Ja, die Schirme sind ja inzwischen so gebaut oder optimiert, dass man eigentlich das Profil verändern kann mit den Stäbchen, mit der Stäbchenspannung und dass das dann eben im Wettbewerb ist das relevant, weil die Topgeschwindigkeit eigentlich erhöht wird, wenn der gut eingestellt ist. Und jetzt ist es aber so, dass ein Schirm mit wenig Spannung eigentlich klappstabiler ist, aber langsamer und wenn er viel Spannung hat, wird er aggressiver, dafür ein paar km/h schneller. Also deswegen sind wir eigentlich auch am Stäbchen anpassen, weil die Herstellungstoleranz eigentlich zu klein ist.
Podz-Glidz, der Lu-Glidz Podcast.
Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens. Heute mit Stefan
Morgenthaler Und
ich bin Lucian Haas
Gleitschirmpiloten, die bei hochkarätigen Wettbewerben mitfliegen, gibt es weltweit ein paar hundert. Und doch sind es letztendlich nur ein paar Dutzend, die über Jahre hinweg immer wieder ganz oben in den Ranglisten oder gar auf dem Siegerpodest auftauchen. Aus der Schweiz gehört Stephan Morgenthaler zweifellos dazu. Der 48 -Jährige ist kürzlich wieder einmal Schweizer Meister geworden. Zum zweiten Mal hintereinander. Und zum sechsten Mal insgesamt. Das macht ihn zum Rekordhalter, was die Zahl der eidgenössischen Meistertitel betrifft.
Für diese Episode 190 von Podz-Glidz habe ich Stefan gefragt, wie er es geschafft hat, bereits mehr als zwei Jahrzehnte zu den Elite -Piloten zu gehören. Wir sprechen unter anderem darüber, warum ihn ruppige Acht -Meter -Bärte jubeln lassen. Warum er häufig einen ersten Task dominiert, sich danach aber schwerer tut. Und wie er abseits der Wettbewerbe mit Hilfe einer ferngesteuerten Elektrowinde im Schweizer Flachland in die Luft geht. Ein weiteres spannendes Thema. Stephan Morgenthaler weiß nicht nur, wie man Leinen trimmt, sondern auch, warum bei modernen Wettbewerbsschirmen zusätzlich die richtige Stäbchenlänge über Sieg und Niederlage entscheiden kann.
Solche hintergründigen Gespräche kann ich dir übrigens nur präsentieren, weil es Förderer gibt, die meine Arbeit an Podcast und Blog finanziell unterstützen. Mach doch mit! Wie das geht, steht im Gleitschirm-Blog Lu-Glidz und zwar dort auf der Seite Fördern. Stefan, erstmal Gratulation! Du bist kürzlich wieder Schweizer Meister geworden. Und zwar zum sechsten Mal. Nach meiner Zählung müsstest du damit den Titel Rekordmeister der Schweiz im Grunde verdient haben. Was bedeutet dir sowas?
Ja, vielen Dank erstmal. Das war tatsächlich das Ziel. Oder eines meiner Ziele. Dass das sechs Mal wird. Und ich habe jetzt ein paar Jahre darauf hingearbeitet. Eigentlich hatte ich so eine Pause, wo ich ein paar Jahre immer so Podestplatz hatte, aber nie gewonnen. Und dann letztes Jahr ist es mir gut aufgegangen. Und jetzt dieses Jahr auch wieder. Also das Ziel ist jetzt erreicht. Jetzt habe ich kein Ziel mehr.
Ja, du könntest als nächstes Ziel sagen, die Zehn müssen voll werden oder sowas.
Also mit meiner Frau habe ich besprochen, dass es jetzt drei in Folge sein sollten. Aber das setzt mich ein wenig unter Druck für nächstes Jahr.
Drei in Folge. Wir schauen, was nächstes Mal draus wird. Deinen ersten Meistertitel, den hast du ja schon vor 21 Jahren gewonnen. Ja. Was bewegt so einen mehr? Wenn man sagt, das war der erste Titel. Das ist natürlich etwas herausragendes, weil man wirklich zum ersten Mal Schweizer Meister wird. Oder ist es sowas, wenn du sagst, ich habe das Ziel sechs Mal zu werden und damit auch wirklich zu zeigen, das war jetzt nicht damals eine Eintagspflege und ein paar sind noch danach gekommen, sondern da ist wirklich eine Konstanz darin und irgendwie musst du wirklich gut sein. Was bewegt einen mehr? Oder was bedeutet dir mehr?
Also der erste Titel war sicher sehr unerwartet. Da habe ich noch nicht damit gerechnet, dass ich das auch schaffe. Und deswegen war es eine riesen Freude damals. Aber inzwischen ist es so, dass ich vielleicht auch von der Erfahrung her, dass ich das Niveau erreicht habe, wo ich wirklich sagen kann, ja, das ist möglich. Und auch in der Schweiz, das Niveau ist jetzt nicht unendlich hoch. Oder wir haben nicht wie in Frankreich viele Leute, die das Niveau erreichen. Also inzwischen ist es schon machbar. Aber trotzdem, es hat auch dieses Mal vielleicht 15 Leute dabei, die schon ein gutes Niveau haben. Und das ist immer interessant.
Was kennzeichnet deine Fliegerei, dass du bei solchen Wettbewerben immer wieder vorne mitfliegst?
Was ich gut kann, ist so die Situation lesen, das Modell bauen, wie der Tag funktioniert. Und vielleicht auch mal eine spezielle Idee haben, die die anderen nicht sehen oder noch nicht draufkommen oder so. Das ist eigentlich meine Stärke, ja. Würde ich sagen, das kann ich ab und zu umsetzen. Das klappt nicht immer. Ich muss manchmal auch schauen, dass es mich nicht stört oder wenn ich zu viel improvisiere, dann bin ich wie alleine oder es klappt nicht gut im Wettkampf. Dann muss man mit der Gruppe gehen. Aber manchmal ist es ein riesen Vorteil, wenn man solche Sachen machen kann.
Du hast gesagt, Ideen haben, dass man etwas anders macht. Hast du diese Ideen, bevor ein Task beginnt? Oder ist das etwas, was dann auf der Hälfte des Tasks, wo man plötzlich sieht, nein, ich fliege die andere Route. Was die da machen, das gefällt mir nicht. Oder ist das manchmal wirklich etwas, dass man so sagt, ich habe so meine geheime Vorstellung, wie ich das heute angehen möchte.
Es kann schon sein, dass es schon vor dem Flug klar ist, dass es eine Option gibt, so wie der Startzylinder ist so geordnet, dass man ihn vielleicht von drei verschiedenen Stellen, dann denke ich, ja, da ist vielleicht die beste Option. Aber meistens ist es im Flug, wenn etwas Unerwartetes passiert, dass sich vielleicht neue Optionen auftun oder dass man eben Infos hat, dass es offensichtlich eine Route schneller ist oder so, dann sehe ich das eher früher als die anderen.
Woher kommt das? Also was hast du in den Augen, was die anderen nicht haben, dass du sowas sehen kannst?
Ich denke, es hat damit zu tun, dass ich das schon lange mache. Also die Erfahrung hilft ganz sicher dabei. Auf der anderen Seite, ja, es ist etwas, das ich gerne mache und ich habe Freude dabei.
Vorher habe ich gesagt, dass ich unter Druck gerate. Ich mache das nicht wegen dem Resultat. Ich mache das, weil mir das Fliegen Freude macht und das Zusammenfliegen und das Schauen, welche Option ist schnell. Und wenn ich entspannt bin, dann geht das sehr gut, dass ich dann auf solche... Ideen komme.
Ich habe gelesen, dass dir so ein bisschen der Ruf anhängt, vor allem am Anfang eines Wettbewerbes, gut zu sein. Du gewinnst ganz häufig den ersten Tast und danach kommen manchmal so ein paar Durchhänger. Bei dieser letzten Schweizer Meisterschaft in diesem Jahr hast du auch den ersten Tast gewonnen und danach nichts mehr. Also ist dieser Ruf irgendwie berechtigt oder ist das eine falsch gedeutete Statistik vielleicht? Nein, nein, das
hat was. Es hat auch mit dem, was ich vorhin gesagt habe, zu tun. Wenn ich völlig unbelastet, unbeschwert daran hingehe, dann gelingen mir solche Sachen einfach so aus dem Ärmel geschüttelt. Und wenn ich dann unter Druck komme, dann muss ich schauen, dass ich vielleicht mehr kontrolliere. Und in dem Modus ist es dann schwieriger, etwas besser zu machen. Das Kontrollieren verhindert ja gerade, dass man eben spezielle Sachen macht. Also jetzt gerade an der SM der letzte Task habe ich mir vorgenommen, dass ich den Zweitplatzierter, den Dominik Breitinger, einfach nicht alleine lasse. Und das hat mir alles abverlangt.
Da musste ich hinterherfliegen und alles mitmachen und so. Das war für mich schwierig, ja.
Aber dann hast du keine eigene Taktik mehr verfolgt bzw. die Taktik war nur, den grössten Verfolger von dir nicht wegfliegen zu lassen. Ja. Du musstest, wenn du den in Schach hältst, dann
hast du im Grunde gewonnen. Genau, ja. Das war eine komfortable Situation eigentlich, ja.
2025, also letztes Jahr war das mal anders. Da hast du alle Tasks als Erster nach Hause gebracht. Was war da passiert? Oder warum ist das so gut gelaufen?
Ehrlich gesagt weiss ich das noch immer nicht, was da genau passiert ist. Aber irgendwie habe ich das geschafft. Ich meine, das Gebiet dies und dies, das liegt mir auch gut. Quasi an jedem Wettkampf war ich, entweder als Gewinner oder Zweiter oder so, wo ich da mitgemacht habe. Auch im Weltcup habe ich da gewonnen. Aber ja, eigentlich keine Ahnung. Es hatte auch damit zu tun, dass sie mich zum Teil gewinnen ließen. Also vielleicht ein Lauf, den ich erinnern kann, da war ich ein bisschen zurückgefallen. Aber da hatte niemand den Mut, auf das Ziel loszufliegen. Und dann habe ich das halt gemacht. Also es war, also für mich war es recht speziell, dass das so geklappt hat.
Macht das einen Sieg besonders gross, wenn man sagt, man hat auch ganz viele Einzeltasksiege da zusammengeflogen? Oder ist das gar nicht so entscheidend? Oder würdest du schon sagen, 2025 war mein grösster Sieg von einer Schweizer Meisterschaft?
Das ist sicher vom Gefühl her so etwas mehr dominant, dass man, weder wenn es ganz knapp ist, aber ja, es war auch ein bisschen so, schon wieder du. Jeden Tag habe ich wieder gewonnen und so. Es war wie ein bisschen langweilig. Ich fand es dieses Jahr eigentlich interessanter, weil es auch, weil der Challenge grösser ist. Weil die anderen auch sich Chancen ausrechnen und dann auch motiviert sind. Das finde ich spannender.
Also wenn man nicht schon nach dem dritten Task feststeht als Sieger so ungefähr, wo man sagt, ich habe noch ein Streichresultat und sonstiges.
Ja genau.
Das verlangt dir dann auch mehr ab?
Ja, ich finde es interessanter, wenn verschiedene gewinnen können. Und das merkt man den Leuten auch an. Sie sind enthusiastischer. Das habe ich selber auch schon erlebt, dass man dann wie aufgibt oder so und dann fliegt man halt noch mit, weil das halt dazugehört. Aber gewonnen hat der schon, oder?
Hast du in deiner Wettbewerbskarriere auch mal so richtige Niederlagen, was du als Niederlage erlebt hast?
Ja, es gab eine Zeit, wo ich wirklich Material hatte, das eigentlich unterlegen ist. Und da war es regelmässig so, dass ich einfach hinten war. Aber es war lehrreich, mit der Situation umzugehen, bringt einen weiter, denke ich. Und ansonsten, ja klar, Unfälle zählen dazu. Hatte ich auch nie. Schwere, aber kommt auch vor. Also Baumlandung oder so. Ist mir auch schon passiert. Ein paar Mal.
Wenn man so als Herzenswettbewerbspilot, sage ich mal, wie du, wenn man da sagt, ich habe das falsche Material oder das schlechtere Material, ist man dann sofort hinterher und sagt, oh nein, ich muss jetzt, ich brauche einen neuen Schirm oder ich brauche ein anderes Gurtzeug oder sowas. Also vor dem nächsten Wettbewerb
ist es schon eine Konsequenz. Ja, wenn man merkt, dass man nicht dabei ist und das Material verfügbar ist, dann ist das naheliegend, dass man sich das auch beschafft. Aber bei mir war es mehr in der Zeit, wo die guten Schirme eigentlich für die wenigen Leute reserviert waren, die vielleicht mit der Firma zu tun hatten direkt oder Testpiloten waren. Und damals konnte man die Schirme gar nicht kaufen. Heute kann man sich dazu entschliessen, das gleiche Material zu nehmen.
Das heisst, damals war noch die offene Klasse, also vor CCC -Schirmen, wo dann hauptsächlich wirklich die Werkspiloten von den grossen Firmen dann immer die besten Protos zur Verfügung hatten und die anderen mussten mit den Brosamen dann die abfallen. Rechts und links mussten die dann fliegen gehen.
Genau, ja. Da konnte man eigentlich nur hinterherfliegen und schauen, wie die das machen. Und es war gefühlt recht einfach für die. Aber ich habe dann auch mal so einen Schirm genommen, wo ich gedacht habe, der fliegt super gut und das ist dann trotzdem nicht alles. Fliegen muss man es trotzdem, auch wenn der Schirm gut geht.
Gibt es Schirme, von denen du weisst, dass die gut gehen, wo du aber merkst, die passen nicht zu deinem Flugstil vielleicht?
Ja, also ich habe in den letzten Jahren wahrscheinlich mehrere Schirme, eigentlich quasi jedes Jahr mehrere Schirme gekauft oder mindestens ausprobiert und dann eigentlich den genommen, der mir am besten passt. Und häufig war es so, dass es vor allem das Handling oder der Anspruch vom Schirm an den Piloten eigentlich dem angenehmer ist. Ich kann zwar mit schwierigen Schirmen umgehen, aber es ist trotzdem eine Belastung. Also wenn du einen Schirm hast, der gleich gut geht und einfach einfacher zu fliegen ist, hast du einfach mehr Zeit oder Potenzial zum Schauen und
Strategie auszudenken oder so.
Ein schwieriger Schirm ist eigentlich nicht ein Vorteil.
Heute werden ja die Tasks relativ schnell geflogen, die sind häufig schon nach zwei, zweieinhalb Stunden schon wieder rum. Wenn so ein Task viel länger ginge, wenn das viel grössere Aufgaben wären, würden dann andere Schirme geflogen, als sie heute im Wettbewerb geflogen wird?
Ja, ich bin nicht sicher. Die guten
Wettbewerbspiloten, die ich kenne, die können auch XC fliegen. Mit den heutigen Wettbewerbsschirmen XC fliegen ist anstrengend, also zehn Stunden in der Luft sein, aber es ist möglich. Und es ist auch nochmal ein Vorteil, im Vergleich zu einem Schirm, der einfacher ist, kannst du mit einem Wettkampfschirm weitere Strecken fliegen, wenn du das aushältst.
Hältst du das aus? Oder hast du noch andere Schirme oder einen anderen Schirm, einen C -Schirm oder was auch immer, mit dem du sagst, wenn ich normal einfach fliegen gehe, dann nehme ich den. Oder fliegst du immer mit deinem Wettbewerbsschirm?
Ich habe verschiedene Schirme zur Auswahl. Letztes Jahr hatte ich die Gelegenheit, wegen einem Jobwechsel, konnte ich drei Monate fliegen gehen. Und dann habe ich so ein paar Streckenflüge gemacht und auch verschiedene Wettkampfschirme getestet. Und für mich nämlich, das ist immer schon ein Wettkampfschirm, wenn ich das mache. Ich halte das aus, würde ich sagen. Aber es gibt Situationen, wo es nicht das schwere Zeug sein muss. Oder vielleicht beim Hike & Fly oder so wäre das völlig vermessen.
Ich habe mal zur Vorbereitung hier drauf auch in den XContest geguckt und habe gedacht, was hat der Stefan denn da so für Flüge eingestellt. Man findet kaum was. Ich glaube, vom letzten Jahr, wenn du sagst, da warst du drei Monate, hattest du frei. Aber selbst davon stehen nur ganz, ganz wenige Streckenflüge da drin. Da ist ein grosser, glaube ich, von 247 oder sowas. Aber das war es dann auch. Es sind noch zwei, drei kleinere. Und das war es dann schon. Du fliegst Wettbewerb, aber XContest und sowas, das reizt dich gar nicht oder da hast du keine Aktien drin?
Also ich habe das früher gemacht, am Anfang meiner Flugkarriere. Eigentlich zum Lernen oder so auch. Das habe ich super interessant gefunden, dass einfach selbstständig entscheiden und so, das finde ich auch super wichtig im Wettkampf.
Letztes Jahr habe ich noch ein paar Flüge mehr gemacht, aber die habe ich auch nicht hochgeladen.
Irgendwie habe ich am Anfang gar nicht daran gedacht, dass ich das machen könnte oder so. Und dann war es wie zu spät oder so.
Guckst du denn da manchmal rein? Also guckst du, dass andere Leute fliegen oder ist das für dich eigentlich irrelevant? Du fliegst für dich und fliegst deine Wettbewerbe.
Nein, nein, das gucke ich schon. Also wenn ein guter Tag ist, kann man ja da auch sehen, wie gut der Tag war. Das schaue ich gerne an. Und ich freue mich auch immer, wenn es neue oder weitere Flüge gibt. Das ist toll zu sehen.
Dann freust du dich aber für die anderen. Das klingt jetzt so, als kämpfst du gar nicht so viel selbst in die Luft, als würdest du mehr dann, wenn du nicht wettbewerbsfliegst, als würdest du sehr viel eigentlich gucken, was fliegen die anderen?
Genau. Es ist schon so, ich arbeite 100 Prozent, ich habe eine Familie und ich fliege, wo ich kann. Aber es ist natürlich nicht jeden Tag. Und gerade zum XC -Fliegen kann ich normalerweise das kannst du nicht machen. Ich bin begrenzt in der Zeit und ich kann nicht ein, zwei Tage einfach weg und irgendwo wieder runterkommen.
Eigentlich kann ich mir das nicht leisten, das XC -Fliegen in meiner Situation. Aber Interesse habe ich schon daran. Das ist immer noch so.
Das heisst, deine ganzen oder nicht alle, aber sehr viele deiner grossen Flügel machst du eigentlich im Wettbewerb. Also das ist so dein Hauptbereich, wo du wirklich fliegen gehst. Weil du dann auch sagst, dann nehme ich mir halt diese fünf Tage Zeit oder wenn ich mal am PWC mitmache, sind das vielleicht die zehn Tage, wo ich dann vielleicht mal dabei bin. Und das ist im Grunde dann deine Urlaubszeit, die du da auch investierst.
Das auch, ja. Und es gibt auch 80 Prozent von meinen Flugstunden im Jahr, die es an den Wettbewerben gibt. Ja, das stimmt.
Nun würden ja manche Leute sagen, die, die so vorne im Wettbewerb mitfliegen, die sammeln ja bestimmt alle über 200, 250 Flugstunden im Jahr, damit man da überhaupt so weit vorne mitfliegen kann. So wie das jetzt bei dir klingt, wenn man sagt, okay, da sind so ein paar Wettbewerbe, da werden dann immer drei, vier Stunden am Tag mit, bevor der Task wirklich losgeht, man startet schon eine Stunde früher oder so, man sammelt da so ein bisschen zusammen. Aber da wirst du gar nicht so viel zusammen kriegen. Wie viel fliegst du so pro Jahr? Letztes Jahr war es ein bisschen mehr mit den drei Monaten Pause, aber so im Durchschnitt, was bringst du so zusammen?
Ja, das ist unterschiedlich, aber eben es gibt vielleicht, wenn ich selber unterwegs bin, dann fliege ich nicht vier, fünf Stunden. Vielleicht meine Frau fliegt auch. Da gehen wir zusammen eher kurze Flüge machen. Oder wenn ich mit den Kindern kann ich Tandem fliegen, das gibt auch eher kurze Flüge oder so. Von den Flugstunden her fliege ich selber eigentlich vor allem den Wettbewerb. Und für mich selber gibt es auch zum Teil längere Flüge, aber ja, es ist schon eher knapp, ja.
Knapp heisst unter 100 Stunden? Oder auf was kommst du da so?
Die Wettbewerbe geben schon fast 100 Stunden oder sofort. Es ist schwierig zu schätzen. Ich schreibe es auf nicht auf, muss ich sagen. Aber es ist etwas zwischen 100 und 200 vielleicht, ja. Maximum. Vielleicht letztes Jahr mit den drei Monaten oder so. 200.
Nun lebst du in Staffelbach. Das ist gewissermassen im Flachland der Schweiz. Irgendwo zwischen Jura und Alpen gelegen. Kannst du da bei dir zuhause auch direkt irgendwo in die Luft kommen?
Also die Hügel sind hier entweder zu flach oder bewaldet, wo sie steil sind. Deswegen geht es nicht. Ich muss ein bisschen fahren, vielleicht eine Stunde bis zum nächsten Fluggebiet im Jura oder in den Alpen. Und eigentlich deswegen habe ich mal eine Elektrowinde angeschafft, damit ich da in der Nähe eigentlich zum Fliegen komme.
Ist das eine grosse Elektrowinde, wo du sagst, da hast du jetzt quasi eine Windengemeinschaft mit fünf anderen Piloten und ihr schleppt euch gegenseitig? Oder schleppst du dich selbst? Ist die quasi ferngesteuert?
Ja, genau. Also die Version, die ich gekauft habe, die ist inzwischen zerlegt und neu gebaut. Und die hat eine Fernbedienung dran, also ich kann mich selber hochziehen eigentlich damit.
Okay. Gehst du bei irgendeinem Bauern, den du kennst, fragst, darf ich auf deine Wiese, ich ramme hinten irgendwo einen Nagel rein, um da meine Winde dran zu befestigen und dann ziehst du 300 Meter Seil aus oder wie habe ich mir das vorzustellen?
Ja, ungefähr so, aber ich frage nicht.
Also es ist auch recht schwierig im Sommer bei uns, weil die Felder sind etwas klein und das Gelände hügelig. Also die Auswahl vom Fluggebiet ist schon recht schwierig, weil eigentlich die Fruchtfolge nie passt oder dann, wenn man einen Ort findet, der wirklich geht, dann ist die Zeit knapp. Ich weiss dann auch nicht, wem das Feld gehört oder so. Aber normalerweise schaue ich, dass es nicht Schaden macht oder natürlich, dass abgemäht ist oder so und auch niemand gefährdet wird. Das ist auch noch wichtig beim Windentfliegen.
Auf welche Ausklinkhöhen kommst du dann so?
Ja, in der Schweiz ist das ja recht beschränkt auf 150 Meter und das ist halt schon knapp. Aber der Vorteil ist, bei uns sind die Hügel schon so 100 Meter hoch und zum Teil kann ich direkt in die Thermik reinziehen. Also das gibt es ab und zu, dass man schon beim Schleppen eigentlich merkt, dass man im Steigen ist und dann wie das Seil ausgerollt wird anstatt eingerollt.
Aber das machst du so, dass du das wirklich ganz alleine bedienen kannst? Ja. Also am Ende steht die Winde also ist die hinten am Auto befestigt oder musst du die wirklich irgendwo mit so einem Erdnagel am Boden festmachen und dann rollt die sich selber ein und das war's. Die steht dann einfach dort rum.
Das ganze Zeug ist im Kofferraum von meinem Auto und dann hat es eine Anhängerkupplung und ich nehme die Rolle mit dem Motor raus und die geht an die Kupplung und die Batterie und die Steuerung bleibt im Kofferraum und dann hat es noch eine Antenne oder so und ich habe eine Fernbedienung in der Hand.
Das heisst, du brauchst gar keinen, der dir zusätzlich dabei hilft?
Nein, das geht ganz ohne. Oh wow.
Bist du der einzige in der Schweiz, der sowas macht?
Nein, es gibt verschiedene andere, die das auch gemacht haben. Bevor ich die erste Winde gekauft habe, war ich eine Winde austesten und ich kenne inzwischen zwei, drei andere, die das gemacht haben oder noch machen.
Wie häufig gehst du dann bei dir so in der Gegend an der Winde fliegen?
Ja, das kommt vielleicht einmal pro Woche vor oder so, wenn das Wetter stimmt. Das heisst,
du gehst arbeiten, kommst vielleicht abends noch nach Hause und sagst, es ist noch, es könnte noch ein bisschen Thermik sein. Ich fahre eben zu Bauer XY aufs Feld und lasse mich mal hochschleppen, fliege dann an den kleinen Hügel heran und hoffe, dass da oben die Thermik gerade noch auslöst.
Ja, das kommt ab und zu vor, dass ich gehe morgens einmal vor dem Verkehr arbeiten, dann häufig kann ich um drei wieder nach Hause und dann im Sommer gibt es noch ein paar Stunden, die gehen.
Und hast du dann von Staffelbach aus schon mal richtig grosse Flüge auch aus der Winde heraus gestartet?
Ja, gross im Sinne von XC nicht, aber ich bin so, es kommt vor, dass man noch zwei, drei Stunden herumfliegen kann, also so Richtung Alpen oder Richtung Jura, da war ich schon unterwegs und so so ein kleines Dreieck oder so. Oder auch vielleicht eine Challenge ist auch die Flugfelder umfliegen oder die haben so einen Radius drumherum, also trinkend ist bei mir in der Nähe. Und dann ist das so einmal ringsherum oder so.
Das ist dann die persönliche kleine Challenge, ich mache einmal den grossen Kreis um das Flugfeld herum.
Machst du das auch mit deinem Wettbewerbsschirm dann oder hast du fürs Schleppen, weil das dann vielleicht einfacher ist, nicht so gestreckt und sonstiges, dass du sagst dafür nehme ich dann einen anderen Schirm?
Wenn ich wirklich was vorhabe oder wenn ich den Schirm, den Wettbewerbsschirm testen muss, weil ich noch nicht klarkomme mit dem Material, dann nehme ich den Wettbewerbsschirm zum Schleppen, aber der Nachteil ist vor allem der Kurvenradius und das ganze Handling von dem Material und so ist halt schon komplizierter und deswegen habe ich einen
Windenschirm, der auch schneller dreht. Was
hast du für ein Modell als Windenschirm für dich genommen?
Einen Photon.
Aber der ist jetzt auch nicht gerade bekannt dafür, dass er der engste Kurbler ist.
Ja schon, aber der hat, also ich habe einfach eine kleinere Größe, kein Gewicht dabei, ein einfacheres Gurtzeug oder da bin ich schnell drin und raus und auch das Gewicht zum Schleppen, wenn ich dann beim Ausziehen mittrage, ist einfach viel angenehmer.
Jetzt erklär mir nochmal, wie funktioniert diese Fernbedienung von dem Ding? Ist das quasi wie so ein kleiner Gashebel, den du in der Hand hältst oder wie funktioniert das?
Ja, das ist so eine
Rollbrettfernsteuerung habe ich eigentlich gekauft, also die kann man ganz günstig kaufen, um die Elektrorollbretter zu steuern und der hat, das ist so ein Handteil, der hat einen Gashebel zum nach vorne und nach hinten. Das Ding habe ich dann umgebaut, dass eigentlich die Reichweite auf zwei Kilometer geht oder so und dann kann man eigentlich mit dem Gashebel die ganze Sache bedienen, also es ist so eine Statusmaschine drin, die vorspannt das Seil, damit man nicht sich darum kümmern muss, dass es keine durchhängenden Stellen hat im Seil und dann wird die Spannung aufrecht gehalten, während man den Schirm aufzieht.
Also das signalisiert mir, dass die Spannung gut ist, dann kann ich den Schirm aufziehen, ohne dass ich etwas machen muss und wenn der dann steht, dann kann ich mit der Fernbedienung nach vorne drücken und dann hebe ich ab und während dem Schlepp muss ich die Bedienung permanent nach vorne drücken, damit der Zug bleibt eigentlich quasi als Sicherheits Feature.
Aber die Zugregelung, das ist alles elektronisch, das macht die Winde von alleine?
Ja, das ist Drehmoment kontrolliert, also ich kann eigentlich voll nach vorne drücken, dann wird es auf mein Körpergewicht oder so limitiert. Aber ich kann auch weniger Gas geben, damit wenn es nicht passt oder so, dass ich feiner dosiert ziehen kann.
Könntest du damit oder das geht in der Schweiz wahrscheinlich nicht, wenn du sagst 150 Meter Höhenbegrenzung, aber könnte man damit theoretisch auch einen Stufenschlepp machen, wo du sagst, hey, ich habe hier 300 Meter Seil ausgezogen, lass mich hochziehen, flieg ein Stück zurück, dreh wieder ein und lass mich wieder ein Stück hochziehen?
Ja, die Winde ist eigentlich für das gebaut. Ursprünglich war sie nicht tauglich zum Ausziehen, weil die Aufrollqualität nicht gut war. Also es hat dann so Überwürfe gegeben und dann kannst du nicht rausziehen beim Zurückfliegen. Da hatte ich mehrere Events, wo das Seil blockiert hat beim Austesten und dann das gibt relativ wüste Situationen, wenn man da wegfliegt und es blockiert. Aber es ging immer gut. Bis jetzt. Aber eigentlich ist die Winde jetzt für das tauglich, dass man rausfliegen kann und beim Einziehen wird das Seil auch gut verteilt, also dass es eben schön aufgerollt bleibt.
Wenn ihr dann diese 150 Meter oder 100 Meter Hügelchen dort habt, du startest unten im Tal, was ist dann die Referenzhöhe, die Talhöhe oder sagst du, die Hügel sind 100 Meter Höhe, also ich dürfte im Grunde 250 Meter über den Talgrund steigen?
Normalerweise gehe ich auf den Hügel drauf oder dann habe ich die 150 Meter on top. Aber die Hügel sind so flach, dass du oben deine
300 Meter, wie viele Meter Seil ziehst du denn da überhaupt aus?
Ja, also das Seil ist recht lang, also ich habe Reserve Länge, aber normalerweise muss man vielleicht 300 Meter, 400 Meter ausziehen, dass es einigermassen geht, sonst wird es gefährlich mit dem also einfach die Effizienz von der Stufe ist dann nicht da. Ich habe schon mal getestet, vielleicht nur 150 ausziehen und dann ist man sofort über der Winde und wenn man dann zurückfliegt, ist man fast wieder am Boden oder dann mit Kurve und wieder drehen und wieder ziehen geht dann die Effizienz eigentlich auf unter null und dann irgendwann muss man stoppen, wenn man nicht mehr an den Startplatz zurückkommt. Ist das dann nicht förderlich für die Sicherheit.
Und wenn du ausgeklingt hast, das Seil, das zieht die Winde ganz automatisch ein oder musst du das von oben irgendwie auch noch mit kontrollieren?
Nach dem Ausklingen bleibt es gleich, wenn ich mit der Fernbedienung nichts mache, dann wird der Zug weggehen, also die Rolle bleibt stehen und der Fallschirm wird einfach runterfallen und damit eigentlich wollte ich das so haben, dass sich auch nach dem Klinken noch beeinflussen kann, was das Seil macht. Weil wenn da jemand im Weg ist oder so, dann muss ich das Seil stoppen können und normalerweise muss ich einfach den Gashebel vorne halten, bis der Fallschirm ganz unten ist. Es hat eine Stoppvorrichtung, also das muss ich nicht selber machen. Am Schluss liegt der Fallschirm neben dem Auto und idealerweise auch noch in einem Feld und nicht auf der Strasse.
Passiert es denn schon mal, dass du quasi direkt wieder landen musst, weil irgendwie das Seil falsch gelandet ist, sich irgendwo verhangen hat oder sonst was, wo du sagst Mist, jetzt muss ich da schon wieder runter?
Ja, das ist mir schon ein paar Mal passiert. Also einfach wenn da ein Seil über ein Feld weggezogen ist und jemand mit dem Rad kommt oder so, dann das geht nicht, oder? Da muss ich wieder hin. Das ist passiert. Aber normalerweise kann man das auch schon beim Aufstellen dann antizipieren, wo wird der Fallschirm liegen und dann geht es eigentlich. Dann lasse ich das Zeug stehen für drei, vier Stunden und komme später wieder.
Das heisst, du engagierst auch nicht deine Frau dafür. Du sagst, pass mal auf, ich will einmal kurz fliegen gehen und danach fahr du mit unserem Auto wieder nach Hause, dann ist das dort weg, guck, dass das Seil ordentlich eingezogen ist und alles ist gut.
Nein, das würde sie zwar schon wahrscheinlich machen, das Problem ist ein bisschen, die Rolle ist einigermassen schwer und ja, das wäre ein bisschen unfair, wenn ich das ihr überlassen würde, das Zeug aufzuräumen. Normalerweise mache ich das selber, also ich komme, wenn ich es schaffe, komme ich wieder zurück oder sonst gehe ich abends spät das Zeug zusammen räumen.
Ich fliege hier auch an der Winde, aber ich bin hier im mitteldeutschen Flachland gewissermassen um Bonn herum. Wir haben dann ein Lepo, mit dem das Seil ausgezogen wird, also bei uns ist das ein Elektromotorrad, mit dem wir die Seile ausziehen können. Du musst das wahrscheinlich von Hand machen. Du nimmst das irgendwie schon und gehst dann erstmal 400 Meter in die eine Richtung.
Ja, normalerweise nehme ich den Schirm aus dem Auto und mache hike and fly.
Wenn du jetzt schon dieses Thema hike and fly anschneidest, auch wenn es auf andere Weise ist, hat dich das in grösserer Weise nie interessiert? Also wenn du so einen Kriegel siehst, der dann – es muss jetzt nicht der Kriegel direkt sein, du willst sein wie Kriegel, aber so – dass du siehst, der war auch schon mehrfach Schweizer Meister und ist dann jetzt in hike and fly ein grosser Meister geworden und sowas. Hat dich das irgendwann auch mal gereizt, als du überlegt hast, soll ich auch in diese Disziplin mit einsteigen? Oder war das nie ein Thema für dich?
Also die Vorstellung, dass ich das auch machen könnte, wäre schon toll. Das würde mich auch interessieren, aber ich war – also ich habe schon lange Probleme mit den Knien, wenn ich runtergehe oder wenn ich lange Strecken laufe, dann geht das eigentlich nicht. Also ich weiss von mir, dass ich das gar nicht machen könnte. Aber vom Interesse her, ja, fliegerisch könnte ich wahrscheinlich mithalten. Könnte ich mir vorstellen. Vielleicht nicht mit Kriegel, je nachdem. Aber von der Ausdauer, vom physischen her, wäre ich nicht dabei. Auch mit Training nicht zu machen.
Ja, ich meine, es ist auch etwas, was man wahrscheinlich über Jahre hinweg aufbauen muss. Oder wenn man sich so anguckt. Obwohl dann auch die Leute, die sagen, sie haben Knieprobleme. Also es gibt ja einige – ein Gavin McClurg, der früher Skifahrer war, der gesagt hat, der hat eigentlich total kaputte Knie. Die hat aber soweit dann wieder auftrainiert, dass das geht. Und ich glaube auch ein Aaron Doroghati hat ziemlich viele Knieprobleme, aber auch so die Knie so auftrainiert, dass er dann vieles dann da entsprechend doch schafft. Also wo ein Wille ist, ist auch ein Wille.
Ja, da hast du sicher recht, dass das eine Möglichkeit wäre. Aber da kommt halt wieder das Zeitmanagement rein. Oder wenn du sowas machen willst, dann musst du trainieren. Da kannst du nicht mit «Ja, ich gehe mal an die Wettkämpfe und vorher mache ich genau gar nichts.» Das läuft dann nicht.
Wenn du fliegen gehst, was suchst du dann in der Luft?
Eigentlich gefällt mir das in der Luft sein selber. Die Freiheit, die dritte Dimension zu entscheiden, wo ich hingehe, was ich machen will. Und eigentlich auch die Herausforderung, dass man eben keinen Motor hat, dass man immer schauen muss, dass man wieder hochkommt oder eigentlich so die Challenge, dass man die eigenen Ideen auch verwirklichen kann. Dass es wieder aufgeht. Das ist so das Spannende daran.
Was lässt dich in der Luft jubeln?
Ich denke starkes Steigen macht das schon. Oder wenn es eine Situation die knapp war, dass es dann nicht aufgeht und man dann sieht, jetzt ist man über den Berg und jetzt geht es wieder so. Das gibt schon die Momente, ja.
Aber starkes Steigen, da musst du jetzt ja persönlich nicht so viel hinzutun, sondern das ist die Natur, die dir das einfach liefert. Du musst nur noch versuchen, da drin zu bleiben und den
Schirm offen zu halten.
Aber das ist schon etwas, ich meine das ist ja auch dann in positiver Weise ein bisschen nervig aufzureiben, kann das sein. Aber das ist schon etwas, was dich reizt.
Meistens ist es ja auch turbulent, aber das ist für mich normalerweise nicht das Problem. Aber vor allem bringt es einen in eine gute Position. Oder wenn man im Wettbewerb in ein starkes Steigen reinkommt, dann ist man dann in einer besseren Position. Das ist so das Gefühl. Es gibt eben diese es gibt
Freiheitsgrade her. Wenn man steigt, dann kann man entscheiden, was machen. Das ist der
erhebende Moment.
Und ist das für dich beim Wettbewerbsfliegen anders als beim freien Fliegen, dass du beim Wettbewerbsfliegen mehr jubelst, wenn starkes Steigen ist? Und wenn du einfach so normal für dich fliegst, dass du sagst, ein gemütlicher Flug ist eigentlich auch sehr schön, das muss jetzt gar nicht 4 Meter hoch reisen?
Nein, also das spielt für mich nicht unbedingt eine Rolle, ob du im Wettbewerb bist oder nicht. Das geniesse ich trotzdem. Aber 4 Meter ist jetzt nicht unbedingt stark.
Wenn du schaust in den Alpen oder so, gibt es Orte, wo es vielleicht, also dieses Jahr hatten wir 8 Meter oder so an der SM am ersten Tag oder so. Ja.
Okay. Und dann jubelst du? Das geht dann hoch, ja. Das gefällt mir. Das heisst,
das Vario jubelt und man, aber jubelst du nur innerlich oder jubelst du auch äußerlich? Also hört man dich dann auch und juchzt du vor Freude?
Das kann man hören zum Teil, ja. Genau, ja. Und zum Teil ist es auch gegenseitig oder dann merkst du auch, der andere hat auch Freude daran oder so.
Wenn du sagst, es ist dann auch turbulent, man muss den Schirm natürlich offen halten, wie lernt man es mit solchen starken Bedingungen umgehen zu können?
Viel Fliegen macht sicher was aus, oder? Und bei mir hat es auch damit zu tun, wie ich zu Fliegen angefangen habe. Ich habe früh eigentlich mit Gleitschirmfliegen angefangen, also... Wie alt warst du da? Ich war vielleicht 13 Jahre alt, als mein Vater angefangen hat zu fliegen und ich konnte dann seinen Schirm übernehmen und wir waren in einem Westwindhang zu Hause und da konnte ich endlos trainieren. Also ich konnte den Schirm tagelang rauf und runter ziehen und dabei habe ich schon viel gelernt, wie man den Schirm bedienen muss, damit er offen bleibt.
Also ich denke, das ist etwas, was heute ein bisschen zu kurz kommt. Oder das Bodenhandling ist etwas, das man macht, aber vielleicht macht man das 2 -3 Mal und dann ist das schon gut. Kann man das? Hat man das mal geschafft? Aber dass das richtig verinnerlicht wird, ich glaube, das machen die Leute zu wenig.
Und du würdest sagen, dieses Bodenhandling als 13 -Jähriger am Westhang trägt mit dazu bei, dass du heute ein 8 -Meter -Bad sauber auskurbeln kannst?
Ich denke schon, dass das mir heute noch hilft. Einfach, dass
die Reaktion, die du nicht überlegen kannst, weil die zu schnell kommen muss, also wenn der Schirm schiesst oder so, dann bist du immer zu spät. Das kannst du nicht bewusst überlegen, was du da machen musst. Das muss eine intuitive, direkte Reaktion sein. Und ich glaube schon, dass man das als Kind auch sehr gut lernt. Wenn du damit anfängst, wenn du schon 40 bist, dann kriegst du das nicht mehr in deinen kleinen Hirn, dass das so reagieren muss. Aber bei einem Kind geht das.
Das heisst, je jünger man anfängt, desto besser kann man seine Reflexe fürs Fliegen dann auch trainieren?
Ich denke, das ist so bei jedem Sport, der Reflexe braucht.
Bist du denn dann jemand, der viel zur Kappe hoch schaut? Oder weil du so gute Reflexe hast, so schnell kann man gar nicht hochgucken, wie man manchmal reagieren muss. Dass du eigentlich sagst, ich spüre das, ich reagiere automatisch so. Ich muss gar nicht ständig zur Kappe hochschauen, um zu wissen, was die oben macht.
Ich schaue schon viel hoch. Wenn es eine Störung gibt, dann ist es ja schon relevant, wie die ausschaut und wie die Chancen sind oder was man dann machen muss, dass es wieder öffnet.
Dann ist die Störung ja schon passiert. Aber häufig ist ja so, dass du sagst, also das, was man im Groundhandling glaube ich auch viel lernt, ist nicht zu sagen, wie reagiere ich, wenn die Störung einmal passiert ist, sondern wie reagiere ich, dass die Störung erst gar nicht kommt, weil ich schon sehr früh merke, da hat der Straßenflüge entlastet oder der Schirm schiesst mir gerade ein bisschen vor und ich muss einmal ganz kurz auf die Bremse, aber heftig, aber dann sofort wieder los und dann fliegt er wieder ganz normal weiter und ist eben nicht geklappt. Guckst du auch bei sowas dann viel nach oben oder sagst du, das habe ich alles im Gefühl, natürlich gucke ich dann, wenn er geklappt hat.
Das ist eigentlich etwas, was ich endlos geübt habe, auch ohne den Schirm zu schauen oder sogar mit geschlossenen Augen zu versuchen, den Schirm zu fühlen oder was er macht. Das geht, aber natürlich nicht immer. Man kann gewisse Situationen erfüllen und wenn es dann stark genug ist, muss man trotzdem schauen, was passiert ist.
Fliegst du auch heute noch manchmal mit geschlossenen Augen?
Nein, vielleicht eher ohne Vario, aber nicht mit geschlossenen Augen.
Kommen wir nochmal ein bisschen zum Wettbewerbsfliegen zurück. Wie bereitest du dich auf einen Wettbewerb vor? Also bereitest du dich überhaupt vor in irgendeiner Weise? Du gehst regelmäßig fliegen, aber gibt es etwas, wenn du jetzt weißt, okay, da findet jetzt der Wettbewerb, wie in diesem Jahr, in Charmage statt? Guckst du dir in Google Earth oder sowas nochmal das ganze Fluggebiet an? Was gibt's da wie irgendwas? Also versuchst du da was geistig schon zu memorieren oder sagst du, nein, ich bin ein Naturburschflieger, ich weiß, ich muss mir das Gelände nur angucken und ich weiss eigentlich, wo ungefähr die Linien liegen.
Ja, also so detailliert schaue ich das sicher nicht an, dass es schon flugtaktische Überlegungen sind, aber vielleicht, wenn ich noch nie da war, dann schaue ich das Gebiet an, wie das gelegen ist, schon eben auf Google Earth oder so, aber vielleicht mehr zum schauen, ob ich Lust habe, da hinzugehen oder so, als dass es dann schon eine Vorstellung gibt, wie es da zum Fliegen ist, weil häufig ist es noch schwierig zu sagen, wenn du noch nie geflogen bist, wie es dann da sein wird, weil du die lokalen Verhältnisse ja nicht siehst auf dem Gerste.
Und gibt es eine andere Form der Vorbereitung, die du machst? Also beispielsweise Ausrüstung. Musst du da oder bereitest du da gross vor, sagst, ein Wettbewerb kommt, ich muss erstmal meinen Schirm neu trimmen, das gehe ich jetzt alles nochmal durch?
Ja, also durch das, dass ich nicht jeden Tag fliege, ist es schon so, dass ich meinen Material zusammensuchen muss, bevor ich an den Wettbewerb gehe. Und vielleicht schaue ich dabei auch, ob das Zeug noch läuft oder dass es up to date ist oder so. So weit vorbereitet muss ich schon sein, aber ansonsten mache ich nicht speziell, ich meine, den Schirm trimmen ist etwas, das du vielleicht nicht am Tag vor dem Wettbewerb machen solltest, weil ja, Trimmen auch Fliegen beinhaltet, wenn damit du schauen kannst, ist das jetzt so, wie du das gerne hättest, vom Gefühl her oder so. Fliegt der Schirm angenehm? Ja, und das ist vielleicht der falsche Moment, wenn du es am Tag vorher machst.
Das heisst, du trimmst häufig an deinem Schirm herum, wenn du einen neuen Schirm bekommst.
Ja, das ist so gesehen Standard. Also ich habe in der letzten Zeit sogar angefangen, den Schirm zu messen, bevor er geflogen ist. Ob schon man sagt, dass das ja nicht Sinn macht, weil einfach die Leine noch nicht Die müssen
sich erst noch setzen und ein bisschen längen und einziehen und oben richtig in die Schlaufen festziehen und sowas.
Aber einfach, um zu schauen, ob das Ding richtig gebaut ist. Also ich habe auch schon Schirme gekriegt, die ich dann korrigiert habe, bevor ich die zum ersten Mal geflogen bin. Also einfach, wenn man sieht, es gibt Asymmetrie drin und die ist messbar, dann kann man auch mal vorher was machen.
Und wenn du jetzt fliegen gehst und sagst, ich trimme meinen Schirm, was gehört dann zum Trimmen dazu? Das eine ist natürlich die klassischen Leinenlängen, dass die im Normbereich sind, dass man das überprüft. Aber trimmst du wirklich dahingehend, dass du sagst, naja, ich möchte, dass der ein bisschen besser noch ums Eck kommt, ich knüpfe noch einen kleinen Knoten in die Außenbremse rein, dass der Stabilo ein bisschen weiter runtergezogen wird? Also gibt es solche Feinheiten, die du da auch noch veränderst?
Ja, ich selber bin nicht auf dem Niveau, dass ich einzelne Leinen korrigiere, weil ich denke, dass das dann besser ist, sondern ich nehme mehr den Leinenplan und schaue, ist das Ding symmetrisch oder hat es irgendwie Abweichungen drin, die man
offensichtlich korrigieren sollte. Und das kann schon mal eine Galerieline sein, die vielleicht noch ein bisschen zu lang ist bei einem neuen Schirm. Aber dann bei einem gebrauchten Schirm, wenn das mal gemacht ist, dann ist es mehr so die Stammleinlänge, die sich verändert oder so, wenn man gewisse Flugstunden hat. Und auch wenn der Aussenflügel zu schnell oder zu langsam ist, dann dreht er nicht mehr gut oder so, dann kann man auch die B3 oder so länger oder kürzer machen, damit das Handling wieder stimmt. Also so Sachen mache ich.
Ist das etwas, was du spürst? Also merkst du beim Fliegen, okay, irgendwie mein Schirm dreht jetzt nicht mehr so gut, ich glaube, ich muss mal gucken, ob irgendwie die B3 -Leine nachgetrimmt werden muss. Also hast du sowas im Gefühl?
Ja, das spürt man schon, ja, dass das mehr oder weniger
aggressiv wird oder so. Oder vor allem aufgefallen ist mir, wenn also früher habe ich die Leinen, die haben ja hinten Knoten, wenn der Schirm neu ist und dann kann die aufmachen und dann habe ich gedacht, ah, das ist um aufmachen, dann habe ich das gemacht und dann gemerkt, ah, der Schirm fliegt gar nicht mehr so, wie ich das gewöhnt oder der fühlt sich falsch an. Und dann habe ich es immer wieder zugemacht. Und eigentlich seit ich selber mit Messen angefangen habe, habe ich auch gemerkt, es braucht weniger Änderung als die Knoten, die da drin sind. Also eigentlich ist die Vorgehensweise
Messen und dann nur so viel verstellen, wie auch nötig und nicht einen ganzen Knoten zwingen.
Seit dem vergangenen Jahr bietest du ja auch über eine eigene Firma einen Leinen Messgerät für Wettbewerbsflieger an oder nicht nur für Wettbewerbsflieger, aber wahrscheinlich hauptsächlich für die, den sogenannten Skyline Laser. Und an dem Unternehmen sind auch noch ein paar andere Wettbewerbspiloten beteiligt, Christoph Dunkel, Roger Aeschbacher. Wie kam es dazu, dass ihr gesagt habt, wir machen jetzt eine Leinenmessfirma auf?
Ja, das war eigentlich in Argentinien an der WM vor ein paar Jahren. Da hatten wir versucht unsere Schirme zu messen und dann gefunden, das ist richtig mühsam mit dem ganzen
Blechgestell und dem Wasser, das da baumelt und die von Hand auf die Zielscheibe zielen und dann trotzdem nicht am richtigen Ort stehen und dann haben wir gefunden, das muss doch besser gehen. Und dann haben wir so verschiedene Ideen gewählt, wie man das dann verbessern könnte. Und eben auch bezogen auf den Wettbewerb oder aufs Reisen, damit man das Ding auch besser einpacken kann und transportieren. Und wir sind eigentlich dann auf die Idee gekommen, dass man das Messprinzip umdrehen kann, dass eigentlich der Laser gegen den Mann gerichtet ist, anstatt dass man mit dem Laser auf die Zielscheibe zielt. Und dieses System ist eigentlich
nach und nach entstanden. Also wir haben verschiedene Prototypen gemacht. Zuerst waren der Laser und die Kraftmesszelle im selben Gerät. Also die Messzelle schaut, wie hoch die Spannung ist in der Leine. Und das hat sich dann aber nicht so bewährt. Und inzwischen sind es zwei Geräte. Also in der Hand hat man eine Kraftmesszelle und eine kleine Zielscheibe und auf der anderen Seite steht der Laser auf dem Tisch, wo der Traggurt angemacht ist. Und durch das kann man eigentlich sehr ruhig und ohne gross zu zielen den Schirm ausmessen.
Kraftmesszelle heisst, du willst ja immer mit 5 Kilogramm Zug das haben und da hast du wie so einen kleinen Drucksensor oder Zugsensor, also wie eine kleine Waage da mit eingebaut. Und dann ziehst du und dann macht er irgendwann Piep, wenn die 5 Kilogramm erreicht sind oder löst das automatisch die Messung aus, wenn du die 5 Kilogramm gerade gezogen hast? Wie funktioniert das?
Es ist so, dass man ja bei 5 Kilogramm messen soll und jetzt bei diesem System gibt es sogar mehrere Messungen, also während dem Zug erhöhen wird schon gemessen und es wird dann geschaut, trifft man die Zielscheibe eigentlich, ist man bei jeder Messung oder bei mehreren Messungen schon auf der Zielscheibe und machen die Werte Sinn? Und falls ja, wird dann der 5 Kilogramm Messwert direkt an an das we-measure System übertragen. Das haben wir zusammen integriert, dass die Schnittstelle auch gut funktioniert, dass es nicht Übertragungsfehler gibt und durch das sieht man auch direkt auf dem Display von dem Handteil die Abweichung, also von we-measure kriege ich die Sollänge von der Leine aus dem Datenblatt und dann kann ich direkt die gemessene Abweichung
darstellen, dass man das beurteilen kann, ob die richtige Leine gemessen wurde oder so.
we-measure ist so eine spezielle Software für Gleitschirmflug Leinenvermessung, also die ist glaube ich frei verfügbar? Ist das Open Source oder sowas?
Ja genau, für Privatanwender ist das frei verfügbar. Das ist eine Webseite, wo man eigentlich den Laser verbinden kann. Es gibt natürlich alle Laser, aber wir haben da zusammen eigentlich die Integration gemacht, dass man noch zusätzliche Sachen hin und her schicken kann. Ein handelsüblicher Laser kann natürlich nicht noch die Sollänge vergleichen und so Sachen. Und der überprüft auch nicht, ob man das Ziel getroffen hat oder so. Bei unserem System wird das mitgemacht und durch die Integration, die wir zusammen machen, wir haben da eine sehr gute Zusammenarbeit, ist das eigentlich ein super System geworden.
Das heisst, du misst jetzt einmal, du ziehst und kriegst in dem Moment sofort auch angezeigt bei dir, da gibt es eine Abweichung oder nicht.
Ja genau. Das
heisst, du kannst damit auch sehr schnell sagen, ich will gar nicht den ganzen Schirm durchmessen, sondern ich will nur meine drei Stammleinen einmal eben schnell checken, was dort ist und kann sofort sehen, gibt es da eine Abweichung oder nicht. Das heisst, ich bin nach fünf Minuten mit dem Messen durch.
Ja, das kann man so machen. Es ist ja so, dass die Leine beim Messen immer länger wird. Also die Stammleine, wenn man die mehrmals misst, wird die länger und länger. Und deswegen ist, wenn man sehr präzise messen will, ist eigentlich der ganze Schirm messen oder die ganze Ebene messen gesetzt. Aber ja, wenn du mit der Präzision auf mehrere Millimeter zufrieden bist, dann kannst du auch einzelne Leinen messen, das geht ja.
Wenn du so mit dem Leinenmessen, jetzt wahrscheinlich mittlerweile ein Spezialist da drin geworden bist, wie fein gehst du dann an die Trimmung deines Schirmes rein? Sagst du, okay, ich mache unten ein bisschen Knoten oder nein, ich gehe auch wirklich in die obere Galerieleine und verändere da auch noch und versuche so den letzten halben Millimeter da noch rauszuholen. Wie sinnvoll ist das dann eigentlich, wenn du auf der anderen Seite sagst, naja, dreimal an der Leine gezogen, dann hat sich schon wieder eine andere Länge.
Das ist ein sehr interessantes Thema und das kommt auch extrem auf die Person, auf den Charakter drauf an. Ich habe schon beobachtet, dass Leute Schirme trimmen, die eigentlich schon lange gut eingestellt sind und immer noch da gibt es noch Abweichungen und so und am Schluss fliegt er gar nicht mehr.
Er
ist perfekt getrimmt.
Getrimmt, bis es nicht mehr fliegt. Aber jetzt bei mir einen neuen Schirm, da investiere ich schon mal ein paar Stunden, bis vielleicht die Galerieleinen stimmen, aber dann ist es eigentlich nicht mehr sinnvoll, zu viel zu machen. Und ich glaube auch, man kann das zu genau machen. Klar ist die Genauigkeit vom Messen wichtig und wenn es fünf Millimeter Abweichung hat, dann ist es viel oder zu viel oder ein Zentimeter. Aber ich glaube, so einen halben Millimeter, der ist auch nicht messbar richtig. Das Messgerät hat schon eine Millimeterstreuung, wenn keine Leine da ist oder quasi eine statische Distanz.
Es zeigt zwar besser an, aber die
Abweichung von dem Messsystem ist schon mal ein Millimeter. Dann kannst du nicht den Anspruch haben, dass das auf einen halben Millimeter genau wird.
Und ist das für dich so eine Herausforderung gedanklich, dass du sagst, ich habe das Gefühl, mein Schirm auf der B, was auch immer Leine ist, ist der zu lang oder zu kurz gefühlt? Ich überprüfe das jetzt mal real gemessen. Stimmt denn mein Gefühl? Machst du sowas?
Das kommt vor, ja. Was häufig recht eindeutig ist, wenn das Ding nicht gerade fliegt oder wenn es Schirme gibt, die im beschleunigenden Zustand oder im Trimmen nicht gerade fliegen. Und das ist ein sehr guter Hinweis, dass etwas an der Trimmung nicht stimmt. Das muss man finden können, wenn man es misst. Das kannst du dann auch korrigieren. Blöd ist, wenn es dann nicht an der Leinenlänge liegt. Dann ist der Schluss nahe. Der ist irgendwo anders verzogen und dann kannst du nicht mehr viel machen.
In den letzten Jahren ist noch eine andere Form der Trimmung in der Gleitschirmwettbewerbsszene mehr noch ein Thema geworden. Da geht es darum, man fängt jetzt auch an, die Stäbchen zu trimmen und die Stäbchenlänge zu kürzen, weil der zu viel Spannung hat. Machst du sowas auch?
Ja, klar. Muss ich machen. Musst du machen. Warum?
Erklär vielleicht erstmal für Leute, die davon noch keine Ahnung haben, warum muss man anfangen, bei solchen Wettbewerbsschirmen auch Stäbchenlängen zu trimmen?
Das ist eine gute Frage. Das wollte ich eigentlich lange auch nicht wahrhaben, dass man das machen muss, weil es ist richtig mühsam. Es ist extrem zeitaufwendig und schwierig zu machen, weil die Stäbchen sind innen drin und man muss den Schirm innen nach aussen umkehren und dann kommt man da hin zum etwas kürzen und wieder einfädeln und am Schluss schmerzen alle Finger und passen tut es trotzdem nicht. Aber die Schirme sind ja inzwischen so gebaut oder optimiert, dass man das Profil verändern kann mit den Stäbchen, mit der Stäbchenspannung und im Wettbewerb ist das relevant, weil die Topgeschwindigkeit
erhöht wird, wenn der gut eingestellt ist. Jetzt ist es aber so, dass ein Schirm mit wenig Spannung klappstabiler ist, aber langsamer und wenn er viel Spannung hat, wird er aggressiver, dafür ein paar km/h schneller und der Übergang ist recht scharf. Deswegen sind wir auch am Stäbchen anpassen, weil die Herstellungstoleranz zu klein ist. Das heisst, meine letzten drei Schirme sind von neu an gut gespannt gewesen, also zu gut. Dann musste ich jedes Mal fliegen, kürzen, fliegen, kürzen. Das braucht auch seine Zeit und ärgert einen.
Ich denke, das macht niemand gerne, aber das muss man irgendwie machen mit den aktuellen Modellen.
Aber woher weisst du dann, jetzt habe ich genug gekürzt? Ja, das ist schwierig. Vom Gefühl her, du kürzt dann wahrscheinlich jedes Mal 1 -2 mm dort weg, damit verändert sich schon wieder die Spannung. Man muss jetzt wissen, bei den Enzos, die haben halt nicht nur vorne die Stäbchen, sondern lange Stäbchen, die dann über den ganzen Flügel oben rüber reichen und ganz viel der Trimmung betrifft auch diese hinteren Stäbchen, die man dort macht.
Ja, vor allem die hinteren. Genau, ja.
Weil das dann eben ein bisschen die Profilform so verändert, dass dann vielleicht ein bisschen der Reflexanteil, den das Profil hat, wie stark das dann noch schießen kann oder wie stark es sich selber dann wieder einbremst, dass davon beeinflusst wird. Aber wie weiss man als Pilotgefühl, sagst du, okay, jetzt habe ich genug vorne weggeschnitten, das ist jetzt ein guter Kompromiss zwischen Stabilität und Geschwindigkeit?
Also das eine Ende ist relativ einfach zu sehen, wenn das Ding klappt, oder? Also wenn er zu fest gespannt ist, dann ist er eigentlich weniger klappstabil und unangenehm zu fliegen. Also mein aktueller Schirm ist immer noch ziemlich gut gespannt und er hat so die Tendenz, dass er den Stabilo vorne in die Leinen kriegt bei einem Klapper. Und das, ja, wenn ich, eigentlich habe ich immer noch das Ziel, dass ich das wieder wegkriege. Mit den letzten zwei Schirmen habe ich das gekürzt, bis es einigermassen angenehm zu fliegen ist. In die andere Richtung ist aber die Gefahr, wenn man zu viel kürzt, dann ist es dann halt langsam.
Und, ja. Das will man als Wettbewerbspilot nicht. Genau. Man will einen schnellen Schirm haben. Möchte man die km/h behalten, die 2 -3, die da noch rauskommen im Topspeed, oder?
Aber das ist dann ja auch im Grunde schon eine Wissenschaft für sich, weil wenn du jetzt sagst, okay, der Außenflügel klappt, dann muss der vielleicht nur die drei Stäbchen oder die zehn Stäbchen im Außenflügel kürzen. Aber der läuft halt auch schmaler zu. Also ist wahrscheinlich auch, wenn du einen Millimeter in der Mitte wegnimmst, das macht wenig aus. Wenn du einen Millimeter draußen, also im Außenflügel wegnimmst, das macht wahrscheinlich schon viel, viel mehr aus von dem, was an Spannung dort dann entsprechend über die Strecke verloren geht. Wie passt du sowas an? Oder probiert da jeder Wettbewerbspilot
irgendwie, braucht er so sein eigenes Süppchen? Oder gibt es da irgendwie ein breit verteiltes Wissen, wo man sagen kann, so ist es eigentlich gut?
Wenn jemand eine Anleitung hat, wie man das genau macht, dann wäre ich auch Empfänger davon. Ob schon ich jetzt schon drei, vier Schirme gemacht habe und das Gefühl habe, es hat einigermassen geklappt. Aber die Unsicherheit bleibt, dass man eben das Risiko zu viel zu kürzen und dann weisst du nicht wo und habe ich jetzt das Richtige gemacht und dann ist es ja nicht reversibel, wenn man das Zeug abhaut.
Da kann ich ehrlich gesagt auch nicht weiterhelfen, aber ich versuche das nach Gefühl zu machen und vielleicht auch ab und zu mit dem Entwickler zu diskutieren oder so. Der gibt ein paar Tipps und sagt, du musst das und das machen.
Am liebsten hätte ich, wenn man das Design ändern könnte von den Schirmen. Ich habe auch schon mit Ozon diskutiert, was man ändern könnte. Einmal war eine Idee, eine Feder reinzumachen, damit die Stäbchen sich anpassen würden.
Leider funktioniert das nicht, weil das Stäbchen muss im Flug unkomprimierbar sein, dass es seine Funktion erfüllen kann. Wenn das Profil deformieren will, muss das Stäbchen da sein und nicht weggehen. Die Feder funktioniert nicht so gesehen. Eigentlich wäre es besser, wenn man ein Produkt hätte, das prozessstabiler ist, das man herstellen kann und nicht manchmal gut und manchmal zu viel gespannt und manchmal zu wenig.
Ich habe gesehen, Ozon hat jetzt in den Enzus, wenn ich es richtig weiss, teilweise sogar schon zwei verschiedene Taschen, in die man die Stäbchen reinschieben kann, wo man damit schon ein bisschen spielen kann, ein bisschen grössere Spannung, ein bisschen kleinere Spannung, bevor man anfängt, an den Stäbchen selber direkt rumzuschnibbeln und sowas.
Ja, das hilft schon viel, wenn man die zwei Taschen hat, dann kann man mal, wenn es zu viel ist, in die kürzere Tasche oder in die längere Tasche wechseln und dann ist auch die Möglichkeit, wenn man das Gefühl hat, jetzt habe ich zu viel gemacht, dann kann man wieder mehr spannen mit der anderen Tasche. Das ist sicher eine gute Idee. Es gibt zusätzlichen Produktionsaufwand, zum die Taschen nähen und so. Ich hoffe immer noch, dass es eine bessere Lösung gibt in Zukunft, dass man das vielleicht gar nicht mehr machen muss.
Ich habe mal so eine Grafik von Luc Armant gesehen, wo er das mal aufgezeichnet hat. Ich kriege es nicht mehr ganz zusammen, aber ich glaube so die Range von, also Kilometerunterschied von der Geschwindigkeit von einem total stark gespannten Enzo und einem relativ entspannten Enzo, das sind glaube ich mehr als fünf Kilometer pro Stunde gewesen. Ja. Was den Top Speed betrifft, das ist ja schon für Wettbewerb echt eine Menge. Und wenn dann einer am Ende dann im Endanflug sagt, wunderbar, ich ziehe dir jetzt mit 5 km/h mehr davon, ist das natürlich, da fühlst du dich einfach stehen gelassen und denkst dann, scheisse, ich habe bei meinen Stäbchen jetzt doch zu viel weggeschnitten und sowas. Wie wird das eigentlich in der Szene diskutiert untereinander?
Ja, das hat Jahre gegeben, wo wir das gar nicht richtig verstanden haben, aber in den letzten ein, zwei, drei Jahren ist das eigentlich mehr und mehr bekannt geworden, dass das relevant ist und dass man das schauen muss. Ja, eigentlich wäre es gut, wenn man das nicht machen müsste oder wenn man die Gleitschirme entspannt liefern kann. Das hat der Ligar auch mal in so einer Grafik dargestellt, dass das Problem ist ja eigentlich die Beschleunigerbegrenzung, das dazu führt, dass man ein Profil wählen muss, das dann schnell fliegt mit wenig Anstellwinkelveränderung. Also er hat das so gezeigt, dass ein Profil, das einen S -Schlag drin hat, das
würde sich selber begrenzen und ist deswegen klappstabil, aber mit den 14 cm Beschleunigerweg, die reglementiert sind, kann man dann das Profil nicht genug beschleunigen, da müsste man mehr Weg haben. Und das ist etwas unglücklich, diese Regulierung, dass sie eigentlich die Sicherheit und die Produktionsstabilität von den Gleitschirmen wie
negativ beeinflusst. Ja, das ist so eine Zwickmühle, die wir noch nicht gelöst haben.
Wie ist das mit den Marken eigentlich, also Niviuk beispielsweise, die Nitinolstäbchen haben? Müssen die auch dann mit der Kneifzange an ihre Nitinolstäbchen ran oder wie machen die das?
Ja, das Problem ist ja nicht nur das Stäbchen, sondern die Kombination mit dem Tuch. Und das Nitinolstäbchen hat den Vorteil, dass es eben nicht die Länge ändert, aber das Tuch trotzdem. Und ja, eigentlich haben die das Problem auch. Das ist nicht gross und nicht gross ein Unterschied. Das Hauptproblem ist eigentlich, wenn das Tuch nass wird, dann wird es kürzer. Und ich hatte schon mal vorgeschlagen, dass er doch dann
die Stoffrolle waschen soll, bevor er den Gleitschirm näht. Und dann hat er gesagt, ja, das habe ich schon gemacht, aber das reicht leider nicht, weil jedes Mal, wenn das Ding wieder nass wird, wird es wieder kürzer und dann bringt es so gesehen gar nichts, wenn das vorgewaschen wäre. Also ich glaube, eine Empfehlung ist eigentlich, den Schirm nicht nass zu machen, also auch nicht feucht. Aber wenn du schaust, wo wir fliegen gehen in den Tropen und dann durch die Regenschauer durch und also es ist nicht so einfach umzusetzen, einen Schirm nie nass zu machen.
Passiert es dann schon mal, dass du beispielsweise, du bist in den Tropen geflogen, warst irgendwo in Brasilien bei einem PWC, dein Schirm ist ein bisschen nass geworden und dass du merkst, ah, von heute auf morgen oder du hast den nächsten Tag gemerkt, mein Schirm fliegt jetzt anders, dass du wirklich dich am Abend des Tages noch hinsetzt und sagst, ich hole mir mal wieder meinen Nagelkneifer raus und gehe an die Stäbchen
ran. Aber schon sicher. Also es ist mir in Frankreich passiert, an der WM. Da hatten wir ein Task, wo es so Nieselschauer hatte und dann haben wir gedacht, ja, das ist ja nicht schlimm, da gehen wir noch durch und es war dann doch mehr als gedacht und schlussendlich hat es da sogar Schirme, die nicht mehr geflogen sind, also neben mir, ist ein Schirm runter, der zu nass war, also der in den Sackflug gegangen ist und als ich das gemerkt habe, habe ich dann den Beschleuniger gedrückt und nicht mehr losgelassen, bis ich gelandet bin. Aber am nächsten Tag, als ich den Schirm wieder
aufgepackt hatte, hatte er sich eben verändert und das habe ich eigentlich im Flug gemerkt, dass der hatte dann wie einen Knick auf der oberen
Seite, den habe ich zwar nicht gesehen, aber dann fühlst du, dass der Schirm nicht gut fliegt oder dass die Strömung abreisst an dem Knick zwischen A und B, weil die Stäbchen wirklich viel zu lang sind und an dem Lauf war ich auch nicht speziell gut, weil ich kam runter wie ein Stein im Vergleich zum Rest vom Feld und am Abend habe ich dann tatsächlich die Schere oder den Nagelklipster genommen und das Zeug gekürzt und am nächsten Tag ist er wieder geflogen.
Aber woher weisst du dann genau, welches Stäbchen muss ich jetzt kürzen oder gehst du dann einfach einmal wirklich die 70 Zellen durch oder wie viele Zellen da so ein Enzo hat?
Also jetzt in dem Fall hast du das schon gut gesehen, wenn du den auf die untere Seite am Boden hattest und dann hast du oben gesehen, dass das eine richtige Schlangenlinie macht und einen Knick gibt und dann, wenn du das Stäbchen aus der Tasche nimmst, ist das auch viel zu lang oder das springt dann raus und schau, vielleicht ein Zentimeter oder so raus und wenn du es wieder rein machst, dann spürst du die Spannung, die du erzeugst. Also das war da relativ eindeutig, ja. Aber ich kann jetzt nicht sagen, dass ich genau die richtige Länge gekürzt hätte, weil da habe ich vielleicht einen halben Zentimeter abgeschnitten oder so oder noch mehr. Und offensichtlich war er dann wieder in flugfähigem Zustand, aber wahrscheinlich hatte ich zu viel gekürzt oder dass er dann zu langsam wurde.
Und der Schirm fliegt heute noch, der Besitzer hat extrem Freude, weil er vor allem sehr stabil ist, also weil der Club stabil ist.
Der muss aber keine Wettbewerbe fliegen und sagt deswegen nicht, der ist mir zu langsam, oder?
Doch, der war an der SM auch da, der Schirm.
Aber du hast ihn abgehängt, du bist mit dem schnelleren,
also mehr Stäbchen -Spannung -Schirm bist du dann mit ein paar km/h mehr Geschwindigkeit dann auch wieder davon geflogen.
Ja, jetzt in dem Fall, vielleicht hat das was ausgemacht, aber natürlich, das ist eigentlich das Interessante, in den Alpen während dem Task fliegt man nicht unbedingt immer Vollgas und dann macht auch diese Geschwindigkeitsänderung nicht so viel aus. Es ist mehr die Taktik, die die ausmacht, oder? Aber dann im Endanflug ist das halt vor allem relevant, also da sind zwei Kilometer halt schon gut, wenn du die hast. Zusätzlich.
Heisst das auch, wenn du jetzt wettbewerbsfliegst und sagst, ich fliege eigentlich nur, oder ich würde nur Wettbewerbe in den Alpen fliegen, würdest du deinen Schirm von den Stäbchen her etwas kürzer trimmen, so dass du sagst, ich nehme mehr Spannung raus, ich habe mehr Stabilität, aber da kann ich halt die Kappe in den 8 -Meter -Bärten viel leichter offen halten, als die im Durchschnitt vielleicht 3 -4 -Meter -Bärte, die ich in den Tropen irgendwie habe, da brauche ich dann letzten Endes mehr Geschwindigkeit fürs Flachland?
Ja, das wäre schön, wenn man das so machen könnte, aber auch, in den Alpen gibt es den Endanflug, oder
vom Gefühl her würde ich sagen, sofort mit kurzen Stäbchen, weil das ist wirklich das ist schon ein riesen Unterschied, also wenn du weisst, der Schirm geht eigentlich praktisch nie zu, du kannst durch alles durch, das gibt dir schon ein besseres Gefühl, oder wenn du weisst, wenn die nächste Turbulenz kommt, dann wird er wieder einhängen und du musst was machen, dass es wieder rausgeht, oder so. Aber ja, das sind Situationen, dass man eben eigentlich mit dem Schirm fliegen muss, der eben unangenehm ist, und das ist ja quasi das Problem, das wir haben in der Szene.
Jetzt nur nochmal wirklich zum Verständnis, damit du gewinnen kannst, musst du einen Schirm fliegen, der unangenehmer zu fliegen ist, als er eigentlich sein könnte.
Ich würde sagen, zusammengefasst ist das so, ja.
Warum macht dir dann das Wettbewerbsfliegen so Spass?
Ähm, also, ich glaube, ich bin recht unempfindlich für schwierige Schirme, weil ich eben das Gefühl gut ähm, handhaben kann, wenn das Ding nicht mehr fliegt. Also jetzt, bei der SM hatten wir auch eine Situation, da war ich ein wenig vor den anderen und hatte so einen Klapper, wo es mit Einhänger und so, dass der Stabi ging sogar durch zwischen A1 und A2 und kam wieder hinten raus und dann habe ich gedacht, oh, das ist jetzt nicht gut. Aber das konnte ich dann mit einem Stahl wieder öffnen und weiter fliegen und dann nach dem Flug haben sie gesagt, ja, das hast du gut gemacht.
Das hast du gut gemacht. Wir hatten schon Angst, dass das nicht mehr gut kommt, oder? Sie waren froh, dass das wieder behoben wurde. Aber ja, ich glaube, ich muss deswegen nicht so viel, also ich toleriere ein bisschen einen schwierigeren Schirm als andere, wenn man das so sagt. Und mir macht das dann trotzdem noch Freude.
Ist das etwas, wo du sagen würdest, das ist ein bisschen Naturtalent von deiner Jugend her, wo du sagst, ich habe von Anfang an Groundhandling gemacht? Oder machst du heute auch noch regelmässig Sicherheitstrainings mit einem Zweileiner, um solche Situationen auch wirklich intensiv zu trainieren?
In der Schweiz machen wir das jedes Jahr, dass wir die Nationalmannschaft ins Sicherheitstraining mehr oder weniger zwingen. Also man kann das auch sein lassen, aber es gibt eine Prämienreduktion oder so. Und das Ziel ist eigentlich schon, dass die Leute das regelmässig machen, also die Extremsituationen und die Reaktion darauf. Und ich habe selber gemerkt, ich habe zwar einen Rucksack, der mir erlaubt, das gut zu machen oder intuitiv zu machen, aber wenn ich das, ich habe das auch schon nicht gemacht und dann, wenn ich wieder gehe an das Sicherheitstraining, dann merke ich schon, es ist nicht mehr so geläufig oder so.
Es passiert, es ist unangenehmer vielleicht auch. Dann merke ich auch, das muss ich wieder machen. Ich glaube, das muss man auch regelmässig üben. Das schadet auch nichts.
Nutzt man da so ein Sicherheitstraining auch, um seinen Schirm zu trimmen? Also sagt man, jetzt habe ich einmal ein bisschen abmontiert und irgendwie der Aussenflügel kommt mir ein bisschen zu aggressiv vor von den Reaktionen her, bevor ich jetzt wieder hochfahre und dann wieder über dem Walensee abmontiere oder so. Ich nehme mal aus den äusseren Zehenzellen einfach zwei Millimeter weg oder sowas.
Also umgekehrt formuliert, es ist eine gute Situation, um den Schirm negativ zu beeinflussen. Also viele Leute haben auch Angst, dass das Material kaputt geht oder das ist eine
Gegenreaktion. Wenn sie, es gibt, Leute, die gehen nicht mit ihrem aktuellen Material an den Sicherheitskurs, eben genau wegen dem, dass es das Material vertrimmt oder dass es auch Beschädigungen gibt im Tuch. Jetzt meine Meinung ist, dass es vielleicht doch besser ist, wenn du das aktuelle Material beherrschst, als dass du einen Unfall machst, weil du Angst hattest, dass deinem Schirm etwas passiert. Und klar, es ist immer noch besser, wenn du einen alten Schirm nimmst und das wieder üben gehst. Dann hast du es wenigstens geübt, aber du hast dann immer noch die Unsicherheit, wie wäre dann das mit meinem aktuellen Schirm? Und für mich ist bis jetzt die Priorität war eigentlich klar auf mein aktuelles Material, weil ich wissen will, wie das funktioniert.
Dann fühle ich mich bereit, um auch reagieren, wenn etwas passiert.
Jetzt bist du sechsmal Schweizer Meister. Willst du vielleicht noch drei in einer Reihe schaffen, was am Anfang so viel war, wo du dann vielleicht den siebten da noch hast? Gleichzeitig ein Kriegel beispielsweise kümmert sich auch sehr stark um Nachwuchs. Also nicht das eher Nachwuchszeug, sondern den Nachwuchs von X -Alps und sowas, dass er den Leuten was weiterbringt. Machst du sowas auch? Interessiert dich sowas? Und was wäre etwas, wo du sagst, das würde ich gerne quasi dem Schweizer Nachwuchs, dem Wettbewerbsnachwuchs mitgeben, damit die mich irgendwann eines Tages schlagen können?
Ja, ich muss sagen, ich bin nicht so aktiv involviert. Ich hatte vor Jahren mal das
Radiokader geleitet, vielleicht ein Jahr oder so. Aber für mich war auch die Zeit ein bisschen das Problem, dass ich zu wenig Zeit investieren konnte. Aber ich gehe regelmässig an die Trainings und da sieht man schon, dass es Leute hat, die das Potenzial entwickeln können, auch in Zukunft da mitzumachen. Und das macht mir auch immer Freude, wenn ich sehe, es gibt Leute, die sich entwickeln und die in Zukunft das Potenzial der Schweiz erhöhen werden. Aber aktiv mitmachen, muss ich ehrlicherweise sagen, dass ich das nicht so mithelfe.
Was müsste der Schweizer Nachwuchs machen, um dich irgendwann mal schlagen zu können? Wie kommt man dorthin? Wie wird man so gut wie du?
Ja, ich denke, weiter üben ist wahrscheinlich nicht falsch.
Weiter
üben heisst viel
fliegen. Ja. Und
viele Wettbewerber
mitmachen. Viel fliegen, ja, ist sicher eine gute Lösung. Man kann auch warten, bis die alte Garde alt wird, oder? Das klappt sicher auch irgendwann.
Du bist jetzt 48. Wie lange glaubst du denn, dass du noch auf Weltklasse Niveau fliegen kannst? Gibt es da irgendwann eine Grenze?
Ich denke, die Grenze ist, wenn du körperlich nicht mehr fit bist, wenn du vielleicht den Schirm nicht mehr tragen kannst oder so, dann ist schon mal eine Grenze erreicht. Aber so rein vom Alter her, also ich hatte schon, ich war schon an einem Weltcup, wo einer mit über 65 gewonnen hat. Vor ein paar Jahren. Also das ist möglich, man kann das bis ins hohe Alter machen. Das ist ja vor allem auch geistige Fitness und nicht körperlich eben, ja.
Ist das ein Ziel für dich, auch neben dem siebten Schweizer Meistertitel und dem dritten in der Reihe, dass du sagst, ich möchte mit 65 noch einen PWC gewinnen?
Nein, ich denke, das ist nicht ein direktes Ziel, aber ich würde das offen lassen, was ich genau machen will. Ja, ich hoffe, dass ich bis da noch fit genug wäre, aber ob ich dann das wirklich mache oder ob ich bis da andere Ziele habe, kann ich nicht sagen, ja.
Aber das Wettbewerbsfliegen fasziniert dich so, dass du das wahrscheinlich noch über ein paar Jährchen hinaus machen wirst?
Ja, das kann ich schon sagen, dass ich da noch ein paar Mal mitmachen möchte, ja.
Stefan, dann lassen wir es dabei. Du wirst noch ein paar Jahre Wettbewerbe fliegen und ich drücke die Daumen, dass es dir mit dem Ziel zumindest gelingt, den dritten Schweizer Meistertitel in Folge nächstes Jahr zu holen und damit den siebten insgesamt und deinen Vorsprung als Rekordmeister damit noch ein bisschen weiter auszubauen. Dann müssen die anderen, die Jugend, die dann irgendwann mal nachkommt, die muss dann erstmal ein paar Jährchen nachlegen, um an deine Leistung dann heranzukommen. Vielen Dank. Vielen Dank dir für das Gespräch.
Weiterführende Links zu dieser Folge findest du in den Shownotes. Podz-Glidz ist der Podcast des Gleitschirmblogs Lu-Glidz. Beides sind Projekte, die ich seit Jahren als freier Journalist und passioniert der Gleitschirmflieger völlig unabhängig und werbefrei betreibe. Möglich ist das allerdings nur, weil es Menschen gibt, die meine Arbeit schätzen und mir deshalb als Förderer eine Unterstützung zukommen lassen. Mach doch mit! Mit deinem frei wählbaren Betrag trägst du dazu bei, dass ich dir alle möglichen Facetten, News und faszinierende Persönlichkeiten dieses Sports präsentieren kann. Die Höhe des Förderbeitrags kannst du ganz frei wählen. Alle weiteren Infos und Links, wie du mich via PayPal oder Banküberweisung erreichst, findest du auf der Seite www.Lu-Glidz.blogspot.com unter dem Punkt Fördern.
Bis zum nächsten Mal. Euer Lucian.