erstmal drin und kurbel diese Thermik bis zum Ende aus. Wenn man aber 500 Kilometer fliegen will, dann musst du auch mal sagen, nein, es gibt auch eine 3 -Meter Thermik, die hat hier nur 1,5. Also ich muss jetzt schnell weiterfliegen, dass ich auf die 3 Meter pro Sekunde Thermik oder 5 Meter pro Sekunde Thermik komme. Damit es schneller geht. Genau. Mit dem Gegenpunkt, dass du dann auch irgendwann deutlich schneller am Boden stehen kannst. Ja.
Bei diesen Flügen, wo du dann diese 470 Kilometer geflogen bist, was war bei diesen Flügen dann plötzlich anders?
Also ich hatte das Glück, dass es Wolken hatte für ziemlich das ganze Tag und auch der Wind ziemlich stark war. Einer von diesen 2 Flügen hat mein Vario angesagt, dass ich 48 Wind hatte für vielleicht 5 oder 10 Minuten am Morgen. Und der Wind war fast konstant, 30 Kilometer pro Stunde den ganzen Tag. Und das hat auch geholfen, schnell zu fliegen.
Ist das so das Ideal, was man dort sucht, so ein 30 Kilometer Wind?
Wenn man weit fliegen möchte, ja. Ich denke 30 ist perfekt.
Weil dann auch die Thermiken noch nicht so zerrissen sind und man insgesamt gut vorankommt.
Ja. Aber ich denke auch mehr 35 bis 40 ist gut. Also sehr gut.
Nach dieser ersten Saison in Brasilien, wo du dann schon so weit geflogen bist, auch mit damals nur einem ENB Schirm noch, hast du dich da eigentlich so als die Königin der Lüfte gefühlt?
Nein. Nein, ich habe einfach mega genossen, mit diesen Wolken zu fliegen. Ich hatte keine richtigen Ziele. Ich wollte einfach nur fliegen.
Am Ende von dieser Saison kam dann aber dieser Unfall, von dem du vorhin schon gesprochen hast, der dann sehr, sehr viel in Frage gestellt hat. Was ist da eigentlich passiert?
Ich bin auf eine Bivouac -Tour gegangen. Für vier, fünf Tage. In Graubünden und Ticin, in der Schweiz. Und am letzten Tag, ich bin vielleicht drei Stunden geflogen und war ein bisschen müde und dachte, ja, ich gehe landen. Jetzt ist das, ich möchte gerne wieder zurück nach Hause. Und dann gab es ein Tal, wo es keinen Wind gab. Und ich bin über diesen Tal geflogen. Und dachte, ich wähle einen guten Landeplatz. Es war ein großes Feld mit Gras. Und als ich tiefer war, habe ich gesehen, ja, die Bäume, sie bewegen sich mega viel.
Aber es gibt keinen Wind in diesem Tal. Ich habe gedacht, ja, warum bewegen sich dort so viel die Bäume? Dann habe ich gedacht, ja, es ist sicher eine Thermik. Also ich war schon ziemlich tief. Und bin dort gelandet. Also wollte dort landen. Und ich hatte 20 Meter über dem Boden einen riesigen Zerstörer. Ich weiß nicht, was passiert ist. Weil ich hatte einen Blackout für, ich denke, fünf, zehn Sekunden. Ich weiß nicht genau. Weil ich erinnere mich nur, ich lande auf meinen zwei Beinen.
Und dann kamen Leute. Und ich habe gesagt zu diesen Leuten, ja, es gab einen Dust. Aber ich weiß nicht genau, was genau passiert ist.
Aber du gehst davon aus, wahrscheinlich ein Dust Devil, der sich dort vielleicht gelöst hat. Und der dich dann ordentlich beim Landeanflug durcheinandergewirbelt hat.
Ja, könnte sein, ja.
Du bist aber auf deinen Beinen gelandet, sagst du?
Auf meine zwei Beine, ja. Ich habe sofort gemerkt, das Bein ist kaputt. Rücken ist kaputt. Weil ich hatte viele Schmerzen. Und ja, dann musste ich zwei Wochen im Spital in Tessin sein. Und dann, ja, ich hatte zwei Wirbel im Rücken, die kaputt waren. Eine ziemlich heftig. Weil ich habe auch die Sensibilität von meinen Beinen. Meine Beine ein bisschen verloren.
Das Gefühl in den Beinen. Ja, das
Gefühl, genau. Ein Bein, ich hatte fast kein Gefühl mehr. Und ich konnte nicht mehr den Fuß bewegen.
Und ich habe das Schienbein und den kleinen Knochen noch gebrochen. Ich weiß nicht, wie das heißt.
Und ich habe mich viele Fragen gestellt. Vielleicht werde ich nicht mehr laufen können. Wenn ich meine Beine nicht mehr, also ein Bein nicht mehr fühle. Ich wurde operiert vom Rücken und Beinen. Und dann war ich ein paar Monate in einer Reha -Klinik im Wallis. Und dort habe ich wieder gelernt zu laufen.
Aber ja, es war ziemlich schwierig. Weil ziemlich viele Fragen, werde ich wieder laufen können oder nicht. Aber ich wusste, ich wollte wieder fliegen.
Obwohl dir das Fliegen im Grunde diesen Unfall, die Schmerzen und diese schlechte Aussicht erstmal eingebrockt hat gewissermaßen.
Ich dachte, ich werde nicht empfehlen, also die Freundin empfehlen zu fliegen. Weil ich hatte so Angst, dass jemand anderem sowas passiert. Aber ich wusste, ich möchte wieder fliegen. Vielleicht mit dem Rollstuhl. Und ja, es bringt mir Angst. Es ist einfach so viel, das Fliegen. Ich war nicht bereit aufzuhören.
Und nach acht Monaten konnte ich meinen ersten Flug wieder machen. Ich habe einen Tandem -Flug mit Kriegel gemacht. Weil ich konnte noch nicht rennen. Und Kriegel hat mir vorgeschlagen, einen Flug mit ihm zu machen. Und das war einer meiner schönsten Momente im Leben. Dieses Gefühl wieder. Zu leben, zu fliegen.
Es ist interessant, dass du sagst, zu leben, zu fliegen. Also für dich ist Fliegen Leben?
Für den Moment sehe ich mein Leben nicht ohne Fliegen. Weil es mir so viel bringt. Und so viel Freiheit. Und Freiheit.
Ja.
Wie hat dieser Unfall deine fliegerischen Vorstellungen, Ambitionen, Ziele, deine Einstellung zum Fliegen verändert?
Also, als ich wieder angefangen zu fliegen.
Als ich wieder angefangen zu fliegen.
Als
ich wieder angefangen habe zu fliegen. Aber jeder versteht es.
Als ich wieder angefangen habe zu fliegen. Da ist ziemlich schwierig. Weil ich hatte sehr viel Angst. Und ich wollte eigentlich wieder fliegen, wie ich geflogen war. Vor dem Unfall. Aber ich habe gemerkt, es geht nicht. Ich habe viel zu viel Angst.
Und ich habe angefangen im Jura wieder zu fliegen. Wo es ein bisschen einfacher ist. Also mental einfacher. Vielleicht auch ruhigere Bedingungen gibt. Aber ich wollte manchmal den ganzen Tag fliegen und es ging nicht. Weil ich hatte zu viel Angst vor den Turbulenzen. Und ich musste landen, weil ich hatte keinen Spaß. Ich hatte zu viel Angst. Das war ziemlich schwierig. Weil ich wollte eigentlich den ganzen Tag fliegen. Und einfach nur kleine Flüge zu machen, das hat mir nicht gereicht. Ich wollte lange fliegen.
Was erlebt man, wenn man eine Angst spürt, die man nicht wegdrücken kann. Aber merkt, diese Angst behindert mich, meinen eigenen Traum zu realisieren im Grunde. Also entwickelt man dann einen Hass der Angst gegenüber? Oder wie fühlt sich sowas an?
Ja, ich war ziemlich wütend. Ich wollte, dass diese Angst weggeht. Und ich wusste nicht, was machen. Und dann habe ich gedacht, vielleicht muss ich eine Psychotherapie machen. Und ich habe auch Hypnose angefangen. Und das hat mir schon geholfen, diese Angst zu arbeiten. Und diese Angst weniger groß zu machen.
Wenn du heute, ich meine, jetzt fliegst du wieder 10 Stunden. Also irgendwie musst du diese Angst ja vielleicht nicht komplett, aber weitgehend besiegt haben. Von den verschiedenen Sachen, die du da ausprobiert hast oder mal gemacht hast, eine Psychotherapie, eine Hypnose -Therapie. Gibt es etwas, wo du sagen würdest, da gab es so einen Moment, wie so einen Durchbruch? Moment, wo du gemerkt hast, jetzt hat sich in meinem Kopf, in meinem Gefühl etwas verändert? Und was war dieser Moment, wenn es ihn gab?
Ich denke, es ist langsam gekommen. Und ich denke, jedes Jahr habe ich weniger Angst. Aber ich weiß, dass dieses Unfall mich noch berührt. Weil in der Luft, wenn es turbulent ist, dann habe ich noch ziemlich viel Angst. Ich mache auch keine Wettkämpfe, weil ich habe keine Lust, in der turbulenten Luft zu pushen.
Ich möchte mich einfach die meiste Zeit wohl fühlen in der Luft. Und manchmal muss man in Wettkämpfen in Orte fliegen, wo man keine Lust hat zu fliegen. Und ja.
Das heißt aber, du sagst eigentlich, die Zeit heilt diese Wunde. Oder die Zeit dämpft die Angst ab. Auch indem, dass du immer wieder fliegen gegangen bist und dann so langsam merkst, hey, okay, ich bin ja weitgehend noch safe. Also das ist jetzt, das kann ich aushalten. Und dann bist du so langsam vorangegangen.
Ja, die Zeit und auch sehr viel Groundhandling. Das hat mir sehr geholfen, viel mit dem Schirm am Boden zu spielen.
Inwieweit hilft Groundhandling? Oder hat dir Groundhandling geholfen, die Angst zurückzudrängen?
Weil, wenn man einen Schirm gut auf dem Boden halten kann, in turbulenter Luft, dann kann man auch denken, also ich habe mir gesagt, ja, du kannst den Schirm gut am Boden halten. Warum könntest du den Schirm nicht gut in der Luft halten? Und ich denke, das hat mir auch geholfen. Mental.
Okay, dann bist du aber auch bei turbulenteren, sag ich mal, etwas stark windigen Bedingungen Groundhandling gegangen und hast dich dann da so langsam herangetastet und gesagt, okay, das kann ich auch noch handeln. Und diesen starken Wind und dann tänzelt mein Schirm da oben rum. Aber ich kann das kontrollieren. Also wenn ich das am Boden kann, kann ich das auch in der Luft.
Ja, genau. Ich habe in sehr vielen verschiedenen Bedingungen Groundhandling gemacht. Und das hat mir geholfen. Das hat mir Vertrauen gebracht.
Was mir aufgefallen ist, ich habe so deine Flügel ein bisschen durchgeguckt. Und der erste Flug, den du solo, zumindest im XContest ist da eingestellt, den du solo gemacht hast, den hast du gleich mit einem ENC -Schirm gemacht.
Ich glaube, damals ein Ozone Alpina.
Ah, nach dem Unfall. Der
erste Flug nach deinem Unfall. Das steht zumindest auch im XContest als Kommentar. So, hey, ja, wow, super, mein erster Flug und endlich wieder und so. Aber den hast du mit einem Alpina, also einem C -Schirm gemacht. Ich habe mich da gefragt, wenn ich aus so einem Unfall -Szenario rauskäme und ich bin aus der Reha raus oder sowas, würde ich für mich persönlich wahrscheinlich sagen, ich fange mal ganz low key an. Ich nehme mir den einfachsten Schirm, den ich haben kann und gehe mit dem mal fliegen. Du bist direkt mit einem Alpina fliegen gegangen. Was war die Idee dahinter?
Ah, das ist eine gute Frage jetzt. Was war die Idee? Ähm. Hm. Ich denke, ich war schon so viele Stunden unter einem C -Schirm und hatte mich wohl gefühlt. Und ich hatte diesen Alpina schon getestet vor dem Unfall. Und ich hatte ein gutes Gefühl mit diesem Schirm und deshalb habe ich diesen Schirm gekauft. Aber vielleicht hätte ich mehr Fortschritte gemacht mit einem C -Schirm. Einem B -Schirm. Mehr Vertrauen gewonnen. Ja.
Aber gerade wenn du sagst Angst und die Turbulenzen und sowas, dann wäre ja vielleicht ein einfacherer Schirm vielleicht etwas vertrauenserweckender erstmal gewesen.
Ja. Ich denke, wenn ich es gewusst hätte, dass ich so viel Angst hätte, dann hätte ich einen B -Schirm genommen.
Aber ich habe nicht gewusst, dass ich so viel Angst haben würde.
Nun fliegst du auch in den Alpen und fliegst auch in den Alpen weite Strecken. Wenn du Strecken fliegst in den Alpen und das vergleichst mit Streckenfliegen in Brasilien, was macht dir mehr Angst oder wo kommst du eher an die Angst dran? Ist es das schroffe Gelände, was man vielleicht auch sieht in der Schweiz?
Oder ist es einfach nur die Grundturbulenz und das ist egal, ob du in der Schweiz oder in Brasilien unterwegs bist?
Ich denke, das ist schon das Gelände in den Alpen. Weil man ist auch öfter nah vom Boden, von den Bergen. In Brasilien ist man selten unter 500 Meter vom Boden und alles ist flach.
Also für mich gibt es schon viele, auch viele Landemöglichkeiten. Kein Lee. Ist
das auch etwas, was dich so reizt, immer wieder nach Brasilien zu gehen? Zu sagen, eigentlich fühle ich mich da, ich kann mich fliegerisch ausleben und fühle mich auch weitgehend safe?
Ja, genau. Aber es gibt auch Durst in Brasilien.
Also Dust Devils?
Dust Devils. Und da habe ich mega viel Angst vor diesem Durst. Weil manchmal kann es sehr schnell kommen und man ist nah vom Boden. Und da gibt es manchmal keine Möglichkeit, wegzugehen. Ich habe schon ein Unfallvideo gesehen von einem Pilot, der landen wollte. Und er war vielleicht so 10 Meter oder 20 Meter über dem Boden. Und ein Durst ist gekommen und hatte einen ziemlich schweren Unfall.
Eine Seite, ich denke, das war wirklich Pech. Es gibt auch nicht so viele Durst in Brasilien. Und ich hoffe, ich werde nie mehr in einem Durst landen sollen.
Ich drücke dir die Daumen, dass das so kommt.
Ja, das ist das einzige Ding, das mir wirklich Angst macht in Brasilien.
Dein Ziel Brasilien ist auch noch diese 500 Kilometer. Das liest man auch aus deiner Beschreibung. Von der letzten Saison, wo du dann auf dem WhatsApp -Channel geschrieben hast, war immer so, ja, okay, die 500 Kilometer sind es auch noch nicht geworden. Was ist so reizvoll an dieser Marke von den 500 Kilometern? Weil auf der anderen Seite sagst du, ich möchte einfach so lange fliegen, wie es geht. Und wenn du sagst, du würdest starten um halb sechs oder was auch immer oder um sechs und dann fliegst du bis Sonnenuntergang abends wieder. Und je nach Wind, bei dem einen Tag könntest du vielleicht 450 Kilometer schaffen. Und an dem anderen Tag, wo der Wind nur ein bisschen stärker weht, dann würdest du vielleicht 500 Kilometer schaffen.
Aber die Flugleistung, die du vollbringst, ist ja genau die gleiche.
Ja, total.
Letzten Endes warst du zehn Stunden in der Luft oder so was oder elf Stunden. Warum ist dann noch dieser Kilometerwert so wichtig?
Vielleicht, weil es mir auch ein Ziel gibt. Ja. Und noch mehr zu lernen, noch mehr zu analysieren und besser zu werden.
Aber ist dann 500 Kilometer wirklich besser? Nein. Weil letzten Endes ist es ja nur vielleicht die äußere Bedingung, die an dem Tag. Genau. Es hat halt alles gestimmt vom Wind her oder sonst was. An dem Tag davor hat nur alles für 450 gestimmt. Aber flugtechnisch hast du genau das Gleiche gemacht.
Ja, genau. Also
du bist mit 500 Kilometern nicht sicher. Du
bist die
bessere Pilotin als mit 450. Nein. Warum ist diese Marke noch so wichtig?
Ja, ich denke, weil es ist ein Ziel, um besser zu werden.
Aber was ist daran besser? Nur auf dem Papier, oder?
Nein, nein. Als Piloten besser zu werden. Weil für fünf, ja, wie du sagst, es kommt drauf an auf die Bedienungen. Aber man muss schon ziemlich schnell fliegen, um 500 zu machen. Und die Wolken gut analysieren, die Luftmasse analysieren, Thermik gut zentrieren. Und für mich gibt es ein Ziel, so noch mehr zu lernen.
Wenn du jetzt bei diesem 470 -Kilometer -Flug, den du in diesem Jahr gemacht hast, wenn du jetzt im Schnitt drei Kilometer mehr Wind gehabt hättest, dann hättest du in zehn Stunden 30 Kilometer mehr geschafft und wärst schon 500 Kilometer geflogen. Ja. Der Flug wäre aber der gleiche gewesen. Warum wärst du dann besser?
Ja, ich denke, mit drei Kilometer Wind vielleicht wäre es nicht gereicht.
Also das Besserwerden heißt, man muss noch mehr Wind abkönnen und die Thermik auch bei stärkerem Versatz noch immer finden.
Mhm. Aber ich, ja. Ich liebe es. Immer zu lernen und die Luft besser zu analysieren. Und ich denke, wenn ich so Ziele habe, das hilft mir auch, mich zu motivieren, besser zu werden und nicht zu sagen, ich drehe mal vielleicht diese Thermik, ich schaue, wo das Zentrum ist und vielleicht gehe ich links und dann rechts und ich mache einen kleinen Spaziergang.
Würdest du, um die 500 Kilometer zu schaffen, auch noch den Schirm nochmal wechseln? Also bisher fliegst du einen ENC, in dieser Saison bist du in Merlin von Sky geflogen. Würdest du sagen, ah, die Chance, die 500 Kilometer zu schaffen, die ist vielleicht mit einem D -Schirm oder vielleicht sogar einem CCC -Wettbewerbsschirm, den die Leute fliegen, die wirklich, wirklich weit fliegen wollen in Sartau, damit habe ich vielleicht die Chance, noch weiterzukommen. Wäre das ein Reiz für dich, dafür aufzusteigen?
Ja, nein. Ich möchte diese 500 Kilometer nicht mehr schaffen. Ich möchte die 500 Kilometer mit diesem C -Schirm machen.
Klar, es wäre leichter mit einem D - oder CCC -Schirm, aber für den Moment habe ich keine Lust aufzusteigen. Ich fühle mich gut mit meinem Schirm und würde dafür nicht tauschen.
Das heißt, das Ziel ist schon, die 500 Kilometer willst du mit einem ENC schaffen. Das ist für dich so der Fortschrittsgedanke. Genau.
Zum Fliegen in Brasilien möchte man noch eine andere Leistung ansprechen, die da erbracht wird. Die Fahrer, die euch abholen, also du hast einen, ich glaube Marcio heißt der, ich weiß nicht, ist das dein Privatfahrer? Zumindest war immer beschrieben, Marcio hat mich abgeholt, Marcio hat mich abgeholt und so was. Als hättest du einen, der immer dir hinterher fährt dann. Wenn du jetzt zehn Stunden lang fliegst, unter 470 Kilometer fliegst, muss der ja auch zehn Stunden lang hinter dir herfahren oder vielleicht fährt er zwei Stunden später los, aber trotzdem viele, viele Stunden hinter dir herfahren.
Ist ja auch eine Leistung. Wird das in irgendeiner Weise anerkannt?
Ja, total. Also ja, der Marcio, das ist ein Pilot, der in Quixada lebt und wir sind eigentlich Freunde und der ist mega glücklich, das zu machen, weil er liebt, also er liebt Fliegen, aber er möchte nicht fliegen, wenn es zu thermisch ist und er liebt ja dieses, dieses Monat im Oktober in Satau, die Piloten zu folgen und ja, wenn er das ganze Tag fliegt, fliegt, fährt, dann ja, treffen wir uns am Abend und wir machen ein gutes Restaurant und wir schlafen irgendwo in der Nähe, wo ich gelandet bin.
Und dann gehen wir am Tag später, Tag nachher
zurück mit dem Auto. Wenn du da in der Luft bist, habt ihr Funk? Also seid ihr in Kontakt oder verfolgt er dich nur per Satellitentracker und weiß, wo du bist?
Manchmal sende ich ihm Fotos vom Flug in der Luft, aber wir sprechen nicht mit dem Funk, nein.
Das heißt, aber wenn du in der Luft bist und da oben fliegst? Du denkst auch manchmal an ihn und weißt, da ist einer, der verfolgt mich jetzt quasi unter mir und fährt da immer hinterher.
Ja, genau. Manchmal schaue ich, vielleicht gibt es das Auto irgendwo unten. Ich schaue auf die Straße, aber in meinem Fall ist es schwierig zu erkennen.
Habt ihr keinen Tracker, so Live -Tracking, dass du in deinem Vario auch siehst, wo ist Marcio gerade?
Nein, aber ich weiß, dass manche, manche Fahrer das machen. Sie haben X -Track mit dem Live -Tracking an. Und da wissen die Piloten, wo die Fahrer sind.
Wenn du so weit fliegst und du weißt, da fährt einer jetzt die ganze Zeit mit dem Auto für deinen Flug dahinterher, macht dir das auch manchmal ein schlechtes Gewissen?
Ja, schon. Weil es ist schon ziemlich viel Benzin und manchmal habe ich ja schon ein schlechtes Gefühl. Aber mit dem Autostopp oder bei der Fahrt? Also mit dem Bus zurückzukommen ist das ziemlich kompliziert in Brasilien. Es kann ein paar Tage nehmen, um zurückzukommen.
Als du diese 2021, diese vier Monate oder so in Brasilien warst, hattest du da auch ständig einen Fahrer? Oder gab es Situationen, wo du fliegen gegangen bist und eben keinen Rückholer hattest und dann mal Autostopp oder Bus oder sonst was nehmen musstest?
Also da in São Paulo hatte ich immer einen Fahrer. Mhm. Und dann war ich schon ein bisschen später, im Januar in Governador, weil er da ist, ein bisschen mehr im Süden. Und da braucht man keinen Fahrer, weil es gibt mehr Straßen, mehr Leute. Es ist einfacher zurückzukommen und man fliegt auch nicht so weit.
Bei dieser Rückfahrt, mir hat mal jemand gesagt, eigentlich das Gefährlichste beim Fliegen in Brasilien ist die Rückfahrt.
Ja, es kommt drauf an von den Fahrern. Weil manche Fahrer, sie fahren so 160. 160? In der Nacht. Ja. Auf so Sandpisten? Nein, es gibt schon viele Straßen. Aber manchmal gibt es Tiere, Kühe oder Pferde oder Eseln neben die Straße und Löcher in der Straße. Und das kann ziemlich gefährlich sein.
Hast du da, weil du von Angst beim Fliegen gesprochen hast, hast du da schon mal Angst gehabt, dass du sagst,
dieses Zurückfahren teilweise auch, wo man vielleicht in die Nacht, also wenn du nicht ganz schon 10 Stunden geflogen bist und wo man sagt, man übernachtet, wo man ist, sondern es war vielleicht später, man sagt, ja, jetzt fahren wir noch zurück, dann kann ich morgen früh vielleicht doch noch mal starten. Aber dann fährt man halt auch in die Nacht hinein, weil es um 6 schon dunkel wird und dann fährt man da durch die Nacht auf Straßen, wo vielleicht irgendwann mal der Pumaus im Gebüsch springt oder was auch immer, welches Tier sich auf die Straße stellt. Nee. Hast du da auch Angst?
Nein, also ich hatte Glück, dass die Freunde, die für mich gefahren sind, die sind immer ganz ruhig gefahren und hatte ich keine Angst in der Nacht.
Du bist dann auch beruhigend für sie und sagst, fahr lieber langsamer.
Ja, genau.
Zum Schluss will ich noch kurz ein anderes Thema ansprechen. 2020, also schon relativ früh in deiner Karriere, also 2018 hast du angefangen, 2020 bist du in die X -Alps Academy von Kriegel gekommen und bist da aufgenommen worden. Wie kam es dazu?
Also ich hatte Lust einen Hikenfly -Wettkampf zu machen und ich habe mich einfach eingeschrieben für die Eiger -Tour und es war ein 4 -Tage -Rennen in die Berner Alpen und ja, ich hatte nie einen Hikenfly -Wettkampf gemacht und ich wusste nicht, was ich dort wirklich machen soll. Und ich war dort mit einem riesigen Rucksack, so 18 Kilo,
zwei Batterien, Poncho, Schlafsack, Matte und da war ich dort und ich habe Freunde getroffen und sie sagten, was hast du so in deinem Rucksack? Das ist so schwer und ich habe dann viele Sachen weggenommen und dann hatte ich einen Hikenfly. Das war ein Rucksack, der ein bisschen leichter war.
17 Kilo. Und ich habe
dieses Wettkampf gemacht, aber eigentlich nur, um Abenteuer zu leben. Wirklich, um einfach eine neue Gegend zu entdecken und es hat mir so Spaß gemacht. Und ja, dort, ich weiß nicht mehr, wie es war. Ich denke, ich habe Bernhard Zenn getroffen.
Oder Weißkriegel. Und ja, sie haben mir gesagt, ob ich motiviert wäre, in diese X -Health -Akademie zu kommen. Und ich denke, sie haben gedacht, diese Frau, sie ist verrückt.
Sie ist ein bisschen crazy, sie kommt mit 18 Kilo, will die Eiger -Tour mitmachen, vier Tage von Hütte zu Hütte fliegen und sonst irgendwie was und schleppt sich einen ab. Die muss sehr motiviert sein.
Genau, sie haben gesehen, ich bin mega motiviert. Und ja, ich habe gedacht, wow, das ist ein riesiges Glück. Aber ich hatte auch Angst. Ja, was soll ich denn da machen in dieser Gruppe? Und dann habe ich gedacht, ja, ich versuche mal und schaue, wie es geht. Und dann habe ich entdeckt, dass eigentlich diese Gruppe mega, mega cool ist. Und es gab keinen Druck. Und ich habe so viel gelernt. Und es hat so viel Spaß gemacht. Und ja, ich danke Kriegel, dass er mir diese Chance gegeben hat, mich da zu entwickeln.
Gab es denn für dich jemals einen Gedanken, wo du gesagt hast, vielleicht könnte ich ja auch irgendwann mal an den X -Alps teilnehmen?
Ja, das war schon ein Traum, der groß geworden ist, als ich dann in diese X -Health -Akademie -Gruppe reingekommen bin. Aber dann war ich auch schnell weg, weil ich hatte diesen Unfall. Und dann war es klar, ich werde diesen X -Alps nie machen, weil ich bin jetzt mental zu schwach und auch körperlich. Ich denke, ich könnte nicht so zehn Tage, zwölf Tage nur pushen, am Boden laufen.
Aber ansonsten ist von dem Unfall kein körperlicher, belastender Schaden zurückgeblieben, wo du sagst, du kannst bestimmte sportliche Sachen nicht mehr machen, sondern das kannst du eigentlich alles.
Ich könnte schon jetzt alles machen, ja. Aber ich muss auch aufpassen, weil mein Körper gibt mir Signale. Manchmal mache ich ein bisschen zu viel und ich muss hören. Ich könnte nicht sehr viel trainieren und sehr viel pushen. Es gibt schon ein Limit, das ich respektieren soll.
Du hast gerade gesagt, X -Alps war damals schon so ein Traum, der dann aber ausgeträumt war, auch durch den Unfall. Was ist heute noch dein Traum?
Mein Traum ist wirklich, keinen Unfall mehr zu haben und zu fliegen, bis ich zu alt bin.
Ja, bis ich alt bin.
Da hast du ja noch einige Jahrzehnte, sage ich mal, vor dir. Ich glaube, du bist jetzt 32, stimmt das?
Ja, genau.
Dann sage ich mal noch, bis 72 wirst du es auf jeden Fall schaffen, vielleicht bis 82. Ach so, da kommt noch einiges zusammen. Hoffentlich. Wahrscheinlich wirst du in dieser Zeit auch die 500 irgendwann schaffen und sei es mit 65 die älteste 500 -Kilometer -Fliegerin der Welt.
Ich wünsche dir da auf jeden Fall viel Spaß, viel Erfolg dabei und vor allem bleib gesund, bleib heile und genieße einfach die Fliegerei. Danke dir, Serena, fürs Erzählen.
Ja, vielen Dank. Dir auch.
In den Shownotes zu dieser Folge mit Serena Ronki findest du weiterführende Links zu einigen ihrer beeindruckenden Flüge. Wenn du noch mehr inspirierende Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens hören willst, dann empfehle ich dir dafür zwei Schritte. Erstens, du abonnierst Podz-Glidz im Podcatcher deiner Wahl, um keine Folge zu verpassen. Und zweitens, du wirst zum Unterstützer meiner Arbeit. Auf meinem Gleitschirm-Blog www.Lu-Glidz.blogspot.com findest du unter dem Punkt Fördern alle nötigen Infos und Links, wie du diesem Projekt mit einem frei wählbaren, großen oder kleinen finanziellen Beitrag weiter eine Basis geben kannst. Allen Förderern sage ich Danke. Startet früh, landet spät, fliegt weit. Aber bleibt safe.
Bis bald, euer Lucian.